: Karoline Toso
: Esmeraldas Liebe Die Vertraute der Herzogin
: Bookspot Verlag
: 9783956691409
: 1
: CHF 7.10
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der langersehnte Erbe, Felix de Valois, erreicht nun das zweite Lebensjahr. Doch die Freude seiner Mutter Agnès wird getrübt, als sie als Esmeralda enttarnt wird - eine Bedrohung, die nicht nur sie selbst, sondern auch ihre geliebten Kinder und das Ansehen des gesamten Hauses de Valois zu Chartres gefährdet. Unter königlichem Auftrag begibt sich Agnès mit ihren Kindern in die freie Bretagne, um die verwaiste Herzogin Anne für Frankreich zu gewinnen. Doch am Hof der Bretagne wird sie mit Missachtung behandelt und als Persona non grata abgestempelt. Die düstere Situation wird noch komplizierter, als eine verheerende Masernepidemie nahe Chartres ausbricht. Währenddessen plant das Königshaus einen unerbittlichen Angriff auf die Bretagne, und Duc Raphael de Valois wird an den Hof beordert, um König Karl VIII. bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Die Helden rund um den ehemaligen Glöckner von Notre-Dame stehen vor gewaltigen Herausforderungen und müssen sich den Stürmen der Zeit stellen. Werden Agnès und ihre Kinder enttarnt und müssen fliehen? Kann sich Anne de Bretagne gegen Karl VIII. behaupten? Entdecken Sie die Antworten auf diese Fragen und mehr in diesem atemberaubenden dritten Band der Trilogie: Ein unvergessliches Abenteuer erwartet Sie!

Die österreichische Schriftstellerin Karoline Toso lebt als Religionspädagogin in Wien. Nach zahlreichen Kurzgeschichten und Gedichten veröffentlichte sie ihren ersten Roman »Der fromme Ehebrecher«, erschienen bei BC Publications. Es folgte »DASDA«, ein Band mit Geschichten und Gedichten der Autorin. »Esmeraldas Blick« war ihr erster historischer Roman, der Auftakt zu einer Trilogie rund um die Figuren aus »Der Glöckner von Notre-Dame«. Bei Karoline Toso gehen Victor Hugos Charaktere ganz neue Wege, packend und unterhaltsam erzählt. Nach »Esmeraldas Geheimnis«, der Fortsetzung, schließt diese Trilogie mit »Esmeraldas Liebe« ab. Alle Bände erschienen im Bookspot Verlag.

Kapitel 1


Seit Tagen schon hatte er es gespürt. Das Herz bäumte sich auf, rebellierte, war gebrochen. Mit dem eigenen Blut schien der Vertrag von Sablé unterzeichnet worden zu sein. Franz II. hatte damit sein Volk und seine Tochter der Gier Frankreichs verkauft. Aber noch war nicht alles verloren, noch konnte er auf England zählen, auch auf den erstarkenden Duc Louis d’Orléans und auf die getreuen Bretonen. Den Kampf um Unabhängigkeit würden sie nicht so schnell aufgeben.Anne ist ja noch so jung, dachte er bei seinem letzten Atemzug.

Mit einem Knall klappte das Buch zu. Ungehalten warf Albert Alden es von sich. Als ob seine Erschöpfung und gleichzeitige Ruhelosigkeit die Schuld der Bücher wäre, stierte er den Haufen verschiedener Werke an, der neben dem Couchtisch lag. Auch der Tisch quoll von Büchern über, allerdings in geordneten Stapeln. Rechts und links auf der Couch neben Albert gab es ebenfalls wohlsortierte Bücher und Manuskripte. Zu seinen Füßen verstreute Notizen, auf denen man nur allzu leicht ausrutschen konnte. Er schnaubte. Das war’s also? Nach all den Kämpfen in diesem verrückten Krieg starb der bretonische Herzog an einem Herzinfarkt. Vollkommen unerwartet!

»Das Leben schreibt die schlechtesten Romane!«, grummelte Albert vor sich hin.

Was soll denn nun aus der Bretagne werden? Die einzige Tochter ist ja noch nicht mal zwölf Jahre alt!

Als er in die Küche schlurfte, knacksten seine Gelenke, der Rücken schmerzte. Wie lange hatte er auf der Couch gesessen? Hatte er das halbe Buch in einem gelesen? Er warf einen Blick auf die Zeitanzeige am Backofen, es war 3:44 Uhr morgens. Welcher Tag? Standen Vorlesungen an? Hoffentlich verschlief er sie nicht wieder. Alberts Kopfhaut juckte, sein Haar fühlte sich fettig an und er roch nach Schweiß. Und wenn schon. Nicht einmal Zähne putzen schaffte er noch. Schlafen, alles vergessen, den Wecker stellen, denn mittlerweile wusste er, dass die erste Online-Vorlesung dieses Dienstags um 9:00 Uhr beginnen würde.Was war noch mal das Thema? Ach ja, sprachliche und gesellschaftliche Veränderungen in Spanien durch die Mauren. Die Augen fielen ihm zu. Doch kaum begann er selig in den Schlaf zu gleiten, schnellte Albert hoch. Habe ich den Wecker gestellt? Die Augen brannten vor Müdigkeit, er sah alles verschwommen. Irgendwann sank er endlich in erholsame Leere.

Im Schlosshof zu Chartres löste die Morgensonne letzte Nebelschleier auf. Vereinzelt leuchteten goldgelbe Blätter an Sträuchern, doch die Bäume standen noch im Grün, am Boden lag kaum Laub. Knechte und Mägde bemerkten trotz all ihrer Tätigkeiten die Schönheit des Morgens. So ging ihnen die Arbeit gut von der Hand. Auch Agnès de Valois freute sich über die kühle Morgenluft, als sie mit ihrer Tochter am Fenster saß und ihr das Haar kämmte.

»Claudine! Sieh mich an. Bitte! Schenke mir einen Blick«, schmeichelte sie.

Doch die Prinzessin entwand sich ihrer Mutter und begann das immer wiederkehrende Ritual. Mit langsamen Schritten ging sie zur Truhe, kniete sich davor hin und legte den Kopf auf den Deckel. Einige Augenblicke presste sie ihr Ohr gegen das Holz. Es rauschte geheimnisvoll, als hätte sich Wind in der Truhe verborgen. Das Gleiche machte sie mit der Tür, die anders rauschte, nicht so drängend. Die Wand rauschte fast gar nicht, aber sie ließ alles rund um Claudine verstummen, sodass sie kaum wahrnahm, ob sich andere im Raum aufhielten. Wenn das Kind sein Ohr auf den Boden drückte, wurde aus jedem Schritt Lärm. Vor dem Sessel blieb Claudine nur stehen und blickte ihn erwartungsvoll an. Konnte sie dieses Ritual ungestört durchführen, ließ sie sich anschließend zum Frühmahl geleiten. Fasste man sie aber ungeduldig an der Hand, kreischte sie, riss sich los und rannte davon, um sich irgendwo zu verstecken. Oft dauerte es lang, bis man die Prinzessin dann wiederfand. Manchmal stand sie hinter einem Vorhang, dann wieder hockte sie inmitten eines Gebüschs im Park.

Mittlerweile hatten sich ihre Muskeln von der E