: Jürgen Schmieder
: Arschtritt ins Glück Der eine Moment, der dein Leben für immer verändert - Keine Ausreden, echte Gesundheit
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641312374
: 1
: CHF 7.10
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wer dieses Buch liest, braucht keine Diäten, Fitness-Pläne oder Wellness-Apps mehr: Der radikal ehrliche Bericht von einem, der es geschafft hat, wirklich gesund zu werden

Geiler Job, liebevolle Familie, durchzockte Nächte mit den Jungs: Work hard, play hard. So ging Jürgen Schmieder lange durchs Leben. Bis ihn ein diabetischer Schock in die Horizontale beförderte. Was folgte war nicht nur die Not zu einem gesünderen Lebensstil, sondern endlich auch das richtige Mindset: »Wenn ich meinen Sohn aufwachsen sehen möchte, muss ich überleben und gesund werden.«

In seinem Buch zeigt Jürgen Schmieder Schritt für Schritt, wie der Einstieg in ein anderes, glücklicheres und gesünderes Leben gelingt, und beschreibt, wie dabei körperliche, mentale und soziale Faktoren zusammenhängen. Sein radikal ehrlicher Bericht von Erfolgen und Rückschlägen auf dem Weg zu echter Gesundheit ist ein Wake-up-Call für alle, die dafür nicht erst auf der Intensivstation landen wollen, und zeigt, dass wir den Moment, in dem wirklicher Wandel beginnt, alle finden können.

Jürgen Schmieder, Jahrgang 1979, ist Reporter und Autor für dieSüddeutsche Zeitung,Sports Illustrated,GQund andere Medien – er berichtet aus Los Angeles. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter die Bestseller »Mein Bauch gehört mir« (2008) und »Du sollst nicht lügen!« (2010). Zuletzt bei C.Bertelsmann erschienen »Ich will in den Himmel oder als glückliche Kuh wiedergeboren werden« (2011), »Mit einem Bein im Knast« (2013), »Sport. Das Buch« (2014) und »Der Frauenversteher« (2016). Jürgen Schmieder lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Hermosa Beach, Kalifornien.

»Petta Reddast«
»Es wird sich alles fügen.«

Sprichwort aus Island

Eins   Sei froh über den Arschtritt!


Es kann durchaus helfen, wenn man den eigenen Tod verschläft.

Ich wache auf und bemerke sofort: Ach du Scheiße, da läuft aber was brutal verkehrt.

Ich sehe nur verschwommen, so als wäre ich unter Wasser. Ich rieche jedoch perfekt, deshalb bemerke ich recht schnell, dass ich mich im Schlaf offenbar von oben bis unten vollgekotzt habe.

Die Geruchskombination aus kaltem Schweiß und Erbrochenem ist derart übel, dass ich mich gleich noch einmal übergebe. In diesem Moment verkrampft sich jeder Muskel in meinem Körper, als wäre ich an einen elektrischen Stuhl angeschlossen. Müsste man den Zustand mit zwei Worten beschreiben: zitternder Zombie. Zumal ich auch rieche wie einer, der den Tod bereits hinter sich hat. Wirklich: Jämmerlicher geht es kaum.

So also fühlt sich ein diabetischer Schock an – oder besser: wenn man daraus aufwacht, denn ich erinnere mich an überhaupt nichts seit dem Einschlafen. Ich fühlte mich am Vorabend nicht schlecht, trotz der Völlerei davor. In Wirklichkeit hatte ich mich aber quasi zu Tode gefressen.

Wie ich später erfahre, hätte ich sterben sollen; die Ärztin drückt es so aus: »Du bist über den Grand Canyon gesprungen und aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht abgestürzt.« Ich stelle mir das so vor, als würde der Coyote in den Roadrunner-Comics dieses eine Mal nicht in den Canyon plumpsen, sondern auf der anderen Seite ankommen.

Das ist nicht der Moment, in dem ich beschließe, mein Leben zu ändern; jetzt gerade geht es einfach nur ums Überleben und darum herauszufinden, was in aller Welt hier los ist.

Ich liege im Bett einer Kajüte eines Kreuzfahrtschiffs, das Anker im mexikanischen Dschungel gelegt hat. Ich bin halb beruflich und halb privat hier: Es ist die erste Kreuzfahrt während der Covid-Pandemie von denUSA aus; ein Experiment, ich soll darüber berichten. Halb privat, weil meine Frau und mein Sohn auch dabei sind. Aber, wo sind die eigentlich?

Aufstehen funktioniert nicht, wegen der Krämpfe. Für einen kurzen Augenblick überlege ich, was die schlimmere Alternative ist: sterben – oder in diesem desolaten Zustand entdeckt zu werden? Ich tue deshalb, was jeder Mann Anfang vierzig mit ein wenig Reststolz tun würde: Ich nutze die Krämpfe, um mich von Bett zu Bad zu schütteln. Ich schaffe es unter die Dusche, drehe auf und trinke erstmal einen badewannengroßen Schluck Wasser.

Das lindert die Krämpfe und spült alles Übelriechende weg.

Ich kann aufstehen, tapse mich in Richtung Eingang; ich sehe immer noch wie durch dickes Milchglas, und da stehe ich dann: in der Tür zum Bad, mit zuckenden Krämpfen in Waden, Rücken und Schultern – und in diesem glorreichen Moment meiner Existenz kommt meine Frau ins Zimmer, und sie sagt, was ich seit zwanzig Minuten denke: »Was ist denn hier los?«

Was los war:

Ich war offenbar bereits ein Jahr lang Diabetiker, ohne es zu wissen. Sagen wir es so: Der HbA1c-Wert, der den Blutzucker über einen längeren Zeitraum anzeigt, liegt bei gesunden Menschen zwischen 4,5 und 6,5. Bei einem Wert über 7,5 gilt er als zu hoch, auf der Webseitediabetes.org werden Werte bis 10 angezeigt mit dem Hinweis, dass es dann schon zu schweren Schäden an Augen, Nieren und Nerven kommen könne. Alles über 10 ist völlig irre; die Skala hört da auf. Mein Wert, wie sich rausstellen wird: 13,2.

Blutzuckerwert in dieser Nacht, geschätzt: 980. Lebensgefährlich. Normal sind Werte unter 100, von mehr als 127 bei zwei verschiedenen Tests an gilt man als diabetisch. Ab 600 gibt es das Risiko des diabetischen Komas.

Ich hätte sterben sollen, habe das