: Alastair Reynolds
: Unendlichkeit Meisterwerke der Science-Fiction - Roman
: Heyne Verlag
: 9783641323356
: 1
: CHF 8.90
:
: Science Fiction
: German
: 976
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wir schreiben das Jahr 2551. Archäologe Dan Sylveste macht auf dem lebensfeindlichen Planeten Resurgam im Delta-Pavonis-System eine ungeheure Entdeckung: Eine hochtechnisierte Zivilisation, die Amarantin, lebte einst hier, doch bevor sie die bemannte Raumfahrt entwickelte, wurde sie vernichtet. War es eine unglückliche Katastrophe, oder steckt eine andere, feindliche Intelligenz dahinter? Eine Intelligenz, die eines Tages auch den Menschen gefährlich werden könnte? Um das herauszufinden, lässt sich Sylveste auf einen gefährlichen Deal mit der Cyborg-Crew des RaumschiffsSehnsucht nach Unendlichkeitein. Doch je näher er der Lösung des Rätsels kommt, desto größer wird die Gefahr, in der er und die Schiffscrew schweben. Denn die Amarantin wurden aus einem bestimmten Grund vernichtet, und wenn dieses Geheimnis ans Licht kommt, wird es unser Universum für immer verändern …

Alastair Reynolds wurde 1966 im walisischen Barry geboren. Er studierte Astronomie in Newcastle und St. Andrews und arbeitete lange Jahre als Astrophysiker für die Europäische Raumfahrt-Agentur ESA, bevor er sich als freier Schriftsteller selbstständig machte. Mit seinem Debütroman »Unendlichkeit« führte er die Science-Fiction ins 21. Jahrhundert: Millionen von Leser*innen rund um die Welt haben die Abenteuer der Menschheit in dieser fernen, düsteren Zukunft verfolgt. Heute lebt Alastair Reynolds mit seiner Familie in Wales.

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Mantell, Nord-Nekhebet, Resurgam, Delta-Pavonis-System


2551

Ein Schmirgelsturm war im Anzug.

Sylveste stand am Rand der Ausgrabungsstätte und wusste nicht, ob seine Arbeit die Nacht überstehen würde. Die Grabung bestand aus einer Reihe von tiefen, quadratischen Schächten, die durch glatte Erdwälle voneinander getrennt waren: ein klassisches Wheeler-Gitter. Die Schächte waren zwanzig bis dreißig Meter tief; durchsichtige Kästen aus Hyperdiamant, sogenannte Caissons, schützten die Wände. Erdschichten, entstanden in einer Million Jahre geologischer Entwicklung, drückten von außen gegen die Caissons. Und ein einziger größerer Staubeinbruch – oder ein schwerer Schmirgelsturm – konnte die Schächte bis zum Rand füllen.

»Bestätigung, Sir.« Einer seiner Mitarbeiter stieg aus einem niedrigen Fahrzeug, dem ersten Schlepper. Die Atemmaske dämpfte seine Stimme. »Cuvier hat soeben eine dringende Sturmwarnung für die gesamte Landmasse von Nord-Nekhebet ausgegeben. Allen Teams, die an der Oberfläche arbeiten, wird empfohlen, den nächsten Stützpunkt aufzusuchen.«

»Soll das heißen, wir müssen zusammenpacken und nach Mantell zurückfahren?«

»Es wird ein schlimmer Sturm, Sir.« Der Mann trat von einem Fuß auf den anderen und stellte den Jackenkragen auf. »Soll ich den Befehl zur allgemeinen Evakuierung geben?«

Sylveste sah auf die Grabung hinab. Die Schachtwände glänzten im hellen Licht der ringsum aufgestellten Scheinwerfer. Pavonis stieg in diesen Breiten nie hoch genug, um ausreichend Licht zu spenden; jetzt stand sie, von dichten Staubwolken verhüllt, dicht über dem Horizont, ein matter, rostroter Fleck, auf den sich das Auge nur mit Mühe einstellen konnte. Bald würden die ersten Sandhosen wie wild gewordene Spielzeugkreisel über die Ptero-Steppe jagen, gefolgt von einem himmelhohen, schwarzen Amboss, der Hauptsäule des Sturms.

»Nein«, sagte er. »Wir müssen nicht weggehen. Der Platz ist gut geschützt – die Felsen zeigen kaum Erosionsspuren, falls Sie das noch nicht bemerkt haben sollten. Sollte der Sturm zu heftig werden, können wir uns in die Schlepper flüchten.«

Der Mann warf einen Blick auf die Felsen und schüttelte den Kopf, als traue er seinen Ohren nicht. »Sir, eine solche Warnung gibt Cuvier nur alle ein bis zwei Jahre heraus – sie liegt eine volle Dringlichkeitsstufe höher als alles, was wir je erlebt haben.«

»Das ist Ihre Ansicht«, sagte Sylveste. Er hatte wohl bemerkt, wie der Mann ihm unwillkürlich in die Augen sah und den Blick verlegen wieder abwandte. »Und jetzt hören Sie mir genau zu. Wir können uns nicht leisten, die Grabung aufzugeben. Verstanden?«

Der Mann schaute zum Gitter zurück. »Wir könnten alles, was wir freigelegt haben, mit Planen schützen. Und Transponder versenken. Dann finden wir die Stätte hinterher wieder, auch wenn der Staub alle Schächte zugedeckt haben sollte, und können weitermachen.« Die Augen des Mannes flehten ängstlich hinter der Schutzbrille. »Nach unserer Rückkehr können wir über dem gesamten Gitter eine Kuppel errichten. Wäre das nicht besser, Sir, als hierzubleiben und Menschenleben und Material aufs Spiel zu setzen?«

Sylveste trat einen Schritt auf den Mann zu und zwang ihn damit, zum nächsten Schacht zurückzuweichen. »Wir gehen folgendermaßen vor. Sie teilen allen Teams mit, dass die Arbeit bis auf Weiteres fortgesetzt wird. Eine Rückkehr nach Mantell kommt nicht infrage. Vorerst werden nur die empfindlichsten Instrumente in die Schlepper gebracht. Verstanden?«

»Und die Menschen, S