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Das Timing von Griffin Verdis persönlichem Assistenten Schrägstrich Diener hätte nicht schlimmer sein können. »Was soll das heißen, du hast die Windpocken?«
»Es heißt genau das, was es heißt«, sagte Kip Rothwell ins Telefon und klang entsprechend betreten. »Der Arzt hat mir versichert, dass ich in zehn Tagen nicht mehr ansteckend bin. Seiner Meinung nach sollte ich so lange in ein Hotel gehen, da Sie jetzt auf gar keinen Fall krank werden dürfen.«
»Das kann nicht Ihr Ernst sein!«, erwiderte Griffin. »Sie sind zehn Tage lang ansteckend? Wir wollen morgen nach Bellissime. Ich kann nicht ohne meinen Assistenten reisen.«
»Das ist mir bewusst, Sir, aber ich kann leider nichts dagegen tun.«
Vor lauter Wut auf seinen langjährigen persönlichen Assistenten legte Griffin auf. Kip arbeitete jetzt seit zehn Jahren für Griffin, seit Griffin sich damals als Achtzehnjähriger entschieden hatte, in den Staaten zu studieren. Griffins Mutter hatte darauf bestanden, ihm einen Haufen Dienstboten an die Seite zu stellen, wie es sich für seinen Stand geziemte, doch bis auf Kip hatte er alle entlassen. Irgendjemand musste schließlich seine Kleidung aufhängen und ihn herumfahren.
Und jetzt, wo er seinen Assistenten am dringendsten brauchte, ließ dieser ihn im Stich.
Griffin starrte den Zeitschriftenstapel auf seinem mit Papieren überladenen Schreibtisch an. Unter einer Ausgabe vonScientific American undArchaeology Today lag ein Heft derBellissime National News, die er importiert hatte. DasTime Magazine obendrauf machte mit derselben verdammten Schlagzeile auf.
COUNTDOWN ZUR HOCHZEIT DES JAHRHUNDERTS stand da in dicken Großbuchstaben. Darunter prangte ein Foto seiner Cousine, der Kronprinzessin Alexandra Olivia III., Herzogin von Beaulac und rechtmäßige Erbin des Throns von Bellissime, und ihres Verlobten, des Hollywood-Actionstars Luke Houston.
Ihre Königliche Hoheit heiratete nicht nur einen bürgerlichen Amerikaner, sondern überdies noch einen sehr berühmten, was wiederum bedeutete, dass sowohl die amerikanischen als auch die Zeitungen aus Bellissime ausgiebig über dieses Ereignis berichten würden.
Was ausgesprochen nervtötend war.
Da es sich bei dem bevorstehenden Event um die Hochzeit der Prinzessin von Bellissime handelte, war jeder Verdi, Griffin eingeschlossen, zu sämtlichen Feierlichkeiten eingeladen. Zwar konnte er sich der meisten seiner mit seinem Titel verbundenen Pflichten entziehen, da er der unbedeutende jüngere Sohn war und in den Staaten lebte, aber zu der Hochzeit musste er hingehen. Die Königsfamilie würde sich bis zum letzten, um mehrere Ecken entfernten Verwandten, der eigentlich etwas Besseres zu tun hatte, in Bellissime versammeln und Hoheit Alexandras Hochzeit feiern. Griffin rechnete damit, sich eine Woche lang erbärmlich zu fühlen, Paparazzi auszuweichen, für Fotos zu lächeln (er hasste es, fotografiert zu werden) und allen Prinzessinnen aus dem Weg zu gehen, die seine Mutter in seine Richtung dirigierte.
All das würde jetzt noch sehr viel schlimmer werden, da sein treuer Assistent und Reisegefährte nicht an seiner Seite war. Er brauchte jedoch einen Assistenten. Griffin konnte seine eigenen Termine nicht im Kopf behalten, außerdem ziemte es sich laut seiner Mutter für ein Mitglied des Königshauses nicht, sich um so etwas selbst zu kümmern. Hätte seine Mutter gewusst, dass sein einziger Assistent ihn soeben im Stich gelassen hatte, dann hätte sie sofort wieder ihre Bemühungen aufgenommen, ihm den Lebensstil aufzuzwingen, den er so sehr hasste. Seine Mutter, Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Sybilla-Louise, war der Ansicht, dass zu einem königlichen Lebensstil ein Gefolge gehörte, und sie hatte nie weniger als sechsundvierzig Angestellte.
Aber Griffin verabscheute diese Art zu leben. Solange er alles unter Kontrolle hatte, konnte er wunderbar in seinem kleinen, mit Büchern vollgestopften Stadthaus am Rande des Central Parks leben – nur zusammen mit Kip als seinem Assistenten und einer Putzfrau, die an den Wochenenden für Ordnung sorgte. Genau so gefiel ihm sein Leben. Er konnte es nicht ausstehen, wenn ihm jeder Handschlag abgenommen wurde oder er ständig Menschen um sich hatte. Außerdem hasste er es, wenn so viel Aufhebens um ihn gemacht wurde.
Wohingegen Griffins Mutter der Meinung war, dass genau das eine Königsfamilie erst ausmachte.
Verdammt.
Er musste eine Lösung finden, und zwar schnell. Seine Mutter würde ihn durchschauen, sobald sie auch nur einen Blick auf seine Krawatte warf. Saß diese auch nur ein kleines bisschen schief, würde sie sofort zu hyperventilieren beginnen und ihm mehrere Dienstboten aufzwingen. Das ist nicht standesgemäß, würde sie dann sagen. Sieh nur, wie du dein Leben ruinierst. Ihrer Ans