: Lovis Meyer
: Tessa Jones (Band 1) - Wie zum Hades beschützt man eine Göttin? Jugendbuch mit griechischen Göttern und einer starken weiblichen Hauptfigur ab 11
: KARIBU
: 9783961294145
: 1
: CHF 10.80
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 272
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Irgendwie schafft es Tessa Jones nie, im richtigen Moment den Mund zu halten. Muss sie deshalb im Olympos hinten in der Küche stehen? Sie traut ihren Augen nicht, als sie dort beobachtet, wie die schöne Helena einfach in einem Kühlschrank verschwindet. Tessa folgt ihr und findet sich inmitten einem Haufen alter Tempel wieder: im antiken Olymp. Als ihre Mutter endlich mit einem gut gehüteten Familiengeheimnis herausrückt, kann es Tessa kaum fassen. Sie erfährt, dass es nicht nur um ihr eigenes Schicksal geht, sondern gleich das der ganzen mythologischen Götter. Was in aller Unterwelt soll sie jetzt tun?

Lovis Meyer lebt mit ihren Tieren auf einem alten Hof und schreibt schon immer Geschichten. Neben dem Schreiben läuft Lovis einige Marathons im Jahr und kocht in ihrer Freizeit Instagram-Rezepte nach. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Kapitel 1


Tod und Verwesung, Thunfisch und Ei


Ich bin tot, so was von tot.

»He, pass doch auf!«, ruft ein Typ im Anzug mir nach, als ich an ihm vorbei die Stufen der Broadway Station hinabspringe. Bestimmt ein Anwalt auf dem Weg zu einem Termin. Dass er genervt ist, überrascht mich nicht. Der herbstliche Oktoberhimmel spannt sich nach einem Regenschauer am Morgen so blau über die Stadt, als wolle er dem Sommer etwas beweisen. Außerdem ist heute Sonntag. Da haben sogar in New York Anwälte Besseres zu tun, als in ihren Büros zu hocken.

Der Mann wirft mir Unfreundlichkeiten hinterher, obwohl ich ihn nicht einmal berührt habe. Geschweige denn angerempelt, wie er lautstark behauptet.

Zumindest nicht, dass ich davon wüsste. Was, ehrlich gesagt, nicht viel bedeutet. Ich bekomme meistens erst mit, dass ich gegen etwas gestoßen bin, wenn es zu Bruch geht. Gut möglich also, dass ich den Brüllaffen aus Versehen gestreift habe.

Tja, willkommen in meinem Leben.Tessa Jones, Königin der Katastrophen, sagt Mom gerne.

Wobei sich das mit dem Leben schnell erledigt hat, wenn ich noch länger hier herumtrödele. Dann fährt meine Seele direkt in die Unterwelt. Das ist die Hölle der alten Griechen, wenn man der Mythologie glaubt.

Ewige Verdammnis ist genau das, was Mom Anwälten wie dem gerade an den Hals wünscht, wenn sie Verbrecher mit juristischen Tricks aus dem Gefängnis holen, obwohl die Cops sie mit den Fingern im Tresor erwischt haben.

Ich verzichte ausnahmsweise auf einen Kommentar, greife nach dem Handlauf und schwinge mich um hundertachtzig Grad herum. Nicht zum Broadway am Times Square in Manhattan, sondern zur namensgleichen Straße in Astoria, dem Viertel von Queens, in dem ich seit meiner Geburt wohne.

Ich ernte schräge Blicke und weiß, was die Leute denken: eine Vierzehnjährige in Tanktop, kurzer Jeans und Stiefeln, die rennt, als wäre der Teufel hinter ihr her? Sie muss etwas ausgefressen haben!

Zum Glück kümmert es keinen, ob die gerechte Strafe mich einholt oder nicht. Die schwebt mit jeder weiteren Sekunde wie ein am Seil baumelnder Amboss über mir. Kracht der herunter, bin ich Brei. Ich sollte mich sputen, um nicht noch mehr gottgleichen Zorn auf mich zu ziehen, als mir ohnehin schon droht.

Warum mussten sich die Türen der U-Bahn auch vor meiner Nase schließen! Zehn Minuten hat es mich gekostet, auf den nächsten Zug zu warten.

Im Laufen werfe ich einen Blick auf mein Smartphone. Viertel nach zwölf. Wie gesagt: Ich bin tot, so was von …

»Achtung!«, stoße ich aus.

Eine Frau, die aus einem Waschsalon tritt, springt zurück wie von der Tarantel gestochen. Ich stoße mit der Schulter gegen ihren Korb, rieche die sommerliche Frische ihrer Wäsche, dann hebt das Ding ab wie ein Urlaubsflieger vom La Guardia Airport. Einen Meter über uns erinnert sich der Korb an die Sache mit der Schwerkraft. Er f