Was der Darmmikrobiota schadet
Der westliche Lebensstil insgesamt scheint negative Folgen für das Mikrobiom zu haben. Das haben wir bereits im vorherigen Kapitel bei dem Vergleich mit den Ureinwohnern im Amazonasgebiet gesehen, wir sehen es aber auch beispielsweise in Afrika, wo der Darm der dort lebenden Menschen von doppelt so vielen unterschiedlichen Kleinstlebewesen besiedelt ist wie der eines Durchschnittsamerikaners. Und je vielfältiger, desto stabiler ist unser Mikrobiom.
Darüber hinaus spielt es eine große Rolle, welche Mikroorganismen im Darm vorherrschen. Es gibt nämlich Arten, die die Darmbarriere angreifen, zu Entzündungen und letzten Endes zu Tumoren führen. Auch chronische Darmerkrankungen wie Reizdarm, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind immer von einem negativ veränderten Darmmikrobiom begleitet. Inzwischen bringt man auch Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer, Depressionen, Autismus und Angststörungen in Verbindung mit einem krankhaft veränderten Mikrobiom – einer sogenannten Dysbiose. Allerdings ist nicht immer klar, ob das eine Folge der Erkrankung ist oder der Auslöser.
Ernährungsunabhängige Faktoren, die unsere Darmmikrobiota schädigen
Unabhängig von unserer Ernährung gibt es einige Faktoren, die sich negativ auf unsere Darmmikrobiota auswirken. Mangelnde Bewegung zum Beispiel: Weniger Bewegung hat weniger Stoffwechselaktivität zur Folge – und das ändert die Verfügbarkeit von Nährstoffen zum Nachteil der Bakterien. Außerdem nehmen Entzündungen im Körper zu – auch das tut dem Mikrobiom nicht gut. Die Darmbewegung nimmt ab, wenn der Körper nicht aktiv ist – das ist schlecht, weil sich der Transport von Nahrung und Stoffwechselprodukten verzögert. Selbst Hormone werden durch Bewegung verändert. Ebenso unser Immunsystem.
Schlafmangel kann ebenfalls das Mikrobiom schädigen. Er hat eine ähnliche Wirkung auf das Mikrobiom wie Bewegungsmangel.
Auch Stress beeinträchtigt die Darmbakterien und ihre Vielfalt. Das unterstreicht nochmals die Bedeutung der Darm-Hirn-Achse. Die stressbedingte Freisetzung der Hormone Cortisol und Katecholamin verändert nicht nur das Gehirn, sondern auch die Mikrobiota. Am Ende kann ständiger Stress zu einem Schaden an der Darmbarriere führen. Dadurch können Gifte und Krankheitskeime in den Blutkreislauf gelangen. Entzündungen nehmen zu – und die Ernährung wird in der Regel schlechter.
Weitere belastende Faktoren sind Alkohol und Tabak, Umweltgifte und Übergewicht. Und last, but not least Medikamente, vor allem Antibiotika. Denn die töten die Bakterien im Darm zunächst ab – nicht nur die bösen, sondern auch die guten.
Kurz und knapp
Von der Ernährung unabhängige Faktoren, die unsere Darmmikrobiota schädigen, sind mangelnde Bewegung, Schlafmangel und Stress. Außerdem Alkohol und Tabak, Umweltgifte und Übergewicht sowie Medikamente, insbesondere Antibiotika.
Nahrungsfaktoren, die unsere Darmmikrobiota belasten
In diesem Buch jedoch geht es um Ernährung, und so stellt sich die Frage: Welche Nährstoffe und Lebensmittel belasten unsere guten Darmbakterien? Was in unserer Ernährung ist für die zunehmenden Probleme mit unserem Darm verantwortlich? Die Antwort ist keine Überraschung: alle Gerichte und Lebensmittel, die eng mit unserer modernen westlichen »Wohlstandsdiät« zu tun haben. Sie enthalten wenig Ballaststoffe, die der Schlüssel zu einem gesunden Darm sind. Davon später mehr.
Abbildung2: Fast Food, viel Fett, Zucker und Eiweiß schaden dem Mikrobiom und der Darmschleimhaut.
Die ungünstigen Nährstoffe sind im Einzelnen: