: Sophia Farago
: Die listenreiche Entführung Regency Heroes 4
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962154882
: 1
: CHF 7.10
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 448
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Kaum jemanden achtet die vornehme Londoner Gesellschaft so sehr wie Mr Oscar Bradford. Er ist klug, meist freundlich, verfügt über einen feinen Humor und sein Ratschlag  wird allgemein äußerst geschätzt. Nur für sich selbst weiß Oscar keinen Rat. Seit die anderen Heroes in festen Händen sind, ist sein Alltag zu einem trägen Einheitsbrei aus Arbeit, Pflichten, schrumpfenden Ersparnissen und Ärger mit dem skurrilen Erbonkel geworden. Er sehnt sich nach Liebe, Glück und Abenteuer, und weiß doch, dass keine Aussicht auf Erfüllung dieses Traums besteht. Bis, ja bis, ein Brett von hinten auf seinen Kopf herniedersaust und er ohnmächtig in eine Kutsche verfrachtet wird. Als er aufwacht liegt er in den Armen von Miss Virginia Ridgeway. Noch nie war jemand so hübsch gewesen und noch nie hat ihn jemand mit so viel Verachtung gemustert.

Sophia Farago liebt England und nennt die englische Geschichte des beginnenden 19. Jahrhunderts ihre Zeit. Nachdem sie als junges Mädchen die Regency-Romane von Jane Austen und Georgette Heyer verschlungen hatte, begann sie die Hintergründe genau zu recherchieren und Berge von Büchern zusammenzutragen: alles über das Königshaus, Mode, Gepflogenheiten, Städte, Fächer, Kutschen, Grabsteine... Mehr als fünfzig Reisen führten sie durch London und die gesamte Insel. 2001 hat sie stilecht über dem Amboss in Gretna Green geheiratet. Als vor nunmehr 25 Jahren imaginäre Heldinnen und Helden in ihrem Kopf zu sprechen begannen, schrieb sie ihren ersten Roman 'Die Braut des Herzogs'. Inzwischen sind dreizehn weiter dazugekommen. Sie erklomm damit höchst erfolgreich die Bestsellerlisten und zählt zu den erfolgreichsten Regency-Autorinnen im deutschsprachigen Raum.

Kapitel 1


August 1813
Haus von Mr Oscar Bradford in Hampstead, etwa 3,5 Meilen nördlich von London
Fünf Tage vor der listenreichen Entführung

Der dichte Rauch war weithin sichtbar. Hohe Flammen schlugen grell gegen den Nachthimmel, Funken stoben. Es prasselte und zischte und mit einem lauten Knall stürzte auch noch der letzte Dachbalken in das tosende Feuer. Oscar Bradford hatte weder Zeit noch Nerven, über die Konsequenzen nachzudenken, die der Brand in seinen Stallungen haben würde. Zwei der Burschen hatten alle Pferde gerade noch rechtzeitig ins Freie bringen können. Die Tiere befanden sich nun draußen auf der Koppel und somit in Sicherheit. Das war das Wichtigste.

Nun stand Oscar ganz vorn in einer der drei Menschenketten, die Wasser eimerweise von jenem großen Löschteich schöpften, der zum Glück nicht allzu weit entfernt lag. Von allüberall waren Pächter, Bekannte und Nachbarn herbeigeeilt, um ihm bei der Bekämpfung des Brandes zu helfen, und so war es den Männern bisher tatsächlich gelungen, ein Übergreifen der Flammen auf das Haupthaus zu verhindern. Auch die Feuerwehr von Hampstead war fünf Mann hoch angerückt und brachte ihre ledernen Schläuche zum Einsatz. Der Butler Mr Carrock und die Lakaien eilten immer wieder ins Haus, um für Erfrischungen zu sorgen und die Helfer auch mit der Suppe zu stärken, die die Köchin eigentlich für die nächsten Tage vorgekocht hatte. Wie die anderen auch, waren ihre Hände und Gesichter schwarz vor Ruß und sie kämpften sich hustend von einem der Helfer zum anderen. Oscars Schwester Emily und deren Nachbarin und beste Freundin Lady Clara Baronin Helmsbury hatten Verbandszeug auf den Tisch im Eingangsbereich des Hauses geschafft und halfen Verletzten, ihre Wunden zu reinigen und zu verbinden und so manchen Holzsplitter aus den rauen Fingern zu ziehen. Auch Baron Helmsbury selbst griff überall mit an, wo Not am Mann war.

Alle waren sie da. Alle halfen mit. Alle – bis auf einen. Oscars Erbonkel, der alte Earl of Glazebury, glänzte mit verdächtiger Abwesenheit. William, einer der Stallburschen, behauptete, eine Gestalt in genau so einer weinroten Samtjacke hinter dem Stall gesehen zu haben, wie der Earl sie gern trug. Das sei kurz vor Ausbruch des Brandes gewesen. Er konnte sich allerdings nicht erklären, wohin der alte Mann dann so schnell verschwunden sein sollte. Noch dazu, da er seine gichtigen Beine nur mehr mithilfe eines Gehstocks mühsam fortbewegen konnte.

Oscar hatte den Großonkel vor ungefähr drei Jahren zu sich geholt, als ein Brand dessen eigenes Anwesen in Hounslow in Schutt und Asche gelegt hatte – oh, welch Ironie des Schicksals! Der einzige Sohn des Earls hatte damals ein Feuer gelegt und war dann selbst auf tragische Weise darin umgekommen. Obwohl Oscar den alten Herrn zu dieser Zeit kaum kannte, hatte er ihm in seinem Haus in Hampstead eine neue Heimat geboten. Immerhin war dieser damals schon Mitte siebzig gewesen und stand nach dem Tod seines Sohnes ganz allein auf der Welt. Also hatte es Oscar für seine Pflicht gehalten, ihm durch seine Großzügigkeit Respekt und Dank dafür zu erweisen, dass er in nicht allzu ferner Zeit den Titel eines Earls of Glazebury und dessen Vermögen erben würde.In nicht allzu ferner Zeit! Vermögen! Er konnte nur bitter auflachen, wann immer er daran dachte. Die knapp drei Jahre, die Glazebury nun schon bei ihm wohnte, fühlten sich endlos an. Sie waren gefüllt mit den unterschiedlichsten Eskapaden des Alten, welche die vornehme Londoner Gesellschaft so manch indigniertes Stirnrunzeln gekostet hatte. Oder auch ein amüsiertes Auflachen und sehr oft ein sensationsgieriges Teilnehmen an seinen sinnlosen Wetten. Ihn jedoch kostete der Onkel beinahe all seine Ersparnisse, und darüber hinaus auch noch seine letzten Nerven. Er konnte nur hoffen, dass sich nach dem Tod des Earls seine insgeheime Hoffnung erfüllte, dass der Alte doch noch irgendwo einen kleinen Batzen Geld bunkerte und ihm damit seine bisherigen Ausgaben zumindest te