: Stefan Schweizer
: Mord an der Keizersgracht Ein Amsterdam-Krimi
: Verlag edition krimi
: 9783949961144
: 1
: CHF 8.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 239
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nach einer schweren psychischen Erkrankung hat Freddy Walz sich von seiner Familie getrennt und den Dienst als Kriminalpolizist in Berlin aufgegeben. In Amsterdam findet er eine neue Heimat und eine neue Liebe, die Niederländerin Lieke. Doch als vor ihren Augen ein Geldtransporter überfallen und Lieke verletzt wird, geraten sie und Freddy in Verdacht, in kriminelle Strukturen verstrickt zu sein. Freddy beginnt zu ermitteln. Er entdeckt, dass hinter den schönen Kulissen Amsterdams nicht alles ist, wie es scheint. Bald muss er um sein Leben fürchten. Kann er sich selbst und Lieke von jedem Verdacht befreien?

Stefan Schweizer lebt in Potsdam. Als Schriftsteller bewegt er sich in fremden Kulturen und exotischen subkulturellen Milieus. Die Ränder der Gesellschaft faszinieren ihn und für Kriminalroman-Recherchen scheut er keine Kontakte mit Schwerkriminellen. Schweizer ist Autor von gesellschaftskritischen Romanen, Kriminalromanen und Thrillern, aber auch Sachbüchern über Terrorismus, Politik und Geschichte.

2.

Singelgracht

Einen Tag später saß Freddy beinahe um dieselbe Uhrzeit, zu der er die Touristen der Flusskreuzfahrt verabschiedet hatte, in einem alten niederländischen Kaffeehaus, das durch eine schmale Straße von der Gracht getrennt wurde. Direkt an der Gracht waren kleine Tische aufgestellt worden, um den Umsatz zu steigern. Diese Plätze waren besonders bei Touristen begehrt. Er hingegen bevorzugte den Platz im Außenbereich, der näher an der Theke lag, weil er aus Erfahrung wusste, dass die an der Gracht aufgegebenen Bestellungen eine Weile dauerten.

Weil er für seine Verabredung zu früh da war, hatte er sich schon einen Cappuccino kommen lassen. Inzwischen war er daran gewöhnt, dass die Niederländer jede Kaffeespezialität mit einem leckeren Gebäckstück versüßten. Nun gut, seiner Linie würden die niederländischen Leckereien nicht schaden, denn seit seiner Erkrankung und Scheidung hatte er 15 Kilogramm abgenommen. Während der Dienstzeit als Polizist hatte er sich vor allem aus Kompensationsgründen mit Pommes, Chips, Süßigkeiten und anderem ungesundem Kram vollgestopft. Während seiner Erkrankung hatte er hingegen manchmal vergessen, überhaupt zu essen.

Sein Morgen in der luxuriösen Anwaltskanzlei war durchwachsen verlaufen. Wie immer hatte er sich gefreut, seinen alten Kameraden Rudy wiederzusehen, den er bereits seit seines Jura-Studiums kannte. Rudy hatte sich in der Zwischenzeit sehr verändert. War er früher einmal recht aufbrausend und beinahe unberechenbar gewesen, so schien ihm der berufliche Erfolg mehr innere Gelassenheit und Stabilität zu verleihen. Freddys deutsche Klientin hatte sich als schwieriger Fall erwiesen. Kompliziert war das treffende Wort. Eindeutig eine schwierige Zeitgenossin. Frau Dörte Rebecca Hansen trug, obwohl sie derselbe Jahrgang war wie er, immer noch voller Stolz ihre braunblonden Dreadlocks, die ihr bis zur Schulter reichten. Ihr äußeres Erscheinungsbild wurde durch ein paar bunte Kleidungsstücke vervollständigt, die in den 70er-Jahren bei Hippies wahrscheinlich in gewesen waren. Hinzu kam ein penetranter Körpergeruch, den Freddy, trotz der zwischen ihnen liegenden Entfernung von zirka zwei Metern, als unangenehm wahrgenommen hatte. Sicherlich duschte sie nicht mehr als einmal die Woche, vielleicht weil es schlecht für das Karma oder ihr inneres Gleichgewicht war. Ihre grauen Augen hatten sich bei dem Gespräch zwischen Anwalt und Mandantin auf nichts fokussieren können und ein richtiggehender Dialog hatte sich nur zögerlich und unter großen Anstrengungen entwickelt. Nach etlichen Nachfragen und seinem Beharren, dass ihm als Anwalt bestimmte Dinge bekannt sein müssten, um die Verteidigung verantwortungsvoll übernehmen zu können, war die folgende, für Freddy unglaubliche Geschichte zum Vorschein gekommen. Frau Hansen war mit ihrer 17-jährigen Tochter vom westfälischen Bielefeld in das kosmopolitische Amsterdam gekommen, um die liebe, kleine Frauke in die Welt des Cannabis einzuführen. Freddy hatte sich nach der Verkündung des sensationellen Sachverhalts kurz an seinen Stuhllehnen festhalten müssen,