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Du sollst nicht töten.
Obwohl Paul nicht wirklich religiös war, gingen ihm diese Worte, als er das Foyer betrat und dort das laute Klicken seiner Schuhe auf dem blank polierten Marmorboden hörte, nicht mehr aus dem Kopf.
Wie jeden Wochentag in den vergangenen elf Jahren – abzüglich der Urlaubs- und der Krankheitstage – wies er sich am Eingang mit dem Ausweis seines Unternehmens aus.
Ebenfalls wie immer nickte Wachmann Stu ihm freundlich zu. »Schon wieder Montag, Mr. Rogan.«
»Stimmt«, murmelte Paul, bevor er genau wie jeden Montagmorgen durch die Eingangshalle Richtung Fahrstuhl ging.
Stu sah ihm grinsend hinterher, denn es sah aus, als hätte Mr. Rogan dieses Wochenende richtig einen draufgemacht und sich noch nicht davon erholt.
Zusammen mit einer Handvoll anderer Führungskräfte, Sekretärinnen, Sekretären, Assistentinnen und Assistenten stieg Paul Rogan in den Lift. Ein durchtrainierter Mann in einem Nadelstreifenanzug, einem weißen Hemd und einem blau-roten Schlips mit Chevron-Muster, der wie gewöhnlich ordentlich geknotet war.
Obwohl er einen Kaschmirmantel trug, wurde ihm kalt, als er die Stimme durch den Knopf in seinem Ohr vernahm.
Cecily und Melody.
Die Stimme wiederholte unablässig diese beiden Namen und übertönte fast die andere Stimme, die in seinem Innern sprach.
Du sollst nicht töten. Sollst nicht töten.
Doch er hatte keine andere Wahl.
In der zweiunddreißigsten Etage – Führungsebene Quantum – stieg er widerstrebend aus. Hinter dem geschwungenen Empfangstisch schimmerte das Logo seiner Firma an der Wand. Die Telefone und Computer klingelten und piepsten schon, doch die bequemen Sessel für Besucher waren um diese Zeit noch leer. Durch die getönten, bodentiefen Fenster hinter diesen Sesseln konnte man New York mit seiner ganz besonderen Skyline und den Himmel sehen.
Der Himmel war an diesem Morgen leuchtend blau und ungewöhnlich klar. Das konnte doch nicht sein.
Entschlossen wandte er sich ab und ging, ohne die gewohnten Worte mit dem Trio am Empfang zu wechseln, auf die zweiteilige Glastür zu.
Sie öffnete sich automatisch und zerriss das Logo in zwei Teile. So war es auch ihm selbst ergangen.
Cecily und Melody.
Du sollst nicht töten.
Er ging an den Schreibtischen der Assistentinnen und Assistenten und an verschiedenen Büros vorbei. Es war erst kurz vor neun, aber die Frauen in den maßgeschneiderten Kostümen und die Männer in den teuren Anzü gen klappten schon ihre Aktenkoffer auf und gingen, während sie an ihren heißen Kaffees nippten, die darin enthaltenen Berichte durch.
Sein eigener Assistent sprang auf. So jung, so aufgeweckt und ernsthaft, ging es Rogan durch den Kopf. Genauso wie er selber mal gewesen war.
»Gu