: Melissa Blair
: Shadow Crown – Die Kriegerin der Fae Roman
: Heyne Verlag
: 9783641315870
: Broken Blade-Reihe
: 1
: CHF 8.90
:
: Fantasy
: German
: 544
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Für das Königreich ist Keera die Klinge des Königs, seine gefürchtetste und zuverlässigste Attentäterin. Doch im Verborgenen arbeitet sie mit den Faen zusammen. Gemeinsam mit dem dunklen, grüblerischen Fae Riven, der Keeras Blut in Wallung bringt, plant sie, den tyrannischen König des Menschenreichs zu töten. Doch es gibt einen Verräter unter ihnen – und Keera ist die Hauptverdächtige. Und gerade, als sie glaubt, eine neue Familie und ihre große Liebe gefunden zu haben, steht auf einmal noch viel mehr auf dem Spiel als nur ihr eigenes Leben …

Melissa Blair gehört zum indigenen Volk der Anishinaabe in Kanada. Sie hat Angewandte Linguistik studiert und wurde auf ihrem Booktok-Kanal mit Buchempfehlungen zu feministischer, queerer und indigener Literatur berühmt. Mit »Broken Blade – Die Klinge des Königs«, ihrem Romandebüt, hat sie weltweit auf TikTok für Furore gesorgt. Melissa Blair lebt in Northern Ontario und in Ottawa.

Eins


Ich schlug dem Prinzen ins Gesicht. Hart genug, dass Killian der goldene Stirnreif vom Kopf flog und mit lautem Klappern auf den Boden schlug. Wenn ich mir früher vorgestellt hatte, gegen jemanden aus dem Königshaus die Hand zu erheben, hatte ich zwar immer an seinen Bruder Damien gedacht, aber Killian war ein durchaus zufriedenstellender Ersatz.

Alle im Raum erschraken sichtbar, aber keiner rührte sich. Killian hatte für ein großes Publikum gesorgt, bevor er mich im perfekten Augenblick mit der Wahrheit konfrontierte: Nachdem ich mich, um die Krone ein für alle Mal zu vernichten, mit einem Feind verbündet hatte, der gleichzeitig ein Feind des Königs war, musste ich nun also erfahren, dass der Schatten seine Befehle vom jüngsten Sohn dieses Königs erhielt.

Wie eine Närrin war ich von Killian gesteuert worden, ohne es zu merken. Selbst wenn ich mich bereit erklärte, an seinem Plan mitzuwirken, musste ich ihm daher wieder verdeutlichen, dass ich gefährlich war.

Er spuckte etwas Blut auf den holzgetäfelten Boden. Ich versuchte gar nicht erst, mein Grinsen darüber zu unterdrücken. Durch seine Bewegung flackerte die Spannung, die im Raum geherrscht hatte, wieder auf. Plötzlich merkte ich, dass gerade jene Elverin, denen Killian besonders vertraute, ihre Blicke auf mich richten: Die zwei Faen, die an der Wand lehnten, starrten mich mit ihren berechnenden violetten Augen an, als dächten sie darüber nach, die gesamte ihnen noch verbliebene Magie gegen mich einzusetzen. Die Elfen, die aufgrund ihrer Unsterblichkeit kaum noch jemals Schock oder Überraschung empfanden, betrachteten mich mit Vorsicht. Doch was mir beinahe das Herz stehen bleiben ließ, war der gewaltbereite Blick der anwesenden Halblinge. Sie, in deren Adern sich das Blut von Elfen und Sterblichen mischte, waren zehnmal stärker vertreten als die übrigen Elverin.

Zu ihnen gehörte auch ich. Aber sie sahen in mir keine Verbündete, sondern die Klinge, die gerade Hand an ihren Prinzen gelegt hatte.

Vielleicht hätte ich mit dem Schlag besser gewartet, bis ich nicht mehr von hundert Rebellen umringt war, die mich allesamt tot sehen wollten. Killian wischte sich mit dem Handrücken über den Mund, und ihm fiel eine blonde Locke ins Gesicht, als er sich das Blut über die Wange schmierte.

Collin rührte sich als Erster. Er holte nach mir aus, ohne jedoch die kurze Klinge, die an seinem Gürtel hing, aus ihrer Scheide zu ziehen, und vor hilflosem Zorn röteten sich seine Wangen. Ich glitt beiseite und wich ihm aus. Nun schlug er mit der anderen Faust zu, doch auch diesem Hieb entzog ich mich. Beim dritten Schlag beschloss ich, ihn von seinem Elend zu erlösen – ich packte ihn am Handgelenk und nutzte seinen Schwung, um ihn herumzuwirbeln und ihm den Arm auf den Rücken zu drehen. Zu meiner Genugtuung stieß er einen markerschütternden Schrei aus.

»Hast du schon genug?«, flüsterte ich ihm ins Ohr. Mit Collin hatte ich mich messe