: Carla Berling
: Glück für Wiedereinsteiger Roman
: Heyne Verlag
: 9783641313104
: 1
: CHF 4.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Ich gehe Zähne putzen, soll ich deine gleich mitnehmen?«

Das kann es doch nicht gewesen sein!, denkt Thea, als ihr 40. Hochzeitstag vor der Tür steht und ihr Gatte Ronny das gemeinsame Eheleben mental schon mal ins Altenheim verfrachtet hat. Was ist aus Leidenschaft und Abenteuer geworden? Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind und endlich mal Zeit für die eigenen Träume ist? Es wird Zeit, die Reißleine zu ziehen. Also verkünden die beiden auf der Party zu ihrem Hochzeitstag vor versammelter Mannschaft, dass sie ab jetzt getrennte Wege gehen. Die frisch gebackenen Singles sind bestens vorbereitet. Doch dann kommt alles anders als gedacht …

Felicitas Fuchs ist das Pseudonym der Erfolgsautorin Carla Berling, die sich mit Krimis, Komödien und temperamentvollen Lesungen ein großes Publikum erobert hat. Schon bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, war sie als Reporterin und Pressefotografin immer sehr nah an den Menschen und ihren Schicksalen. Für ihre historischen Familienromane lässt sie sich gern von Geschichten aus dem wahren Leben inspirieren. Mit ihrer Mütter-Trilogie gelang ihr auf Anhieb ein SPIEGEL-Bestsellererfolg.

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Neun Wörter waren es, die schließlich alles veränderten. Neun eigentlich unbedeutende Wörter, in freundlichem Ton dahingesagt, an einem Montagabend um Viertel vor elf.

Ich saß auf der Bettkante und massierte meine Füße. Ronny schlüpfte in seinen Schlafanzug. Die Hose war ihm an den Beinen zu kurz und das Oberteil am Bauch zu weit. Um zu wissen, was er tat, brauchte ich nicht hinzusehen, ich kannte das Geräusch jedes einzelnen Handgriffs. Das Ächzen, wenn er sich die Strickjacke über die Schulter zog, das Geräusch der Hose, die auf den Boden fiel, bevor er sie akkurat auf den stummen Diener hängte, das Schleifen seiner Unterhose über die trockene Haut seiner sehnigen Schenkel. Sobald Ronny im Nachtgewand war, hatte er die Angewohnheit, den rechten Daumen in den elastischen Bund der Schlafanzughose zu stecken. Er ließ das Bündchen dezent auf seinen flachen Bauch flitschen, bevor er sich, barfuß übers Laminat tapsend, auf den Weg ins Bad machte. Beim Gehen knackten seine Gelenke. Die Türen des Spiegelschrankes klappten; ich wusste, dass er jetzt die Zahnpasta portionierte, dann ertönte das laute Brummen der elektrischen Zahnbürste. Abends putzte Ronny sich die Zähne, während er auf dem Klo saß.

Ja, er saß.

Seit er mal eine Weile das Bad hatte sauber machen müssen – ich hatte mir das Schlüsselbein gebrochen und war für derlei Verrichtungen ausgefallen –, hing überm Klo die Attrappe einer Überwachungskamera neben einem Schild, auf dem stand:Bei Stehpinklern schaltet sich automatisch die Kamera ein!

Die Brille blieb fortan sauber, bei uns saßen alle.

Normalerweise hockte Ronny also auf dem Klosett und sorgte dafür, dass er nachts nicht rausmusste, dabei summte die elektrische Zahnbürste exakt zwei Minuten lang. Dann hörte ich die Toilettenspülung und anschließend das Klacken, wenn er die Zahnbürste zurück in die Halterung steckte.

An diesem Abend drehte er sich entgegen allen regulären Bewegungsabläufen in der Tür kurz um und schaute mich grinsend an. »Ich gehe Zähne putzen, soll ich deine gleich mitnehmen?«

Mein Unterkiefer fiel herunter. Ich bekam den Mund sekundenlang nicht zu. Normalerweise konnte ich auf Ronnys speziellen Humor gelassen reagieren, das ist eben so, wenn man seit der Schulzeit ein Paar ist, aber an diesem Abend geschah etwas mit mir.

Ich merkte es nicht sofort, sondern erst Wochen später.

»Ronny«, sagte ich an jenem Abend milde, »es ist eine Beißschiene und kein Gebiss, das außerhalb meines Körpers in einem Wasserglas mit Corega-Tabs übernachten musste. Deine Scherze waren auch schon mal besser.«

Ich zog mir die Decke über den Kopf. Als er zurückkam, bewegte ich mich nicht und tat, als würde ich schon schlafen.

Er knipste sein Leselicht an und murmelte: »Lass uns morgen endlich mit der konkreten Reiseplanung anfangen. Ehe man sich’s versieht, haben wir Silvester.«

»Hm«, brummte ich.

Die Mottoparty. Wir wollten unseren vierzigsten Hochzeitstag, der auch unser be