MITTWOCH
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Der Morgen begann viel zu früh und wie üblich mit einer kleinen Joggingrunde durch den Stadtpark. Der Antrieb schien diesmal von Felix auszugehen, der den müden Mark an der Leine hinter sich herzog. Erst als sich an einer Weggabelung ein übermütiger Cockerspaniel ohne Leine näherte und Felix der Meinung war, er müsste in die gleiche Richtung wie der Artgenosse abbiegen, wurde Mark richtig munter. Die unerwartete Kehrtwende trieb seinen Puls gewaltig in die Höhe.
Gleich darauf trat eine Rentnerin mit einem gefüllten, orangefarbenen Kackbeutel von der Wiese, um zu schauen, wieso ihr Hündchen auf einmal losgestürmt war. Sie rief mehrmals den Namen Oskar, aber entweder hatte der Hund vergessen, wie er hieß, oder es interessierte ihn im Moment nicht. Mark tippte auf Letzteres.
Wirklich brenzlig war die Situation nicht. Als der Cockerspaniel und Felix sich trafen, beschnupperten sie sich neugierig und hätten vermutlich gerne zusammen eine kleine Fangrunde im Gras gespielt. Mark hätte ebenfalls nichts gegen eine Pause gehabt. Sollten die zwei sich doch austoben. Die Rentnerin hingegen nahm ihren Hund ganz und gar nicht oscar-reif an die Leine, entschuldigte sich für den Zwischenfall und stapfte davon, ohne eine Erwiderung abzuwarten.
„Kein Problem“, rief Mark hinterher. Ob sie das hörte oder ob die Frau einfach nur schwerhörig war, blieb im Dunkeln.
Deutlich wacher als zuvor setzte Mark seine Joggingrunde mit Felix fort und machte sich nach einem Abstecher unter die heimische Dusche auf den Weg zur Arbeit. Das Radio spielte das gut gelaunteYour Team is Looking Good von den Black Keys als Motivationshilfe und stimmte ihn auf den Tag ein. Ob sein Team gut ausschaute, war jedoch zweitrangig. Es genügte ihm, wenn die Kollegen kompetent und effizient waren.
Anwesend zu sein wäre ebenfalls wünschenswert, denn auch das war früh am Tag keine Selbstverständlichkeit. Das Großraumbüro wirkte verwaist. Dass Dominiks Platz nicht besetzt war, überraschte Mark wenig. Ein Frühaufsteher war sein Partner noch nie gewesen, ganz im Gegensatz zu Jan Schuster, der wie üblich längst an seinem Schreibtisch saß.
Ans Weiterarbeiten war nun allerdings nicht mehr zu denken. So euphorisch, wie Felix den Kollegen mit den dunklen Haaren, dem dünnen Schnurrbart und den stets wachsamen braunen Augen begrüßte, blieb diesem gar keine andere Wahl, als den Kugelschreiber sinken zu lassen. Er tat es gerne und kniete sich neben dem Vierbeiner nieder, der sich längst erwartungsvoll auf dem Boden ausgestreckt hatte.
Während Kollege Schuster dem Hund den Rücken und die Ohren kraulte, suchte Mark seinen eigenen Schreibtisch auf und startete den alten PC. Während die Kiste leise ratternd hochfuhr, schlenderte er zurück zu Jan Schuster, um den kleinen Plausch zu führen, zu dem sie gestern nicht gekommen waren.
Über Marks neuen Fall gab es nicht viel zu berichten, sodass sich das Gespräch bald Jans aktue