1
Lights, Camera
Draußen auf dem Hof herrschte so viel Betrieb wie schon seit Jahren nicht mehr. Eine ganze Schar Fernsehleute hatte sich um den Van desVBC versammelt. Wie Ameisen huschten sie umher und riefen sich so laut Anweisungen zu, dass ich sie selbst durch das geschlossene Fenster hörte. Eine jagte mir Gänsehaut über die Arme.
Beeilt euch. Noch dreißig Minuten.
Dreißig Minuten, bis ich unten durch die Tür treten würde.
Dreißig Minuten, bis sich die Augen der Nation auf mich richten würden.
Dreißig Minuten, bis mein bisheriges Leben vorbei sein würde.
Dreißig Minuten in Freiheit.
Mit einem Seufzen zog ich den Vorhang vollends zu, um den Spalt zu schließen, durch den ich heimlich das Geschehen vor dem Haus verfolgt hatte. Danach strich ich über den Rock meines neuen Kleids. Der türkisfarbene Crêpe-Stoff fühlte sich seltsam fremd auf meiner Haut an und war mit Abstand das Teuerste, das ich je getragen hatte.Bis jetzt. Das luftige Kleid saß nicht. Zu eng am Oberkörper und zu lang an meinen Armen und Beinen, weil es für jemand anderen gemacht worden war. Ich konnte nicht einmal den Reißverschluss am Rücken richtig zumachen, aber das würde sich legen.
»Steh gerade.«
Meine Mutter war hereingekommen, ohne anzuklopfen. Eine solche Alltäglichkeit, dass der scharfe Klang ihrer Stimme mich nicht einmal erschreckte, sondern nur automatisch zu Gehorsam zwang. Ich straffte die Schultern, richtete mich auf, als ob das allein einen anderen Menschen aus mir machen könnte. Jemanden, der mehr den Anforderungen von Lydia Boness entsprach, als ich es tat.
Sie trat an mich heran und begann sofort, an mir herumzuzupfen. »Du hast Staub auf das Kleid gebracht«, ließ sie mich wissen. »Ich habe dir doch gesagt, dass du dich nicht hinsetzen sollst.«
»Tut mir leid.« Leugnen war zwecklos, denn die einzige staubfreie Fläche auf der Fensterbank passte perfekt zur Größe meines Pos, den meine Mutter nun abklopfte wie einen Teppich. Ich verkniff mir einen Kommentar dazu, dass das hätte vermieden werden können, wenn jemand gewischt hätte, damit ich mich nicht wie eine Seiltänzerin durch das Anwesen bewegen musste.
»Es muss gehen«, murrte sie. »Sieh nur zu, dass dir so was nicht im Palast passiert.«
Ich verdrehte die Augen. »Natürlich nicht.«
»Na, dein Selbstbewusstsein möchte ich haben.«
Welches Selbstbewusstsein? Ich würde mich lieber unter dem verstaubten Teppich verkriechen, als in diesen Palast zu gehen. Oder gleich das Land verlassen und in eines ziehen, in dem die königliche Familie nicht alle paar Jahrzehnte diesen Zirkus veranstaltete, um eine Braut für den Prinzen zu finden.
Nachdem sie ihre Korrekturen beendet hatte, betrachtete meine Mutter mich mit diesem missmutigen Zug um die Lippen, der verriet, dass