: Beat Meier
: Zu Tode verwahrt Wer nicht gesteht, kommt nie mehr raus
: R.G. Fischer Verlag
: 9783830119173
: 1
: CHF 21.70
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 426
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Wer nicht gesteht, kommt nie mehr raus«, dient dieser eindrücklichen wie erschreckenden Autobiografie als roter Faden, an dem Beat Meier seit 30 Jahren hängt. Der Leser muss sich bei der Lektüre immer vergegenwärtigen, dass es sich nicht um einen Roman handelt, sondern um die Dokumentation einer unglaublichen Justiz-Odyssee und einer menschenverachtenden, populistisch-opportunistische Schweizer Angst- und Hasspolitik, die der Bevölkerung die Unverzichtbarkeit einer 100%igen Sicherheit vor »potentiellen Straftätern« einhämmert. Es geht um enthemmten Boulevard­journalismus, dreiste Entgleisungen diverser Straf­verfolgungsbehörden, um unbegrenzte Sicherheits­verwahrung aufgrund fragwürdiger Gutachten von Psychologen, Juristen und Politikern. Und es geht um den rücksichtslosen, traumatisierenden Umgang mit (angeblichen) Kinder-Opfern seitens der Strafverfolgungsbehörden, die dabei vorgeben, diese Kinder zu schützen. Eine Geschichte, die berührt und die jedem so oder so ähnlich passieren kann - und das nicht nur in der Schweiz.

Beat Meier, geboren 1946 in der Schweiz, aufgewachsen bei Pflegeeltern, in Heimen und als Verdingbube, immer wieder schwer misshandelt, rudimentäre Grundschulbildung, weitgehend Autodidakt in allem, was er macht. Ende der 1960er-Jahre fährt er zeitweise zur See, arbeitet danach einige Jahre in den USA u. a. als Privatchauffeur diverser Berühmtheiten, kurzer Arbeitsaufenthalt in Israel, ab Beginn der 70er-Jahre in Europa, Afrika und dem Nahen Osten als Fernfahrer und Reisebusfahrer in Europa tätig, gegen Ende des Jahrzehnts in Australien, dort ebenfalls diverse Tätigkeiten. Ab 1983 wieder in Europa. In dieser Autobiografie begleiten wir Beat Meier auf seiner Lebensreise, beginnend Mitte der 1980er-Jahre und sehen, wie aus dem umtriebigen Abenteurer und Selfmademan ein seit ­nun­mehr 30 Jahren Weggeschlossener, Inhaftierter, Sicherheitsverwahrter geworden ist.

Vorwort


Ich erzähle Ihnen, geehrte Leserschaft, hier eine Geschichte, die in mancher Hinsicht derart unwirklich klingt, als würden Sie sich in einem Roman voller Intrigen, Brutalität und Ohnmacht befinden.

In derlei Romanen gibt es einen Protagonisten, den Helden sozusagen, dann gibt es den Gegner, Antagonist genannt, dazu kommen die dem Protagonisten wohlgesinnten Freunde, die als Side-Kick bezeichnet werden. Und irgendwann siegt der Protagonist heldenhaft. Tja.

Nur ist diese Geschichte keine Fiktion. Sie ist wahr. Es ist meine Geschichte. Und ich, der »Held«, sitze heute noch im Gefängnis.

Ein Anruf setzte sie in Gang, die tragische Wende zu meinem zukünftigen Leben. Er kam aus Deutschland und erreichte mich Ende März 1990 in der kleinen Mansardenwohnung meines Vaters.

Zu ihr hinauf führte eine uralte enge Treppe; das dreistöckige Holzhaus war eines der ältesten in dem kleinen Dorf am Fuße des Pilatus, dem Wahrzeichen der Zentralschweizer Stadt Luzern.

Viele Jahre lang hatte mein Vater die roten Triebwagen der Bergbahn mit wohl Hunderttausenden Touristen sicher zu der auf gut 2.100 Meter gelegenen Kulmstation hoch- und wieder runtergefahren. Die Zahnradbahn mit dem einzigartigen, von zwei Seiten greifenden »Locher«-Zahnsystem ist mit bis zu 48 Prozent Steigung die steilste der Welt.

Nun war mein Vater längst pensioniert. Seit er alleine lebte – seine Haushälterin war vor ein paar Jahren gestorben – ließ er sich gehen. Als ich bei einem Besuch den Eindruck bekam, dass er vielleicht an beginnendem Alzheimer leiden könnte, zog ich vorübergehend bei ihm ein, um für ihn da zu sein und seinen Haushalt auf Vordermann zu bringen. Vorläufig wollte ich bleiben, bis sich sein Zustand entweder besserte, oder aber entsprechende professionelle Hilfe nötig sein würde. Das nur kurz zu meinem Vater.

Ich kannte den Anrufer seit Jahren. Es war höchst ungewöhnlich, dass er anrief, denn sonst verlief unser Kontakt fast nur schriftlich. Wie viele andere war auch er von mir über meinen vorübergehend geänderten Aufenthaltsort inklusive der Telefonnummer meines Vaters informiert worden. Und nun teilte mir Hubertus Horn1, so hieß der Deutsche, in wenigen Worten den Grund seines Anrufes mit. Er wollte seine neue Bekanntschaft, eine Frau Bachwiese in der DDR, nach bisherigem Austausch feuriger Liebesbriefe erstmals besuchen und bat mich, i