: Stefanie Brettner, Doris Freiberger, Roswitha Dehu
: Gruppentraining sozialer Kompetenzen für Kinder und Jugendliche (8-12 Jahre) Arbeitsmanual für Therapeutinnen und Therapeuten
: dgvt Verlag
: 9783871594540
: KiJu - Psychologie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter
: 2
: CHF 28.90
:
: Psychologie
: German
: 220
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Alle Menschen streben danach, von anderen positiv erfahren zu werden. Fehlen einem Kind aber soziale Kompetenzen, wird es von seiner Umwelt zumeist negativ wahrgenommen. Aus aggressiv-oppositionellem, aber auch schüchternem Verhalten können krankhafte Störungsbilder entstehen. Diese Störungen können so weitreichend sein, dass sie in der Gesellschaft auch als sozial unerwünschtes Verhalten diskutiert werden. In der Literatur sind verschiedene Ursachenmodelle über die Entwicklung von erwünschtem sozialem Verhalten zu finden. Soziale Kompetenzen sind also durchaus beeinflussbar. In diesem von Stefanie Brettner (Ergotherapeutin), Doris Freiberger (Sonder-/Heilpädagogin und Verhaltenstherapeutin) und Dr. Roswitha Dehu (Verhaltenstherapeutin) in langjähriger Praxis entwickelten Trainingsmanual finden sowohl schüchterne als auch aggressiv-oppositionelle Kinder und Jugendliche einen Ausgleich und können in ihren defizitären Bereichen nachreifen. In vielen Themenstunden werden erwünschte Verhaltensweisen angeleitet, diskutiert und erprobt, die im Alltag eingesetzt werden können und den Kindern und Jugendlichen ermöglichen, positiv wahrgenommen zu werden.

Stefanie Brettner ist seit 2010 in eigener Praxis als Ergotherapeutin in der Pädiatrie tätig. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Problemen in der sozio-emotionalen Entwicklung, der Wahrnehmungsverarbeitung, der Aufmerksamkeitssteuerung sowie im grob- und feinmotorischen Bereich. Sie ist ausgebildete SI-, sowie Marte Meo Therapeutin und auch in der Erwachsenenbildung tätig. Mag. Doris Freiberger ist seit 2006 in eigener Praxis (KiZ - Kind im Zentrum) im Süden von Wien als Pädagogin/Sonder- und Heilpädagogin und seit 2016 als Verhaltenstherapeutin tätig. Ihr Schwerpunkt ist die Förderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Entwicklungsdefiziten, vorwiegend in schulischen Bereichen. Sie arbeitet auch in der Erwachsenenbildung, der Verhaltenstherapie und der Familienberatung. Dr. Roswitha Dehu ist seit 1991 in eigener Praxis als Verhaltenstherapeutin tätig. Sie lehrt seit 2011 beim AAP Österreichische Akademie für Psychologie und arbeitet als Gastdozentin beim Institut für Verhaltenstherapie der AVM.

12. Gruppenleitung


Checklisten


In Anlehnung an die „Marte Meo“-Methode nach Maria Aarts (2009) sowie der „Marte Meo-Methode für Schulen“ von Josje Aarts (2007), welche sich mit entwicklungsfördernden Kommunikationsstilen beschäftigen, sollen nachfolgend einige Kompetenzen beschrieben werden, welche maßgeblich zum positiven Leiten einer Gruppe beitragen.

Emotionale Beziehungen/Atmosphäre

 Blickkontakt herstellen

 freundliche/ermunternde Gesichtsausdrücke verwenden

 auf eine freundliche Sprache achten

 emotionale Ausdrücke spiegeln

 Bewegungen spiegeln

 Initiativen des Kindes benennen (z. B.: „Du hast aufgezeigt …“)

 die Gefühle des Kindes benennen (z. B.: „Du bist unruhig, weil ich dich noch nicht drangenommen habe.“)

 sich auf Augenhöhe des Kindes positionieren

 auf eine gute Körpersprache achten

 Freude mit dem Kind teilen

 die Kinder miteinander in Beziehung bringen (z. B.: „Markus hat erzählt, er hatte ein schönes Wochenende. Hattest du auch ein angenehmes Wochenende, Patrick?“)

 Scherze machen

 einen emotionalen Austausch unter den Kindern wecken (z. B.: „Bist du derselben Meinung wie Marie?“)

Positives Leiten/Struktur

 einen klaren Anfang setzen

 Beginn durch Eröffnungstöne/Worte erkennbar machen (z.B.: „So, jetzt geht’s los.“)

 klare Rahmenbedingungen geben

 Verlauf vorhersehbar machen

 eine klare Reihenfolge vorgeben

 sagen, wie man etwas haben möchte

 auch kleine positive Initiativen bemerken und bestätigen

 immer wieder prüfen, wer noch aufmerksam dabei ist

 eigene Initiativen benennen

 Aufforderungen ggf. wiederholen

 von Aktion zu Aktion weiterleiten

 soziale Informationen besonders hervorheben

 gute Ergebnisse und gutes Benehmen bestätigen

 passende Antworten auf Fragen bestätigen

 negative Reaktionen rechtzeitig erkennen und leitend eingreifen

 ein klares Ende setzen

Darüber hinaus sollen an dieser Stelle noch einige konkrete Hilfestellungen bzw. Erklärungen bzgl. des Umgangs mit unterschiedlichen unerwünschten Verhaltensweisen erfolgen.

Schüchterne Kinder


Vor allem schüchterne Kinder zeigen am Beginn des Trainings häufig große Unsicherheit in Bezug auf die Gruppe – sie wollen den Therapieraum nicht betreten, verstecken sich vor den anderen Kindern, wenden sich von der Gruppe ab oder aber bestehen auf die Anwesenheit einer bekannten Bezugsperson etc.

Hier ein paar Tipps und Tricks, die helfen können.

Was hilft?

 Zeit geben: Sollte das Kind sich strikt weigern, den Therapieraum zu betreten, lassen Sie ihm ein paar Minuten mit den Eltern im Warteraum, um sich zu beruhigen bzw. um die neue Situation verarbeiten zu können. Achten Sie dabei auf eine liebevolle und aufmerksame Behandlung (z. B. Taschentücher reichen, ein Glas Wasser anbieten etc.). Gegebenenfalls können Sie auch die Tür zum Therapieraum einen Spalt offen lassen, damit das Kind die Stimmung miterfährt und, ohne selbst beobachtet zu werden, einen Blick auf das Gruppengeschehen werfen kann.

 Respekt zeigen: Respektieren Sie die abwehrende/ängstliche Haltung und melden Sie dies auch dem Kind zurück. (Z. B.: „Ich kann verstehen, dass das jetzt ganz schön viele neue Eindrücke für dich sind und dich das unsicher macht.“)

 Beobachterrolle anbieten: Geben Sie dem Kind die Möglichkeit, sich an die Gruppe zu gewöhnen, indem Sie ihm erlauben, sich an den Tisch zu setzen oder aber sich seitlich zu platzieren und zunächst nur zu beobachten, anstatt aktiv an der Gruppe teilzunehmen.

 körperliche Nähe: Gehen Sie vorsichtig mit körperlicher Nähe um. Trösten bzw. ermutigen Sie zunächst besser mit Mimik, Gestik und Sprache. Viele Kinder werden durch Berührungen wenig bekannter Personen zusätzlich verschreckt. Wenn das Kind zu Ihnen hingegen bereits ein gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, können Sie dem Kind einen Platz auf Ihrem Schoß oder aber auf dem Sessel gleich neben Ihnen anbieten.

 Vertrag schließen: Schließen Sie einen Vertrag oder eine Verabredung mit dem Kind – z. B. dass die Mutte