KAPITEL 1
Rory war schon etwas betrunken, denn es war ihr gutes Recht, sich zu betrinken, und jeder, der sie dafür verurteilen wollte, konnte zur Hölle fahren. Nicht dass jemand auf dieser Party sich ein Urteil erlauben sollte. »Julia«, sagte sie zu dem Mann, der sich auf dem Hotelbalkon zu ihr gesellt hatte, und streckte ihre Hand vor. »Wie in Capulet.«
»Darth«, erwiderte er. »Wie in Vader.«
Seine Stimme war herrlich rau, sein Lächeln seidig, und zu ihrer Überraschung hörte Rory sich lachen. »Sagen Sie, Mr. Vader, sind Sie wirklich böse?«
Sein linker Mundwinkel zuckte nach oben, ein Mund mit schmalen, fein geschwungenen Lippen. »Es kommt darauf an, wen Sie fragen.«
»Ich frage Sie.« Sie hatte bereits drei hochprozentige Fruchtcocktails in sich hineingeschüttet, um ihren Unmut darüber zu tilgen, dass sie an einer Party teilnehmen musste, auf die sie nicht hingehörte. Ihr Schwips machte es ihr leicht, mit diesem arroganten, von sich selbst überzeugten, aber sehr verführerischen Mann zu flirten, der Footballerreichtum ausstrahlte, angefangen von seiner glänzenden Gelfrisur über seinen athletischen Körper bis zu seiner luxuriösen Armbanduhr.
»Ich beuge hin und wieder die Regeln.« Er berührte mit seiner Fingerspitze die rote Samtblüte in ihrem Haar. »Sagen Sie mir, dass Sie nicht wirklich dreizehn sind, Miss Capulet.« Sein Finger wanderte zu ihrer Wange.
Sie ließ ihn für einen Moment dort ruhen, bevor sie einen großen Schluck von ihrem vierten Cocktail trank. »Was denken Sie?«
»Ich denke, Sie haben die Dreizehn vor einer Weile hinter sich gelassen.«
Sie hatte die Dreizehn vor einundzwanzig Jahren hinter sich gelassen, darum konnte sie ihm die Bemerkung nicht übel nehmen. Sie schüttelte ihre honigblonde Lockenmähne wie ein Profi vor diesem supermaskulinen Mann. »Korrekt. Und was machen Sie so, Mr. Vader? Das heißt, wenn Sie nicht gerade die Jedi ausrotten.«
»Ich verdiene gutes Geld.«
»Wirklich?« Sein Blick war forsch und gefährlich, genau, was sie im Moment brauchte, und ihr alkoholbenebelter Verstand ließ es völlig angemessen erscheinen, dass sie über die Vorderseite seines Hemds streichelte. »Irgendwelche Tipps für mich, wie ich gutes Geld verdienen kann?«
Er schenkte ihr ein süffisantes Grinsen, das Knochen zum Schmelzen brachte. »Ich hätte da ein paar Ideen.«
Als Rory wieder zu sich kam, war sie allein, verkatert und nackt, abgesehen von der roten Samtblüte, die schief über ihrem Ohr hing, ihrem schwarzen Strapsgürtel und den Netzstrümpfen. Sie blinzelte in das trübe Straßen licht draußen vor dem Fenster des Hotelzimmers, das sich, wie ihr noch schwach in Erinnerung war, im selben Flur befand wie die Partysuite. Nach zwei Jahren sexueller Besonnenheit war sie rückfällig geworden.
Sie glaubte, sich an ein Kondom zu erinnern, aber vielleicht auch nicht, und was, wenn er irgendeine schreckliche Krankheit hatte, die sich um Kondome nicht scherte? Das Zimmer drehte sich, genau wie i