: Thomas Gottschalk
: Ungefiltert Bekenntnisse von einem, der den Mund nicht halten kann
: Heyne Verlag
: 9783641323837
: 1
: CHF 17.90
:
: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Er ist eine Klasse für sich: Thomas Gottschalk. Für seinen spitzen und schlagfertigen Humor wird er vom Publikum geliebt – doch die Zeiten haben sich geändert. Was früher für Lacher sorgte, kann heute Empörung auslösen. Selbstkritisch und selbstironisch zugleich geht er der Frage nach, warum er sich heutzutage manchmal wie aus der Zeit gefallen vorkommt, und er versucht, die Regeln und Fallstricke unserer Gesellschaft zu verstehen: Was hat sich in seinen Augen verändert und warum? Wie kann man sich einen Weg durch das Dickicht an Geboten und Verboten bahnen, auf dem man sich selbst treu bleibt und zugleich anderen mit Respekt begegnet? Wie ticken die unterschiedlichen Generationen und wie kann man zu gegenseitigem Verständnis beitragen? Dafür hat Thomas Gottschalk in seinem Buch auch mit Generationenforscher Dr. Rüdiger Maas gesprochen.

»Ungefiltert« ist nach seinen autobiografischen Bestsellern »Herbstblond« und »Herbstbunt« erneut eine sehr persönliche Bestandsaufnahme und zugleich ein Plädoyer für mehr Gelassenheit im Umgang miteinander.

Thomas Gottschalkwurde am 18. Mai 1950 in Bamberg geboren. Er startete seine Karriere beim Bayerischen Rundfunk. Mit der Sendung »Na sowas!« gelang ihm der Durchbruch im Abendprogramm des ZDF. 1987 übernahm er das Unterhaltungs-Flaggschiff »Wetten, dass..?« und moderierte 2023 seine 154. und letzte Sendung. Er hat zwei Söhne und zwei Enkel und lebt mit seiner Frau Karina in München.

Kapitel 1

Alter weißer Mann

Da gibt es nichts dran zu rütteln: Jeder, der mich in die Schublade »Alter weißer Mann« einsortiert, hat die Fakten auf seiner Seite. Ich bin die Erstausgabe des »Babyboomers«, den man – ordnet man nach Geburtsjahren – von 1950 bis 1965 im ewigen Generationenkalender abgeheftet hat. Das ist für die aktuelle »Generation Alpha« (2010 bis Mitte der 2020er) irgendwann kurz nach dem Paläozoikum, für die bin ich ein Steinzeitmensch.

Dazwischen liegen noch die »Generation X« von 1965 bis 1979, die »Millennials« von 1980 bis 1995 und die »Zoomer«, auch »Generation Z« genannt, von 1996 bis 2010.

Die Generation der Spätgeborenen (Alpha) lassen wir mal außen vor, von denen weiß ich gar nichts, und höchstens die Erstausgabe von ihnen kennt mich. Und von denen erinnern sich alle, die in ihrer Kindheit nur privates Fernsehen geschaut haben, wahrscheinlich gerade mal schemenhaft an den »Gummibären-Mann«. Ihre Mütter lassen sich gerne mit mir fotografieren, und die Kinder rätseln dann, wer der seltsame Kerl ist, in dessen Arme sich Mutti gerade erfreut geworfen hat. Bis diese Generation alt genug ist, ihre Vorfahren zu beschimpfen, haben diese noch Zeit, nach unten, in Richtung ihrer eigenen Vorfahren zu treten. Dabei treffen sie oft mich.

Im Moment gibt es eine trotzige Fehde zwischen meiner Generation und dieser Generation Z, die gerade den Arbeitsmarkt umkrempelt. Wir sind nach dem Grundsatz groß geworden, dass »Lehrjahre keine Herrenjahre« sind, und erleben fassungslos, wie uns diese Altersklasse erzählt, dass eine ausgewogene Work-Life-Balance wichtiger sei als die Karriere.

Ihre Vertreter fordern mehr Lohn für weniger Arbeitszeit und wissen dabei die Statistik auf ihrer Seite. Es gibt einfach nicht genügend Nachwuchs, um die Lücke zu schließen, die entsteht, wenn die Babyboomer sich demnächst vom Arbeitsmarkt in die Rente zurückziehen. Ich muss zugeben, dass ich auch zu denen gehöre, die sich bang fragen: »…und wie soll das bitte weitergehen?« Wer schafft das zukünftige Bruttosozialprodukt, das meine Generation aus dem spöttelnden Song von Geier Sturzflug kennt. Sorgen darum mussten wir uns keine machen, denn meine Generation war es, die »in die Hände gespuckt« hat, und trotzdem wurden wir von unseren Eltern als »Gammler« und »Faultiere« beschimpft. Wir haben uns den Schuh nicht angezogen und uns von der Kriegsgeneration nichts sagen lassen, aber wir haben durchaus begriffen, dass wir Leistung zeigen mussten, um was zu werden und später, im Alter, was zu haben.

Die neue Generation ist jetzt am Ruder und schafft es locker, sich gleichzeitig über eine mögliche und für sie eher wahrscheinliche Altersarmut den Kopf zu zerbrechen und im selben Atemzug eine Senkung der Arbeitszeit zu fordern und entsprechend weniger Einsatz zu bieten. Mag sein, dass es einige aus meiner Generation in Richtung Karriere übertrieben haben – bei mir finde ich in dieser Hinsicht keine Schuld. Ich habe den Erfolg nie krampfhaft gesucht, aber habe mich auch nicht versteckt, wenn er mich eingeholt hat. Natürlich habe ich aus den Augenwinkeln meine Altersgenossen dabei beobachtet, wie sie in Behörden oder Betrieben die Erfolgsleiter hochgeklettert sind. Ich habe die einen runterfallen und sich wieder berappeln sehen, andere haben erschöpft aufgegeben oder den privaten Preis für beruflichen Erfolg bezahlt – das war dann halt die andere Seite der Medaille. Es wäre mir aber selbst nie in den Sinn gekommen, irgendwann ein Sabbatical einzuschieben, eine Auszeit, die man sich heute gerne nimmt, um der Seele die Zeit zu geben, zu regenerieren und Geist und Körper wieder in Einklang zu bringen. Wir haben uns die innere Balance im 2CVzure