: Ella Blix
: Der Schein Das Geheimnis von Griffiun
: Ulrike Helmer Verlag
: 9783897419087
: 1
: CHF 13.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 390
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Alina wird ins Internat Schloss Hoge Zand auf der kleinen Ostseeinsel Griffiun geschickt. Schnell merkt sie: Hier geschehen seltsame Dinge. Angefangen beim schrägen Kiosk-Betreiber, dem uheim-lichen schwarzen Schiff, um das sich zahlreiche Mythen ranken, bis hin zu Tinka, einer wilden Camperin im angrenzenden Naturschutzgebiet, der Alina sich auf merkwürdige Weise verbunden fühlt. Als dann auch noch Menschen verschwinden, will Alina mithilfe ihrer neuen Freunde, den Lonelies, dem Inselgeheimnis auf die Spur kommen ... »Der Schein« wurde nominiert für den Jugendliteraturpreis Goldene Leslie.

ELLA BLIX ist das gemeinsame Pseudonym von Tania Witte und Antje Wagner. TANIA WITTE lebt in Berlin und Den Haag. Die Journalistin und Medienpädagogin schreibt realistische Romane, in denen sie soziokulturelle Themen mit treibenden Plots verknüpft. Ihre Liebe zum Wort und die zur Bühne verbinden sich bei ihren SpokenWord-Performances ebenso wie bei ihren Lesungen. Sie erhielt internationale Stipendien und ihre Werke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem vom Deutschen Literaturfonds, der Akademie fu?r Kinder- und Jugendliteratur und dem Mannheimer Feuergriffel. ANTJE WAGNER geboren 1974, studierte deutsche und amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften und lebt in Hildesheim. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nahm sie 2012 in den Kanon der 20 besten deutschsprachigen Schriftsteller unter 40 Jahren auf. Im Helmer Verlag erschienen bisher »Unland« (ver.di Literaturpreis, Prädikat »Beste 7 Bücher für junge Leser« von Deutschlandradio und Focus), »Schattengesicht« und »Vakuum« (u. a. ausgezeichnet mit dem Leipziger Lesekompass).

 

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Die Überfahrt

Ist da vorne ’n Elefant gestorben, oder warum geht’s nicht weiter?« Eine Jungsstimme, ziemlich weit hinter mir.

Ich befand mich auf der Gangway, die vom Schiff aus übers Wasser geschoben worden war und uns Passagiere vom Rostocker Hafen an Bord führte. Oder besser: führensollte. Im Moment stockte es.

Die Gangway war vier Meter lang und hatte zehn Zentimeter hohe Metallkanten an den Seiten. Alle vor mir waren problemlos über dieses Ding gelaufen und an Bord gegangen, nur ich hatte es geschafft, den Koffer am Übergang von Gangway zu Fähre zu verklemmen. Großartig!

Ich zog am Griff, unter mir hörte ich Wasser an den Schiffsbauch klatschen; der Geruch von Salz, Tang und Möwenscheiße wehte hoch. Der Koffer rührte sich keinen Millimeter.

Ich wischte mir über die Stirn und schaute mich um. Hinter mir stand ein Mann. Er trug eine prall gefüllte Einkaufstüte, aus der Porreestangen und Möhrenkraut ragten, und starrte mich mit zusammengepressten Lippen an, als würde ich das hier mit Absicht machen. Jetzt stellte er die Tüte auf die Gangway, griff in seine Westentasche und führte etwas ans Auge … Was war das denn? EinMonokel? Tatsache! Er hatte ein Monokel zwischen die Augenlider geklemmt. Das musste einer von der Insel sein. Offenbar hatte man da die Erfindung der Brille verpennt.

Ich holte tief Luft und warf mich mit meinem gesamten Gewicht Richtung Schiff. Es gab einen Ruck, und der Koffer ließ sich mitschleifen. Für genau eine Sekunde. Dann verhakte sich das blöde Ding wieder. Shit!

»Vielleicht hochheben und tragen?«, rief eine Frau vom Kai herauf.

Toller Vorschlag. Genauso gut könnte ich eine gefällte Eiche aufs Schiff tragen. Dieser Koffer war ein Sonderstück. XXL. Der wog sogar leer schon so viel wie ein Klavier. Niemand außer Pa würde jemals etwas so Unpraktisches verschenken. Ich sah auf den vollen Hafen hinunter und versuchte, einen Blick auf ihn zu erhaschen. Zwischen all den Leuten leuchtete etwas Gelbes. Das war er. Wenigstens bekam er mit, was er angerichtet hatte.

Hinter mir schnalzte es. Der Typ mit dem Monokel. Ich hielt den Griff mit beiden Händen und stemmte mich nach hinten. Der Koffer hielt gegen. Dafür begann das Scharnier, am Griff zu wackeln. Es war zum Heulen.

*

»DadrinistdieNachbildungeinesechtenÜberseekoffers«,hattePastolzerklärt,alsAnfangMaidasAutoeinerSpeditionsfirma