Kapitel 1
Es fühlt sich noch ein wenig fremd an, wieder meinen Mädchennamen zu sagen. Aber da das Telefon im Büro gerade kaum stillsteht, bekomme ich ziemlich schnell Übung darin.
»Frau Kramer?«
Als hätte ich mich nicht gerade mit ebendiesem Namen gemeldet, fragt der Anrufer am anderen Ende der Leitung sicherheitshalber noch mal nach.
»Ja. Eventagentur EventART, Sara Kramer am Apparat.«
»Nicht Frau Sara Dietrich?«
Es passiert häufig, dass ich mit meiner Vergangenheit als Ehefrau von Herrn Sebastian Dietrich konfrontiert werde, also atme ich kurz durch und stelle mich einmal mehr meinem aktuellen Beziehungsstatus.
»Nicht mehr. Wieder Frau Sara Kramer.«
Keine fünf Sekunden im Telefonat, und schon streut ein mir unbekannter Anrufer Salz in die noch frische Wunde.
»Kann ich Ihnen irgendwie weiterhelfen?«
Immerhin stapeln sich die Anfragen auf meinem Schreibtisch und in meinem Mailfach gefühlt minütlich.
»Mein Name ist Dr. Martin Segelhorst.«
Es ist die Art und Weise, wie er es betont, die mich wissen lässt, dass sein Name mir irgendetwas sagen sollte, aber ich bin mir ziemlich sicher, den Namen noch nie gehört zu haben.
»Von der Kanzlei Segelhorst und Partner.«
Ach so, ein Anwalt, daher die gewichtig vorgetragenen Infos.
»Herr Dr. Segelhorst. Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?«
Meine Ahnungslosigkeit scheint ihn zu irritieren, denn es folgt eine unangenehm lange Zäsur.
»Wir kümmern uns um den Nachlass Ihres Vaters. Dr. Frank Kramer.«
Nachlass. Ein Wort, eine schallende Ohrfeige.
»Wie bitte?«
Mein Blick schießt zur Tür zu meinem Büro, die so gut wie immer offen steht, weil wir in meiner Firma nichts zu verbergen haben und jedes Telefonat theoretisch belauschen könnten. Jetzt aber kommt mir meine Tür zu offen vor, als würde ich meine Mitarbeiter geradezu einladen, einen Einblick in mein Leben zu bekommen. Schnell stehe ich auf, den Telefonhörer fest ans Ohr gedrückt, gehe um meinen Schreibtisch herum und schließe die Tür, ohne Blickkontakt mit Julia – meiner Assistentin – aufzunehmen, die draußen an ihrem Schreibtisch sitzt.
»Oh. Ähm, Verzeihung … Sie wussten das noch gar nicht?«
»Dass mein Vater jemanden beauftragt hat, der sich um seinen Nachlass kümmert? Oder dass es Zeit wird, sich um besagten Nachlass zu kümmern?«
Eine peinliche Stille breitet sich am anderen Ende der Leitung aus, und ich kann nur noch das Blut in meinen Ohren rauschen hören. Dann endlich räuspert sich Herr Segelhorst und spricht weiter.
»Ich befürchte, wir müssen Ihnen leider mi