Der Schlüssel für sichere nervnahe Injektionen liegt in der detaillierten Kenntnis der Anatomie des Kopf-Halsbereichs inklusive abweichender Varianten.
Eine fachgerechte und effektive Schmerzausschaltung setzt fundierte Kenntnisse über die Anatomie des Kopf-Hals-Bereichs voraus, insbesondere bei der nervnahen Injektion. Struktur, Funktionsweise und der Verlauf von Nerven – vor allem des Nervus (N.) trigeminus und seiner Äste – sind von essenzieller Bedeutung. Das Ziel dieses Kapitels ist es deshalb, das grundlegende anatomische Wissen zur Durchführung einer adäquaten Lokalanästhesie zu vermitteln.
1.1Nervus trigeminus
Der N. trigeminus (V. Hirnnerv) entspringt aus dem Hirnstamm und ist der größte der kranialen Nerven. Die meisten seiner Zellkörper befinden sich innerhalb des Ganglion trigeminale (Gasseri). Von hier teilt sich der Nerv in seine drei Hauptäste auf (Abb. 1-1):
Abb. 1-1 Schematischer Verlauf des N. trigeminus und seiner drei Hauptäste.
- N. ophthalmicus (V1),
- N. maxillaris (V2),
- N. mandibularis (V3).
1.1.1Nervus ophthalmicus (V1)
Der N. ophthalmicus verläuft in der lateralen Wand des Sinus cavernosus, tritt über die Fissura orbitalis superior in die Orbita ein und verläuft zwischen Musculus levator palpebrae superioris und dem Periost des Orbitadachs nach rostral. Hier gibt er Äste zur sensiblen Versorgung des Augapfels, der Konjunktiva und der Tränendrüsen ab. Des Weiteren innerviert er die Stirn, die Haut und die Schleimhaut der Nase sowie die Nasennebenhöhlen sensibel1.
Praxistipp: Die Anästhesie des N. frontalis, des stärksten Astes des N. ophthalmicus, erfolgt im Bereich der Augenbraue nach Palpation des Foramen supraorbitale (Abb. 1-2) durch ein Depot in Nervnähe. Das Foramen befindet sich im medialen Drittel des oberen knöchernen Orbitarandes als Einziehung und kann hier leicht ertastet werden.
Abb. 1-2 Foramen supraorbitale als Austrittspunkt des N. frontalis (beziehungsweise seiner Äste N. supraorbitalis und N. supratrochlearis) des N. ophthalmicus.
1.1.2Nervus maxillaris (V2)
Der N. maxillaris verlässt die mittlere Schädelgrube durch das Foramen rotundum und zieht in die Fossa pterygopalatina. Dort erhält er vegetative Fasern aus dem N. intermedius des N. facialis und dem Truncus sympathicus. Nach Abgabe der Äste zur Innervation von Gaumen (N. palatinus, N. nasopalatinus) und der hinteren Nasenhöhle (Nn. nasales posteriores) verlassen die Nn. alveolares posteriores (Tuber, Hinterwand der Kieferhöhle) und der N. zygomaticus den Nervstamm1,2. Innerhalb des Canalis infraorbitalis zweigen die drei Äste des N. alveolaris superior ab