1. KAPITEL
Palmwedel wiegten sich sanft in der lauen Sommerbrise am Swimmingpool des Hollywood Paradise Hotel. Touristen lachten und planschten im Wasser. Attraktive Männer und Frauen sonnten sich in knappen Badeoutfits. Nicht weit vom Pool, an der schattigen Tropicana Bar, saßen Geschäftsleute in Anzügen und tranken ihren Whisky oder Wodka auf Eis. An einem Tisch verweilten mehrere grauhaarige Damen in bunten Kleidern, tranken Erdbeerflip und diskutierten, ob ihnen noch Zeit blieb, die Universal Studios an diesem Tag zu besuchen.
Vier Stockwerke über dem Getümmel stand eine Glastür zu einem kleinen Balkon offen. In dem Zimmer hinter der Tür lag Meggie Kane auf dem Bett und starrte zum Ventilator auf, der sich langsam an der Decke drehte. Sie seufzte. Sie hörte kaum das fröhliche Lachen von unten. Ihre Lippen bewegten sich. Sie betete stumm, dass das Telefon klingeln möge.
Als ihr Gebet erhört wurde, setzte sie sich auf und legte sich eine Hand auf das Herz. Sie zwang sich, ein paar Mal tief Luft zu holen, und redete sich ein, dass sie ruhig war. Doch ihre Hand zitterte, als sie zum Hörer griff.
„Hallo?“
„Meggie?“ Die tiefe Stimme kam aus ihrer Vergangenheit, aus ihren Träumen.
Ihr Herz klopfte höher. Er hatte die Nachricht auf seinem Anrufbeantworter erhalten und rief tatsächlich zurück.
„Meggie, bist du da?“
„Ähm, ja.“ Sie schluckte und atmete langsam ein und aus. „Ja, Nate. Ich bin hier.“
„Was zum Teufel tust du in L.A.?“
„Ich …“ Wie sollte sie es ihm erklären?
„Meggie, ist alles in Ordnung?“
„Ja. Aber ich muss dich dringend sehen. Sofort.“
Es folgte eine Pause, die eine reine Qual für Meggie darstellte. Dann fragte er schließlich argwöhnisch: „Weswegen denn?“
Sie spürte, dass ihr Gesicht glühte. Sie legte sich eine Hand auf die Wange und versuchte, sie zu kühlen. Über zehn Jahre waren vergangen seit jener Nacht, in der Meggie sich ihm an den Hals geworfen hatte. Seitdem hatte sie kaum mit ihm gesprochen. Doch sie wusste, dass er sich fragte, ob sie es erneut versuchen wollte … was in gewisser Weise sogar zutraf.
„Ich würde es dir lieber erklären, wenn wir uns sehen.“
Erneut folgte ein nervenaufreibendes Schweigen.
„Nate?“, fragte sie leise, aus Angst, er könnte aufgelegt haben.
Schließlich sagte er: „In Ordnung. In einer Stunde.“
Sie rang nach Atem. „Wo?“
„In der Halle.“
„In welcher Halle?“
„Deines Hotels.“
Das klang vernünftig. „Gut. Brauchst du die Adresse?“
„Ich glaube, ich kann es auch so finden“, entgegnete er trocken.
„In Ordnung. Also in einer Stunde?“, hakte sie nach. Doch sie bekam keine Antwort. Er hatte bereits aufgehängt.
Nate erblickte Meggie in einem Ledersessel an der rückwärtigen Wand des Foyers. Sie trug ein luftiges Sommerkleid und Sandaletten. Abgesehen von den sehnigen Händen, die auf den Armlehnen ruhten, deutete nichts darauf hin, dass sie harte Arbeit auf einer Ranch leistete. Mit großen, unschuldigen Augen blickte sie ihn an.
„Danke. Dafür, dass du gekommen bist.“ Meggie stand auf und reichte ihm eine dieser starken Hände. Er nahm sie und schüttelte sie verlegen und formell.
Nervös blickte sie sich in der Halle mit den Torbögen, den roten Fliesen und persischen Teppichen um. Zur Linken saß eine Familie in einer Polstergruppe, wie die meisten Touristen in Shorts gekleidet und beladen mit Kameras und Ferngläsern. Zur Rechten saß ein Mann allein und las die Times. Nicht weit entfernt, auf einem Ledersofa, hockten vier Punker mit Sicherheitsnadeln in den Ohren und leuchtenden roten und grünen Haaren. Niemand wirkte auch nur im Mindesten interessiert an der hübschen Fra