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Während Enzo die letzte Kiste ins Haus trägt, stehe ich, statt auszupacken, draußen auf dem spärlichen Rasen und stelle mir vor, wie er aussehen wird, nachdem mein Mann ihn verjüngt hat. Enzo ist ein Zauberer, was Rasen angeht – so haben wir uns kennengelernt. Dieser sieht mit den vielen braunen Stellen und der krümeligen Erde wie ein hoffnungsloser Fall aus. Aber ich weiß, in einem Jahr werden wir den schönsten Rasen in der Sackgasse haben.
Ich hänge noch meinen Träumen nach, als sich die Tür des Hauses neben uns – Locust Street 12 – öffnet. Eine Frau mit karamellfarbenem Bob erscheint in der Tür. Sie trägt eine taillierte weiße Bluse und einen roten Rock, dazu spitze High Heels, die aussehen, als könnte man jemandem damit die Augen ausstechen. (Warum denke ich immer an so etwas?)
Anders als die Nachbarn von gegenüber scheint sie freundlich zu sein. Sie hebt die Hand, winkt begeistert und überquert den kurzen kopfsteingepflasterten Weg, der unsere Häuser voneinander trennt.
»Hallo!«, sprudelt es aus ihr hervor. »Ich freue michso, endlich unsere neuen Nachbarn kennenzulernen! Ich bin Suzette Lowell.«
Als ich den Arm ausstrecke und ihre manikürte Hand in meine nehme, werde ich mit einem schmerzhaft kräftigen Händedruck belohnt. »Millie Accardi«, sage ich.
»Schön, dich kennenzulernen«, sagt sie. »Ihr werdet es lieben, hier zu wohnen.«
»Ich liebe es jetzt schon«, sage ich ehrlich. »Das Haus ist toll.«
»Oh, das ist es.« Suzette nickt. »Es hat einige Zeit leer gestanden, da so ein kleines Haus schwer zu verkaufen ist. Aber ich wusste, irgendwann würde die richtige Familie kommen.«
Klein? Beleidigt sie etwa unser geliebtes Haus? »Also, mir gefällt es.«
»O ja. Es ist so gemütlich, nicht? Und …« Ihr Blick streift die Eingangsstufen, die schon leicht bröckeln, aber Enzo hat versprochen, dass er sie in Ordnung bringt. Nur eine auf einer langen Liste von Reparaturen, die wir vornehmen müssen. »Rustikal.So rustikal.«
Okay, sie beleidigt eindeutig das Haus.
Aber es ist mir egal. Ich liebe es trotzdem. Es kümmert mich nicht, was irgendeine hochnäsige Nachbarin denkt.
»Und arbeitest du, Millie?«, fragt Suzette, wobei sie ihre grünblauen Augen auf mein Gesicht richtet.
»Ich bin Sozialarbeiterin«, sage ich nicht ohne Stolz. Obwohl ich den Job nun schon viele Jahre mache, bin ich stolz auf meine berufliche Laufbahn. Ja, es kann anstrengend und aufwühlend sein, und die Bezahlung ist nicht gut, aber ich liebe es. »Was machst du?«
»Ich bin Immobilienmaklerin«, sagt sie mit ebenso viel Stolz. Das erklärt, warum sie unser Haus in Maklersprache beleidigt hat. »Der Markt steigt gerade.«
Ja, das stimmt. Ich frage mich, warum Suzette nichts mit dem Verkauf des Hauses zu tun hatte. Wie kommt es, dass ihre Nachbarn sie nicht damit beauftragt haben, wenn sie Immobilienmaklerin ist?
Enzo nähert sich mit weiteren Kartons vom Umzugswagen. Sein T-Shirt klebt immer noch an seiner Brust, und seine schwarzen Haare sind feucht. Ich erinnere mich, einen der Kartons mit Büchern gefüllt zu haben, und mache mir Sorgen, dass er zu schwer ist. Und jetzt trägt Enzo nicht nur diesen Karton, sondern hat noch einen weiteren obendrauf gestellt. Mein Rücken schmerzt allein vom Zusehen.<