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Die Überfahrt
Ist da vorne ’n Elefant gestorben, oder warum geht’s nicht weiter?« Eine Jungsstimme, ziemlich weit hinter mir.
Ich befand mich auf der Gangway, die vom Schiff aus übers Wasser geschoben worden war und uns Passagiere vom Rostocker Hafen an Bord führte. Oder besser: führensollte. Im Moment stockte es.
Die Gangway war vier Meter lang und hatte zehn Zentimeter hohe Metallkanten an den Seiten. Alle vor mir waren problemlos über dieses Ding gelaufen und an Bord gegangen, nur ich hatte es geschafft, den Koffer am Übergang von Gangway zu Fähre zu verklemmen. Großartig!
Ich zog am Griff, unter mir hörte ich Wasser an den Schiffsbauch klatschen; der Geruch von Salz, Tang und Möwenscheiße wehte hoch. Der Koffer rührte sich keinen Millimeter.
Ich wischte mir über die Stirn und schaute mich um. Hinter mir stand ein Mann. Er trug eine prall gefüllte Einkaufstüte, aus der Porreestangen und Möhrenkraut ragten, und starrte mich mit zusammengepressten Lippen an, als würde ich das hier mit Absicht machen. Jetzt stellte er die Tüte auf die Gangway, griff in seine Westentasche und führte etwas ans Auge … Was war das denn? EinMonokel? Tatsache! Er hatte ein Monokel zwischen die Augenlider geklemmt. Das musste einer von der Insel sein. Offenbar hatte man da die Erfindung der Brille verpennt.
Ich holte tief Luft und warf mich mit meinem gesamten Gewicht Richtung Schiff. Es gab einen Ruck, und der Koffer ließ sich mitschleifen. Für genau eine Sekunde. Dann verhakte sich das blöde Ding wieder. Shit!
»Vielleicht hochheben und tragen?«, rief eine Frau vom Kai herauf.
Toller Vorschlag. Genauso gut könnte ich eine gefällte Eiche aufs Schiff tragen. Dieser Koffer war ein Sonderstück. XXL. Der wog sogar leer schon so viel wie ein Klavier. Niemand außer Pa würde jemals etwas so Unpraktisches verschenken. Ich sah auf den vollen Hafen hinunter und versuchte, einen Blick auf ihn zu erhaschen. Zwischen all den Leuten leuchtete etwas Gelbes. Das war er. Wenigstens bekam er mit, was er angerichtet hatte.
Hinter mir schnalzte es. Der Typ mit dem Monokel. Ich hielt den Griff mit beiden Händen und stemmte mich nach hinten. Der Koffer hielt gegen. Dafür begann das Scharnier, am Griff zu wackeln. Es war zum Heulen.
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»DadrinistdieNachbildungeinesechtenÜberseekoffers«,hattePastolzerklärt,alsAnfangMaidasAutoeinerSpeditionsfirma