: Sarah Valentina Winkhaus
: Ich werde Eltern Selbstbestimmt zum Mutterglück durch Social Freezing
: GRÄFE UND UNZER
: 9783833893841
: GU Schwangerschaft
: 1
: CHF 15.30
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 208
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sarah Valentina Winkhaus nimmt uns mit auf ihren Weg zum (späten) Mutterglück: Ohne Mann und Eizellen, dafür mit umso mehr Zeitdruck und Willen bewaffnet! Die sympathische Halbitalienerin lässt uns an den Höhen und Tiefen, den Klischees und Überraschungen, den Begegnungen und Erfahrungen, den Hürden und Vorurteilen teilhaben. Ohne Zeigefinger dafür mit umso mehr (Selbst-)Ironie und Herzwärme. Warum einfach, wenn es auch allein geht?

Sarah Valentina Winkhaus hat in Passau Betriebswirtschaftslehre und Kulturwirtschaft mit den Schwerpunkten Kunstgeschichte und Makroökonomie studiert. Die Deutschitalienerin kommt gebürtig aus Düsseldorf und machte nach Abschluss ihres Studiums Volontariate beim ZDF, wodurch sich die Tür zum Sender PHOENIX öffnete. Dort moderierte sie die Nachrichtenstrecke 'Vor Ort'. Es folgten weitere Moderationsjobs und sie baute ihre Moderationskarriere im Bereich des Motorsports weiter aus - arbeitete u.a. für Sky Italia, Sky Sport News und Sport1. 2019 dann der erfolgreiche Wechsel als Moderatorin in die Unterhaltung: Sie übernahm u.a. Sendungen wie 'Dinnerparty' oder 'Promi Boxen' (SAT1) . Zuletzt konnte man Sarah Winkhaus in ihrer eigenen Sendung 'Top News' (RTL) als Moderatorin sehen. Im selben Jahr trat sie bei den 'RTL Sommerspielen' an. Neben ihrer TV-Karriere produziert sie ihren eigenen Podcast namens 'Oh Mann, wir Frauen!'. Auf Instagram nimmt sie ihre 90.000 Follower mit in ihr Leben. Privat setzt Winkhaus sich für den Tierschutz ein und ist selbst Frauchen eines kleinen Hundes namens 'Manfred'.

Es ist der Vorabend des Geburtstermins und ich bin schwermütig. Schon den ganzen Tag spiele ich virtuos die gesamte Klaviatur an Emotionen rauf und runter. Am Morgen euphorisch, mittags nervös, nachmittags ängstlich bis wütend, danach eher ungeduldig und jetzt bin ich halt schwermütig. „Was soll’s, hatten wir auch schon lange nicht mehr“, hör ich mich zu meinem Hund Manni sagen, während ich ihm Halsband und Leine anlege. Ich bin wehmütig, weil morgen meine Schwangerschaft und die enge körperliche Verbundenheit zwischen mir und meiner Tochter unwiderruflich mit ihrer Geburt enden soll. Viele Frauen erzählen, wie sehr sie in den letzten Wochen den Geburtstermin herbeisehnen, um endlich von der Last der Schwangerschaft erlöst zu werden. Bei mir war das eher nicht so. Würde es nach mir gehen, könnte ich noch gut und gerne 3 oder 4 Monate länger mit der Riesenkugel durch Düsseldorf kullern. Meine Schwangerschaft war beschwingt schön und kam nach all den Strapazen, Entbehrungen und Phasen der Hoffnungslosigkeit einer märchenhaften Belohnung in rosa Tüll (und Stützstrumpfhosen) gleich. Aber heute Abend fühle ich mich irgendwie auch ein bisschen melancholisch. Um mich abzulenken, treffe ich meine beste Freundin Julia, um Manni und meinen Babybauch durch die Nachbarschaft Gassi zu führen. Die frische Luft tut mir gut und macht den Kopf frei. Ich muss schon wieder grinsen, als ich Julia erzähle, dass der Kaiserschnitt hierzulande unter „radikalen Gebärmuttis“ kein großes Ansehen genießt. „Was sind denn ‚radikale Gebärmuttis’ und was genau ist deren Problem?“ „So nenne ich Frauen, die es übertrieben abfeiern, ihr Kind auf natürlichem Weg zur Welt zu bringen. Also mit allem Zipp und Zapp. Wehen, Blut, Schreien, Dammriss, Ehemann-bewusstlos-Schlagen, Arzt beschimpfen, also das gesamte Wunder der Natur. Für die radikalen Gebärmuttis sind Frauen, die ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, keine echten Weiber. ‚To posh to push‘, zu etepetete zum Pressen, wie die Engländer sagen. Kaiserschnitt-Mütter nehmen den Sessellift, während die Vaginalgeburt der wahren Bergbesteigung mit abgefrorenen Zehen und Sauerstoffgerät gleichkommt.“ „O. k. verstehe. Und jetzt hat dich auf den letzten Metern der Ehrgeiz gepackt und du überlegst, ob du nicht doch ein Sauerstoffgerät im Keller stehen hast?“ Julia kennt die Vorliebe für spontane Programmänderungen in meinem Leben nur zur Genüge. Aber bei der Geburt meiner Tochter war mir die Entscheidung pro oder contra Kaiserschnitt von meinem Frauenarzt bereits abgenommen worden. Trotz neunmonatiger Glückseligkeit handelte es sich aufgrund meines Alters und einiger anderer Faktoren um eine Risikoschwangerschaft – eine natürliche Geburt wurde deshalb von Anfang an ausgeschlossen, da zu gefährlich für Kind und Mutter. Wenn ich darüber nachdenke, war es die einzige Entscheidung im Zusammenhang mit meiner Schwangerschaft, die mir abgenommen wurde. Alles andere bis zu diesem Punkt – vom Social Freezing bis zur künstlichen Befruchtung – musste ich immer alleine entscheiden, abwägen, mit mir selbst ausmachen. Und jetzt, kurz vor dem Ziel, war ich einfach nur dankbar, einen Entschluss nicht selbst treffen zu müssen und ihn in verantwortungsvolle, fachmännische Hände abgeben zu können. Und danach – ganz wichtig – einfach fallen lassen und auf Durchzug schalten. Nicht mehr im Internet nachlesen, dass angeblich 25 % der Kaiserschnitt-Muttis von der Geburt enttäuscht sind und 15 % sich wie Versagerinnen vorkommen1. Ich habe für meine Verhältnisse wirklich genug geleistet, um überhaupt schwanger zu werden, und eine Frau ist keine Versagerin, bloß weil sie sich für einen Kaiserschnitt entscheidet. Wichtig ist nur, dass sie ihrem Kind eine gute Mutter ist.

Und falls trotzdem ungefragte Kommentare von Fremden, Nachbarinnen, Kolleginnen oder Bekannten zum Thema Kaiserschnitt abgelassen werden, empfehle ich, mit einem einzigen entwaffnenden Satz die aufkommende Diskussion direkt abzuwürgen: „Der Kaiserschnitt ist medizinisch indiziert.“ Bei den meisten kann man dann die geistige