Kapitel 1
Zanders
»Ich liebe Auswärtsspiele.«
»Ich hasse Auswärtsspiele.« Maddison zieht seinen Koffer aus dem Kofferraum des Mercedes-Geländewagen, meiner neuesten Anschaffung, und zuckt unter der Anzugjacke mit den Schultern.
»Du hasst sie genau aus demselben Grund, aus dem ich sie so sehr liebe.« Ich schließe den Wagen ab, stopfe die Schlüssel in die Tasche und atme die frische Herbstluft Chicagos tief ein. Die Eishockeysaison ist die beste Zeit des Jahres, und diese Woche beginnen die Auswärtsspiele.
»Und warum? Weil die Frauen in sämtlichen Städten Schlange stehen, um dich zu sehen? Die einzige Frau, die mich interessiert, ist meine eigene, und die ist hier in Chicago, mit meiner Tochter und meinem neugeborenen Sohn.«
»Ganz genau.« Ich klopfe Maddison auf die Schulter. Wir betreten den O’Hare International Airport durch einen privaten Eingang, zeigen dem Sicherheitspersonal unsere Ausweise und werden aufs Rollfeld gelassen. »Haben wir ein neues Flugzeug bekommen?« Ich bleibe stehen und mustere den neuen Vogel mit unserem Teamlogo auf dem Heck.
»Scheint so«, brummt Maddison geistesabwesend, den Blick auf sein Handy gerichtet.
»Wie geht’s Logan?«, frage ich, denn ich weiß, dass er gerade mit seiner Frau schreibt. Er ist völlig besessen von ihr und schreibt ihr praktisch ununterbrochen.
»Sie ist knallhart, Mann.« Maddisons Stimme trieft nur so vor Stolz. »MJ ist erst eine Woche alt, und sie hat seinen Tagesablauf schon voll im Griff.«
Das ist keine Überraschung. Ich bin eng mit Maddisons Frau Logan befreundet, und sie ist der kompetenteste Mensch, den ich kenne. Die beiden sind die Einzigen in meinem Freundeskreis, die Kinder haben, und sie haben mich voll in ihre vierköpfige Familie aufgenommen. Ihre Tochter nennt mich Onkel Zee, und ich spreche von ihren Kindern als meiner Nichte und meinem Neffen, auch wenn wir nicht blutsverwandt sind. Ihr Vater ist mein bester Freund und für mich inzwischen wie ein Bruder.
Das war nicht immer so.
In unserer Jugend war Eli Maddison mein verhasstester Rivale. Wir sind in Indiana aufgewachsen und haben für gegnerische Teams Eishockey gespielt. Er war der Goldjunge, dem alles auf dem Silbertablett serviert wurde, und das ärgerte mich zu Tode. Sein Leben war perfekt. Seine Familie war perfekt. Ganz im Gegensatz zu meinem Leben und meiner Familie.
Dann spielte er für die Universität von Minnesota, während ich für die Ohio State aufs Feld ging, und aus unserer Jugendstreitigkeit wurden fünf hitzige Jahre College-Rivalität. Ich hatte damals familiäre Probleme und ließ meine ganze Wut auf dem Eis raus. Kurz vor Beginn des zweiten Collegejahrs bekam Maddison das voll ab … durch ein Foul von mir knallte er so hart gegen die Bande, dass er sich schwer am Knöchel verletzte. Er verpasste die ganze Saison und obendrein dieNHL-Draft.
Ironischerweise musste ich im zweiten Studienjahr ebenfalls aussetzen, weil ich einige Kurse nicht bestanden hatte.
Er hasste mich dafür, und ich hasste mich selbst … aus einer ganzen Reihe von Gründen.
Dann fing ich eine Therapie an, mit fast religiösem Eifer. Ich arbeitete mit vollem Einsatz an meinem Scheiß, und in unserem letzten Collegejahr waren Maddison und ich die besten Freunde. Wir spielten zwar immer noch für gegnerische Mannschaften, aber wir respektierten einander und fanden durch unsere psychischen Probleme eine gemeinsame Basis. Er hatte mit Angstzuständen und Panikattacken zu kämpfen, und ich hatte einen so tiefsitzenden bitteren Zorn in mir, dass ich ebenfalls manchmal Panikattacken bekam, weil mir war, als würde diese Wut mich auffressen. Manchmal wurde es so schlimm, dass die Realität dagegen in den Hintergrund trat.
Wie es das Schicksal wollte, landeten Eli Maddison und ich in Chicago im selben