: Miriam Rademacher
: Banshee Livie (Band 9): Lügen für Laien
: Sternensand Verlag
: 9783038963004
: 1
: CHF 6.20
:
: Fantasy
: German
: 316
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Livie ist fest entschlossen, das Rätsel um den Tod ihrer Mutter zu lösen. Doch das erweist sich als schwieriger als gedacht, denn kaum jemand ist gewillt, ihr die Wahrheit über das zu verraten, was sich vor zehn Jahren während eines paranormalen Forschungsexperiments ereignete. Erst als Feinde zu Freunden werden und sich Freunde als Feinde entpuppen, kommt Livie dem Gespinst aus Lügen langsam auf die Schliche ...

Miriam Rademacher wuchs auf einem kleinen Barockschloss im Emsland auf und begann früh mit dem Schreiben. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Osnabrück, wo sie an ihren Büchern arbeitet und Tanz unterrichtet. Sie mag Regen, wenn es nach Herbst riecht, wenn es früh dunkel wird und die Printen beim Lesen wieder schmecken. In den letzten Jahren hat sie zahlreiche Kurzgeschichten, Fantasyromane, Krimis, Jugendbücher und ein Bilderbuch für Kinder veröffentlicht.

Prolog


 

London, in einer Sommernacht 2010

 

Als Livie aus dem Schlaf hochfuhr, wusste sie im ersten Moment nicht, was sie geweckt hatte und noch weniger erschloss sich ihr, wo sie sich überhaupt befand.

Die brennende Lampe auf dem Tischchen war nicht ihre eigene. In ihrem Kinderzimmer leuchtete jede Nacht ihre gute alte Schlumpflaterne, denn Livie hatte wie viele Mädchen ihres Alters Angst im Dunkeln. Ihre Mutter behauptete, das würde sich irgendwann legen. Livie war sich da nicht so sicher.

Dieser fremde Lampenschirm mit kunterbunten Bommeln am unteren Rand faszinierte und irritierte sie gleichermaßen, bis ihr wieder einfiel, dass sie in dieser Nacht bei Tante Ethel zu Gast war. Ihre Mutter war wieder einmal zu einem Tauchurlaub an der schottischen Küste aufgebrochen und kehrte erst in einigen Tagen nach London zurück.

Nur unter Wasser, so pflegte sie zu sagen, hielten endlich einmal alle die Klappe, und Mums Bedürfnis nach Ruhe war in der letzten Zeit immer größer geworden.

Livie hoffte sehr, dass der Kurzurlaub ein wenig Entspannung brachte, die sich auch im Alltag niederschlug. Die ständige Gereiztheit ihrer Hauptbezugsperson fing an, eine Belastung für sie zu werden.

»Aber wie soll es denn jetzt weitergehen?«

Das war die Stimme von Tante Ethel, die durch die geschlossene Tür hindurch bis an ihr Ohr drang, und sie hatte sehr schrill geklungen.

Plötzlich hellwach warf Livie einen Blick auf den Wecker mit den grünleuchtenden Ziffern. Es war bereits weit nach Mitternacht.

Hatte Tante Ethel um diese Zeit Besuch bekommen oder telefonierte sie mit jemandem? In jedem Fall kam ihr die Aufregung im Ton ihrer Patin merkwürdig vor. Denn diese brachte nämlich so schnell nichts aus der Ruhe.

»Meine Organisation ist sich ihrer Verantwortung voll bewusst und wird Sie keinesfalls im Regen stehenlassen«, sagte nun eine Männerstimme, die Livie noch nie zuvor gehört hatte. Ihr Klang war sanft und mitfühlend, besaß aber einen gebieterischen Unterton, wie Livie ihn bisher nur von ihrem Mathelehrer kannte.

»Sie hat eine Tochter!« Ethel klang sehr aufgebracht. »Das Kind ist erst zwölf Jahre alt! Was soll denn aus ihr werden?«

Livie setzte sich steil im Bett auf.

Wer hatte eine Tochter gehabt, die genau wie sie zwölf Jahre alt war? Wovon redete ihre Patentante da bloß?

»Wir hatten gehofft, dass Sie als Vertraute und gewissermaßen einzige Angehörige …« Das war wieder die Stimme des Mannes gewesen, doch Tante Ethel ließ ihn nicht ausreden.

»Natürlich! Ja. Wer soll es denn sonst tun? Aber das bedeutet einen Heidenpapierkram, und ich bin wirklich nicht gut in so etwas. Bisher war ich nicht einmal für ein Haustier verantwortlich und jetzt gleich ein Kind kurz vor der Pubertät? Hoffentlich schaffe ich das.«

»Um den Papierkram brauchen Sie sich nicht zu kümmern«, erklärte de