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Regen und Wind peitschen mir ins Gesicht, als ich mein Pferd noch schneller durch den dunklen Wald treibe, nur Mondlicht und Blitze erhellen mir den Weg. Der Donner grollt im Gleichtakt mit den aufschlagenden Pferdehufen. Es gibt viele Gründe für eine Mission unter gefährlichen Bedingungen – Geheimhaltung, Verzweiflung, Neugier, Rache und Eile, um nur einige zu nennen. Schon vor Jahren habe ich es aufgegeben, das Durcheinander meiner Gefühle zu verstehen, aber ich kann nicht leugnen, welch überwältigende Neugier mich heute Nacht durchströmt.
Der steile Berghang ähnelt einem Labyrinth aus gefallenen Bäumen, unebenen Pfaden und glatten Felsen. Mein Umhang kann die Kälte kaum davon abhalten, bis zu meinen Knochen durchzudringen, und einige Haarsträhnen haben sich aus dem Zopf in meinem Nacken befreit und kleben mir im Gesicht wie von Honig getränkt. Aber ich schlage nie eine Möglichkeit aus, mehr über die aufkommenden Spannungen zwischen Vareveth und Imirath zu lernen.
Wenn ich an meine gefangenen Drachen denke, fließt purer Hass durch mich und verzerrt mein Gesicht zu einer Grimasse. König Garrick wird für das, was er getan hat, mit Blut bezahlen, und selbst das wird nicht ausreichen. Meine Patrouille benachrichtigte mich, weil sie Soldaten aus dem verfeindeten Königreich meines Vaters gesichtet hatten, und ich will wissen, was sie so weit weg von zu Hause treiben, warum sie durch eines der gefährlichsten Gebiete des Kontinents reisen.
Der Wald von Terrwyn ist voller Biester, Banditen und giftiger Gewächse, und die Nebelschwaden aus den Berggipfeln können selbst die erfahrenste Entdeckerin von einer steilen Klippe stürzen lassen. Aber verliert man nicht den Kopf und folgt dem leisen Rieseln des Wassers, findet man mein Königreich, Aestilian, versteckt in einem Tal neben den Syssa-Fällen.
Finnian lässt sein Pferd das Tempo anziehen, um an meiner Seite zu reiten. Seine roten Locken fallen ihm flach in die Stirn, und seine Porzellanhaut leuchtet beinahe in der Dunkelheit. »Erzählst du mir endlich, warum du wie ein geistesgestörter Goblin in mein Haus gerannt kamst und mich herausgezerrt hast?«, ruft er gegen den Sturm an.
Genau genommen habe ich Finnian noch nie einen Grund genannt, wenn wir wieder einmal losritten; mit solchen Kleinigkeiten halten wir uns schon seit Jahren nicht mehr auf.
Wohin ich gehe, dorthin geht auch er.
Wohin er geht, dorthin gehe auch ich.
»Ein geistesgestörter Goblin?«
»Ja.« Als er sich räuspert, ist mir klar, dass er mich gleich nachahmen wird.»Finnian, beeil dich! Schwing den Arsch aufs Pferd! Selbst ein Leichnam ist schneller als du!« Beim letzten Wort bricht seine Stimme, was mich nur noch lauter lachen lässt.
»Soldaten aus Vareveth wurden in einer Taverne in der Nähe gesichtet, und für ein Bier wäre das eine ziemlich lange Strecke.«
Wir zügeln unsere Pferde, um durch ein verwittertes Gatter zu reiten, ihre Hufe platschen über den matschigen Weg. Der Geruch von Salz schwebt in der Luft, zieht vom Meer herüber. Dieses Dorf habe ich schon einmal besucht; in der Dunkelheit sehen die dunklen Holzhäuser, Läden und Tavernen noch trostloser aus.
Ich folge Finnian in Richtung des rustikalen Etablissements voller Soldaten, und wir binden unsere Pferde an einem Pfosten fest. Zwar haben wir eine ganze Auswahl an Waffen dabei, doch da wir keine Rüstung tragen, werden wir