Tag 2
Donnerstagmorgen. Die Nacht habe ich durchgeschlafen. Ich öffne die Augen und bin sofort hellwach und in meinem Gedankenkarussell gefangen. Tausende Dinge schießen mir durch den Kopf, die sich in einer Endlosschleife wiederholen. Ich fasse mal kurz zusammen: »Oh Gott! Was habe ich getan!«, »Ich werde gekündigt«, »Kein Geld!«, »Das Ersparte frisst die Inflation auf«, »Was werden die Verwandten und Bekannten sagen?«, und am Schluss noch »Flüchtlingskrise«, »Ukrainekrieg«, »Atomkrieg«, »Alles aus«. Und dann beginnt das Ganze wieder von vorne.
Konstanze, meine Frau, ist heute zu Hause, und ich bin froh, dass sie da ist. Ich weiß, dass sie die Situation genauso belastet wie mich; und dennoch versucht sie immer wieder, mich zu beruhigen. Sie merkt, dass ich mich in meiner Gedankenwelt vergrabe, und versucht, mich abzulenken, zu beschäftigen und Aufgaben zu delegieren, was ich nicht wirklich gewohnt bin. Ich komme nur schwer in Gang – wie ein Auto, das sich im Leerlauf befindet, wo man Gas gibt und nichts passiert.
Beim Frühstück klingelt das Telefon. Ich zucke zusammen. Zum Glück ist meine Ärztin dran.
»Ich wollte Sie nur kurz über das Ergebnis des Bluttests informieren. So weit ist alles okay – bis auf den Cholesterinwert, der ist etwa