Nach drei Tagen lösten gelegentliche Schauer den sintflutartigen Regen ab, fast so, als gönnte sich der Himmel eine Pause. Obwohl es so wirkte, als würde es jeden Moment gänzlich aufhören, regnete es doch bis zum Nachmittag weiter. Die hartnäckigen Tropfen tränkten die Engger-Ebene und ließen sie schlammig und morastig zurück. Eine dünne Nebelschicht kroch über die Erde, und direkt darunter breitete sich eine scheußliche Mischung aus Schlamm und Asche aus.
Auf einem kleinen Hügel am Rande der Ebene ließ sich Gwalhaid Gyuriha auf dem Hocker nieder, den er selbst herangeschafft hatte, und wischte sich mit einer beiläufigen Handbewegung über die Stirn. Er fand das Wetter recht angenehm. Mit dem starken Regen waren die Temperaturen deutlich angestiegen. Es wäre freilich im Sinne der Naga-Truppen, wäre es hier annähernd so warm gewesen wie in Kiboren, doch um das zu erreichen, hätte man den Regen aufgeben und sich allein darauf konzentrieren müssen. So war das Ergebnis eine Temperatur, die für beide Seiten nicht allzu unangenehm war.
Gwalhaids Finger glitten über die Scheide seines Langschwertes. Er hatte darauf bestanden, dieses Schwert anstelle eines Harpunenschwertes zu verwenden, und natürlich hatte niemand seiner Sturheit etwas entgegenzusetzen gehabt. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sein Langschwert die Arbeit Dutzender Harpunenschwerter übernehmen konnte.
Das vertraute Gefühl des Leders unter seinen Fingerspitzen rief in dem alten Krieger eine gewisse Aufregung und Nostalgie hervor. An dieses Gefühl gewöhnte man sich nie vollkommen.
»Keine Sorge, mein alter Freund«, sagte Gwalhaid lächelnd, »heute wirst du wieder köstlich speisen.«
Ein wildes Grinsen breitete sich auf den Gesichtern der anderen Kämpfer aus, die ringsumher auf dem Hügel standen. Niemand von ihnen pflichtete Gwalhaids Worten bei oder fügte noch eine witzige Bemerkung hinzu. Dieser Umstand stimmte Gwalhaid auf der einen Seite froh, doch auf der anderen Seite schmerzte es ihn – es war der unumstößliche Beweis dafür, dass zu viele der unbeschwerten jungen Männer verschwunden waren. Sie hatten es nicht geschafft, ihren jugendlichen Übermut zu bremsen – das war wohl das Privileg und der Fluch der Jugend zugleich. Gwalhaid erinnerte sich gut an die Namen eines jeden dieser liebenswerten Rabauken: Fangschrecke Pesoda, Grimols der Verrückte, der liebeskranke Digur, Goha der Zwerg, der schlummernde Gwihatz …
Ein melancholisches Lächeln breitete sich auf Gwalhaids Gesicht aus, als er sich an Gwihatz’ Spitznamen erinnerte.
Der schlummernde Gwihatz.
Gwihatz Shinbyure aus Schrados hatte immer wieder seine einzigartige Einstellung zum Krieg kundgetan: Mit den Worten »das Schlachtfeld ist mein Bett, und ich muss dringend Schlaf nachholen« hatte der gut aussehende Kerl seine Kameraden aus dem Konzept gebracht. Selbst dann, als die Hörner zum Angriff geblasen hatten, hatte Gwihatz nur gemurmelt: »Das ist das Signal. Hoffentlich ist es auch Zeit für ein paar süße Träume?« Einige seiner nervösen Mitstreiter hatten gelacht, während andere – diejenigen, die vor Angst wie gelähmt schienen – ihm beeindruckte Blicke zugeworfen hatten. Bedauerlicherweise gab Gwihatz nie eine Antwort auf die neckende Frag