: Markus Röschel
: Passo Depression oder »Ich nehme Sie jetzt mal raus!«
: R.G. Fischer Verlag
: 9783830194484
: 1
: CHF 8.90
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 184
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Warum dieser Titel? Was hat eine Depression mit einem Pass zu tun? Der Autor ist begeisterter Radfahrer und hat schon fast alle bekannten Alpenpässe überquert. Langstreckenfahrten an den Gardasee oder den Lago Maggiore sind kein Problem für ihn. So würde er gerne gesehen werden - als Kämpfer, als ausdauernder Radfahrer, dem keine Strecke zu weit und kein Berg zu hoch ist. Ein richtig toller Typ also und ideal für Social Media. Die ganze Wahrheit jedoch ist eine andere: Der Autor leidet unter ­Depressionen. Er würde lieber übers Radfahren schreiben, als über seine Depressionen, erkennt aber, dass man beides durchaus vergleichen kann: Die Überwindung einer ­Depression, die man nie ganz loswird, kostet ­genauso viel Kraft und Ausdauer, wie das Bezwingen weiter Strecken oder hoher Pässe. Im Falle einer Transalp folgen auf die Selbstzweifel zu Beginn der Tour viele ­Qualen und endlose Diskussionen mit dem inneren Schweinehund. Je näher man jedoch dem Ziel kommt, desto mehr überwiegt die Freude und der Schweinehund verstummt - oben angekommen ergießt sich ein Botenstoffcocktail über einem und man empfindet pure Freude. Bei einer Depression ist es ähnlich: Angst und Selbstzweifel dominieren, man empfindet keine Freude, sieht kein Ziel und keinen Sinn im eigenen Tun. Man möchte sich verkriechen, verstecken, nicht mehr existieren. Der Weg aus dem Tal scheint unmöglich zu sein. Genau hier beginnt diese Geschichte - am absoluten Tiefpunkt. Das vorliegende Buch gibt in 40 Tagebuch-Einträgen sehr persönliche, zutiefst menschliche Einblicke in den Kampf des Autors gegen seine Depression. Und alles beginnt mit dem Satz der Hausärztin: »Ich nehme Sie jetzt mal raus!«

Tag 2


Donnerstagmorgen. Die Nacht habe ich durchgeschlafen. Ich öffne die Augen und bin sofort hellwach und in meinem Gedankenkarussell gefangen. Tausende Dinge schießen mir durch den Kopf, die sich in einer Endlosschleife wiederholen. Ich fasse mal kurz zusammen: »Oh Gott! Was habe ich getan!«, »Ich werde gekündigt«, »Kein Geld!«, »Das Ersparte frisst die Inflation auf«, »Was werden die Verwandten und Bekannten sagen?«, und am Schluss noch »Flüchtlingskrise«, »Ukrainekrieg«, »Atomkrieg«, »Alles aus«. Und dann beginnt das Ganze wieder von vorne.

Konstanze, meine Frau, ist heute zu Hause, und ich bin froh, dass sie da ist. Ich weiß, dass sie die Situation genauso belastet wie mich; und dennoch versucht sie immer wieder, mich zu beruhigen. Sie merkt, dass ich mich in meiner Gedankenwelt vergrabe, und versucht, mich abzulenken, zu beschäftigen und Aufgaben zu delegieren, was ich nicht wirklich gewohnt bin. Ich komme nur schwer in Gang – wie ein Auto, das sich im Leerlauf befindet, wo man Gas gibt und nichts passiert.

Beim Frühstück klingelt das Telefon. Ich zucke zusammen. Zum Glück ist meine Ärztin dran.

»Ich wollte Sie nur kurz über das Ergebnis des Bluttests informieren. So weit ist alles okay – bis auf den Cholesterinwert, der ist etwa