: Edda Noreia
: Mond der vergessenen Träume Wolfsmond. Roman
: R.G. Fischer Verlag
: 9783830119159
: 1
: CHF 22.60
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 474
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Hat ein mysteriöser, offenbar glimpflich abgelaufener Autounfall den bisher wenig erfolgreichen Lebensweg einer jungen Schulabbrecherin und Gelegenheitsprostituierten nunmehr völlig aus der Bahn geworfen? Während sich ihr bisheriges Dasein mit all seinen Wirrnissen und Nöten offenbar unvermindert weiter abspult, triftet die Ich-Erzählerin immer wieder in den dunkelsten Zeitabschnitt unseres vergangenen Jahrhunderts ab, wird darin in ebenso tragische wie gefahrvolle Szenarien verstrickt, und gerät am Ende selbst in die Todesmaschinerie jenes menschenverachtenden Regimes. Doch welche dieser beiden Daseinsebenen ist nun die tatsächlich real erlebte und erlittene Wirklichkeit? Und in welcher von ihnen erfüllt sich am Ende ihr eigenes Schicksal? Ein aufwühlender Roman von historisch zeitloser Aktualität. Und mit einem bis zur letzten Zeile unvorhersehbaren, spannungsgeladenen, die eigenen seelischen Tiefen unbarmherzig auslotenden Handlungsablauf.

Edda Noreia ist in Wien geboren und auf­gewachsen. Sie studierte Fremdsprachen, Orgel und Operngesang und trat neben ihrer übersetzerischen und musikalischen Tätigkeit schon früh mit zahlreichen Lyrik-, Prosa- und Hörspielpublikationen im In- und Ausland an die Öffentlichkeit. Sie erhielt eine Reihe von Literaturpreisen. Neuere Romanveröffentlichungen: KARST (2002) DER FEUERLAUF (2015) DIE FÄHRTE DES JAGUARS (2009 / 2.Auflage 2016)

1. KAPITEL


Sie werden mich töten! Bald! Ich fühle es. Vielleicht schon heute Abend! Nach Sonnenuntergang! Sie exekutieren immer nach Sonnenuntergang!

Dann werde ich das Tageslicht nicht mehr sehen.

Unter einem fahlen dämmrigen Winterhimmel werde ich vor meine Henker treten, werde mich verzweifelt an ein vages inneres Wissen klammern, das mir suggeriert, mit diesem schrecklichen Geschehen nur die Vision einer längst vergangenen Realität zu durchleben.

Einer Realität, die irgendwann aus einem fatalen Grund meine Wahrnehmung verwirrt und mein Ich in ein tödliches Schicksal verstrickt hat. Und in die sich immer noch Szenen aus einem anderen, nicht weniger aufwühlenden, aber offenbar noch lange nicht zu Ende gelebten Erdendasein drängen.

Halt, Mädchen! Sieh dich um! Du sitzt im Todesbunker! Es ist zu Ende! Das Urteil ist gefällt! Es gibt kein Zurück! Und du weißt es! Also zwinge dich ein letztes Mal, diesen Ansturm halb verschütteter, halb erträumter Bilder und Emotionen ab