: Daniela Hümbeli
: Mein Kampf zurück
: Vindobona Verlag
: 9783903574144
: 1
: CHF 13.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 134
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Noch halb betäubt wacht Eva in einem Zimmer auf. An der Wand befinden sich Fotos von ihr bekannten, aber auch nicht bekannten Menschen und Tieren. Sosehr sie sich auch anstrengt, ihre Namen fallen ihr einfach nicht ein. Sie wird geradezu panisch, als sie bemerkt, dass nicht nur ihre Sinne getrübt sind, sondern auch ihr Körper ihr nicht wie gewohnt gehorcht. Mit aller Kraft schafft sie es dann doch, sich aus ihrer Lage zu befreien, und kracht unsanft vom Bett aus auf den Boden herab. Die eben beschriebene Szene wird sich noch einige Male wiederholen, und jedes Mal wird sich Eva in einer für sie fremden Welt wiederfinden. Total verzweifelt kämpft sie sich in ihr Leben zurück.

Teil 1

Shila und ich galoppieren über eine saftig grüne Wiese. Einige gelbe Löwenzahnblumen beginnen schon aufzuwachen. Ich rieche das frische Gras. Die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen streicheln mein Gesicht. Es tut unwahrscheinlich gut, die frische Luft des frühen Morgens einzuatmen, und ich genieße das körperliche Zusammenspiel von meinem Pferd und mir. Schon zehn Jahre bereichert Shila mein Leben. Seit ich sie damals gekauft habe, haben wir schon so vieles zusammen erlebt. Wir hatten viele schöne Stunden, aber auch einige Verständigungsprobleme miteinander. Jetzt gerade ist es einfach nur schön. Wir haben gelernt, miteinander zu kommunizieren, und es ist, als wären wir eins. Genüsslich sauge ich dieses wundervolle Gefühl in mir auf. Gemeinsam schweben wir dahin.

Ich wache auf. Es war ein schöner Traum, so friedlich. Mein Kopf fühlt sich etwas schwummrig an, als wäre ich gestern zu lange unterwegs gewesen. Was war gestern? Es fällt mir nicht ein. Auf einmal bemerke ich erschrocken, dass ich in einem fremden Zimmer liege und stehe sofort auf. Meine Beine halten mich nicht, und ich falle unsanft zu Boden. In meinem Kopf dreht sich alles. Verwirrt versuche ich, mich wieder aufzurappeln, doch der Versuch misslingt. Ein junger Mann kommt eilig auf mich zu. Bis jetzt habe ich ihn noch gar nicht bemerkt. Er ist süß und kommt mir irgendwie bekannt vor. „Schatz geht es dir gut? Warte, ich helfe dir!“ Perplex sehe ich ihn an. Tausend Fragen schießen mir durch den Kopf. Was ist hier los? Wer ist das? Wie hat er mich genannt? Er hilft mir wieder ins Bett, und als könnte er meine Gedanken lesen, fängt mein hübscher Helfer zu erzählen an. „Du hattest einen schweren Unfall. Du bist im Koma gelegen und kannst deshalb deine Beine nicht richtig bewegen. Leider ist dein Gedächtnis auch in Mitleidenschaft gezogen worden, und du kannst dich an das alles gar nicht erinnern.“ Erschrocken bleibe ich starr liegen. Anscheinend bin ich doch noch nicht wach und habe einen Albtraum.

Ich wache auf. Mein Kopf fühlt sich seltsam an, und ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Welcher Tag ist heute? Total verwirrt sehe ich mich in einem fremden Zimmer um. Was mache ich hier? Fast fluchtartig versuche ich aufzustehen, nur um zu bemerken, dass ich in einem Bett mit Gittern an der Seite liege. Wieso bin ich eingesperrt? Panisch klettere ich über das Gitter und falle sofort zu Boden. Autsch, mein Ellenbogen. Was ist hier nur los? Ein Pfeifton erklingt, und wenig später betritt eine junge Frau das Zimmer. „Das Sturzgitter hat seinen Zweck wohl nicht erfüllt, was?“, sagt sie spöttisch und hilft mir hoch. Verwirrt und ängstlich schaue ich in ihre blauen Augen. Sie drückt mich ein wenig unsanft in das Gitterbett zurück. Sichtlich genervt, und wohl unter Zeitdruck, erklärt sie mir in kurzen Sätzen, dass ich wohl einen Unfall hatte, halbseitig gelähmt bin und mein Gedächtnis verlore