3 Ausgewählte körperliche Auswirkungen des Joggens
Körperliche und psychische Prozesse stehen in vielfältigen Wechselwirkungen. Fühlen wir uns körperlich wohl, geht es uns in der Regel auch psychisch gut. Umgekehrt hat auch unsere psychische Befindlichkeit erhebliche körperliche Auswirkungen. Daher möchte ich – wenngleich es in diesem Buch vorrangig um die psychischen Wirkungen des Laufens geht – auf einige Punkte der somatischen (= körperlichen) Effekte eingehen. Die somatischen Effekte werden von Laufanfänger*innen häufig eher und direkter erlebt. Zudem stellen sie teilweise die Basis für die psychischen Veränderungen dar. Abbildung 1 gibt übersichtsweise sechs wichtige körperliche Bereiche wieder, bei denen das Laufen nachweislich positive Effekte hat.
3.1 Mit einem gesunden Herz länger leben
Kennen Sie die berühmten drei „L“? Sie stehen für die unter Jogger*innen beliebte Abkürzung:Langläufer*innenlebenlänger. Ist das nun eine Tatsache oder nur ein frommer Wunsch? Eine der umfangreichsten diesbezüglichen Untersuchungen ist die von Paffenbarger, Hyde, Wing und Hsieh (1986) an der Harvard-Universität durchgeführte Studie. Sie belegt:
Abbildung 1:Sechs wichtige Einflussbereiche des Joggens auf den Körper
Menschen, die regelmäßig beim Sport, z. B. beim Joggen, 2.000 oder mehr Kilokalorien pro Woche verbrauchen, leben wesentlich länger als vergleichbare „Nichtsportler*innen“.
In dieser Studie wurden rund 17.000 frühere Absolvent*innen der Harvard-Universität über einen Zeitraum von 16 Jahren beobachtet. Damit keine Irrtümer entstehen: Es ging bei dieser großen Untersuchung nicht allein um das Laufen, sondern um sportliche Betätigung allgemein. Damit soll auch gleich gesagt werden, dass es natürlich auch andere sportliche Tätigkeiten außer dem Joggen gibt, die die Gesundheit fördern. Gewissermaßen ist das Ergebnis die Widerlegung des bei Sportmuffeln so beliebten Satzes: „Sport ist Mord“.
Nun erscheinen 2.000 Kilokalorien auf den ersten Blick nicht sehr viel. Betrachten wir aber die in Tabelle 1 angegebenen Kalorienverbräuche verschiedener sportlicher Aktivitäten, so wird deutlich, dass eine solche Verbrauchsmenge durchaus beachtliche sportliche Betätigung voraussetzt.
Die Befunde von Paffenbarger et al. (1986) werden durch eine aktuellere Untersuchung von Schnohr, Marott, Lange und Jensen (2013) überzeugend bestätigt. Diese Forscher untersuchten im Rahmen der „Copenhagen City Heart Study“ die Sterblichkeit an einer Zufallsstichprobe von 17.589 gesunden Männern und Frauen im Alter von 20 bis 98 Jahren über 35 Jahre. Innerhalb dieser Untersuchungsgruppe befanden sich 1.116 Jogger und 762 Joggerinnen. Die altersbezogene Lebenserwartung war sowohl bei den Joggern (6,2 Jahre) als auch bei den Joggerinnen (5,6 Jahre) signifikant höher als bei den Nichtläufer*innen. Dabei zeigte sich auch eine Tendenz, dass ein Pensum von 1 bis 2,4 Stunden Laufen pro Woche mit einem langsamen bis durchschnittlichen Tempo sich günstiger auswirkte als ein höheres Laufpensum mit höherer Geschwindigkeit.
Wie lassen sich solche Ergebnisse erklären? Eine der zentralen Hypothesen bezieht sich auf die Problematik der „Bewegungsmangelerkrankungen“ oder „hypokinetic diseases“. Damit ist gemeint, dass viele der sogenannten „Zivilisationskrankheiten“ darauf beruhen, dass uns für das Funktionieren unseres Organismus die notwendige Bewegung fehlt. Das führt zu Kreislauferkrankungen, Übergewicht und Sauerstoffmangel.
Tabelle 1:Kalorienverbrauch pro 30 Minuten Betätigung
Brustschwimmen 50 m/Min. | 340 |