»Schön schaust du aus! Wie eine Prinzessin! So ein herrliches Brautkleid hab ich noch nie gesehen!«, entfuhr es Rosi Berghofer neidlos. Sie konnte den Blick gar nicht von ihrer Freundin wenden.
Beate Steinert drehte sich lächelnd im Kreis herum, dass der Rock des langen Kleides aufschwang und sie in eine Wolke von weißer Seide zu hüllen schien.
Selbstgefällig betrachtete sie sich dann im Spiegel, der ihr ein bezauberndes Bild bot: ein schlankes schönes Mädchen mit ebenmäßigen Zügen und üppigem dunkelblondem Haar, das ihr bis über die Schultern fiel.
»Darin wirst du dem Michael gefallen! Augen wird der machen!«, meinte Rosi und seufzte ein wenig.
»Das soll er auch! So ein Tag muss unvergesslich bleiben. Schlimm genug, dass später so viele Männer vergessen, was sie am Altar versprochen haben«, entgegnete Beate und nestelte am Ausschnitt des Kleides, der mit aufwendigen seidenen Rosen verziert war.
»Aber dein Michael ist net so einer. Auf den kannst du bauen. Noch nie hat er einem anderen Madel schöne Augen gemacht«, sagte Rosi beinahe heftig.
»Das würd ich ihm auch net raten! Dann wär’s sofort aus mit uns. Ich bin keine, die sich das gefallen lässt.« Beate warf den Kopf zurück, und ihre schönen Augen funkelten. »Aber was reden wir denn da! Wir wollen den Teufel doch net an die Wand malen!« Sie lachte auf, und ihre Freundin stimmte nach kurzem Zögern mit ein.
»So kurz vor der Hochzeit kommt man halt auf die absonderlichsten Gedanken«, meinte Rosi. »Dass doch net alles gut gehen könnt …
»Ach, warum denn?«, erwiderte Beate leichthin. »Der Michael und ich kennen uns schon von Kind an. Das ist vielleicht net so romantisch, aber ich finde, da weiß man wenigstens, wie man mit dem anderen dran ist. Geheiratet wird auf der Erde, net im Himmel.«
»Du bist halt vernünftig und stehst mit beiden Beinen auf dem Boden, Beate. Viele würden net so denken, das kannst du mir glauben.«
»Und manche hat’s dann auch gereut, denn die Ehe ist halt nichts Romantisches.« Beate trat näher an den Wandspiegel in ihrem geräumigen Zimmer, um den Faltenwurf des Kleides zu begutachten, wobei sie kritisch den Kopf schief legte.
»Ich hab ja nur gemeint, dass …«, begann Rosi.
»Ist ja schon gut!«, unterbrach Beate sie ungeduldig. »Meinst du net auch, dass das Mieder ein bisserl lose sitzt? Es