Kapitel 1
Kai
»Das soll wohl ein Scherz sein, Ace.« Monty lässt den Scouting-Bericht auf seinen Hotelzimmer-Schreibtisch fallen. »Du hast ihn gefeuert – an einem Spieltag? Was zum Teufel willst du heute Abend mit Max machen? Es ist dein großer Tag!«
Ich habe meinen Sohn mitgebracht – weil ich niemanden habe, der auf ihn aufpassen kann, und weil ich wusste, dass Monty sauer sein würde, weil ich schon wieder mein Kindermädchen gefeuert habe. Max’ pausbäckiges Lächeln stimmt ihn immer ein bisschen friedlicher.
»Ich weiß es noch nicht. Ich überleg mir was.«
»Wirhatten uns schon was überlegt. Mit Troy war alles in bester Ordnung.«
Von wegen. Nach meiner morgendlichen Sitzung mit Mannschaftsarzt und Trainingsteam, bei dem wir meine Schulter für heute Abend gelockert haben, bin ich in mein Zimmer zurückgekommen und habe meinen Sohn mit einer seit Stunden prall gefüllten Windel vorgefunden. Nachdem Troy schon seit Wochen eher den Fanboy für meine Kollegen gibt, statt sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, hatte ich jetzt endgültig die Nase voll.
»Es hat einfach nicht gepasst«, sage ich nur.
Gereizt stößt Monty die Luft aus, und Max kichert vergnügt.
Monty beäugt ihn über den Schreibtisch hinweg und beugt sich vor. »Findest du das etwa lustig, Junge? Dank deinem Vater krieg ich ein graues Haar nach dem anderen.«
»Ich glaube, das schaffst du auch ganz ohne mich, alter Mann.«
Mein fünfzehn Monate alter Sohn sitzt auf meinem Schoß und strahlt meinen Coach mit blitzenden Milchzähnchen an. Monty wird sofort weich, so wie ich es mir gedacht hatte … Er hat eine Schwäche für den Kleinen. Verdammt, er hat eine Schwäche für das ganze Team, aber ganz besonders für den Mann, der ihm gerade in diesem Hotelzimmer gegenübersitzt, und seinen Sohn.
Emmett Montgomery – oder Monty, wie wir ihn nennen – ist nicht nur der Field Manager der Windy City Warriors, ChicagosMLB-Team, sondern auch alleinerziehender Vater, genau wie ich. Er hat mir nie Einzelheiten erzählt, aber ich wäre schockiert, wenn seine Situation auch nur annähernd so absurd wäre wie meine. Es sei denn, auch bei ihm wäre eine frühere Affäre fast ein Jahr nach dem letzten Treffen quer durchs Land geflogen, um ihm zu erklären, dass er Vater geworden sei und sie weder mit ihm noch mit dem Kind etwas zu tun haben wolle, hätte ihm einen sechs Monate alten kleinen Jungen dagelassen und wäre wieder abgehauen.
Ich versuche, Montys weiches Herz nicht auszunutzen – mir ist bewusst, dass er und der gesamte Verband sich für mich ohnehin schon sehr ins Zeug legen –, aber wenn es darum geht, dass mein Kind gut versorgt ist, während ich arbeite, mache ich keine Kompromisse.
»Ich rede mal mit Sanderson«, schlage ich vor – Sanderson ist einer der Teamärzte. »Er ist ja sowieso den ganzen Abend im Trainingsraum, und solange niemand verletzt wird, ist es ruhig genug, dass Max problemlos dort schlafen kann.«
Monty reibt sich mit Daumen und Zeigefinger über die Schläfen. »Kai, ich tu alles für dich, was ich kann, aber ohne verlässliche Kinderbetreuung funktioniert es einfach nicht.«
Monty nennt mich nur dann bei meinem Vornamen, wenn er will, dass ich mir seine Worte zu Herzen nehme. Ansonsten benutzen er und das ganze Team meinen Spitznamen – Ace.
Aber ich habe mir seine Worte schon zu Herzen genommen – er predigt es mir bereits seit drei Monaten, also seit Beginn der Saison. Troy ist der fünfte Babysitter, den ich feuere. Und w