: Max König
: Briefe in die Eifel ein getreulicher Bericht vom Jakobsweg nach Santiago de Compostela
: epubli
: 9783758404443
: 10
: CHF 4.50
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: Erzählende Literatur
: German
: 418
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ganz Europa wurde 2020 von einem Virus namens Covid 19 beherrscht. Dabei sollte es eigentlich unbeschwert nach Santiago de Compostela gehen. Zu Fuß von der Eifel, und den ganzen Weg bis ins ferne Spanien. Die Reise fand trotzdem statt wie geplant - nur die Bedingungen hatten sich geändert. In 85 Briefen an Anna wird der Leser mit auf eine dreimonatige Pilgerreise genommen. Es sind intensive Tage, voller Ungewissheiten und Fragen. Nur wenige Pilger sind unterwegs und viele Herbergen sind geschlossen. Ausnahmsweise konnte man sich auf das Wetter verlassen, Temperaturen bis 40 Grad bescherten Anna's Freund einen Jahrhundertsommer. Anna folgt Max auf dem Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela. Es ist ein besonderer Weg, der die Geschichte und den Glauben Europas von etwa 1200 Jahren umfasst. Beim grenzüberschreitenden Wandern und beim Bezahlen erschließt sich die historische Bedeutung eines geeinten friedlichen Europas. Der Jakobsweg geizt nicht mit Legenden und Geschichten rund um den Glauben. Und der Glaube selber, er wird von vielen Religionsgemeinschaften am Wegesrand von merkwürdig bis denkwürdig gelebt. Die Welt ist viel besser als ihr Ruf, trotz Corona und dem Negativbild der Medien. Anna erfährt von großer Hilfsbereitschaft und kleinen Gesten und nimmt Teil am Leben auf dem Jakobsweg. Es sind die Menschen, die zählen und den Weg möglich machen. Es braucht nicht viel dazu, etwas Neugierde und Vertrauen. Der Autor vermisst Anna und so geht es zum Schluss - an Erfahrungen und Geschichten reicher - natürlich wieder nach Hause.

Max König ist ein Reisender. Zu Fuß auf dem Jakobsweg, mit dem Esel in den Cevennen oder mit dem Rad in Indien. Am liebsten mit der Freundin. Dann ist es auch egal, ob Berge, Meer, nah oder fern. Es gibt überall etwas zu entdecken.

Einleitung

 

Anna – die Wanderung ist bereits Vergangenheit und lebt nunmehr in diesen Zeilen. Gib die Geschichte weiter, all die Legenden und Beobachtungen dieser kuriosen Pilgerreise nach Santiago de Compostela. Es waren drei eigenartige Monate auf diesem Weg durch ein vom Coronavirus geplagtes Europa. Eine Pilgerreise, die zur berechtigten Frage führt: Wer war eigentlich dieser Heilige Jakob und was hatten seine angeblichen Überreste mit Santiago de Compostela zu tun?

 

Erwähnt man den Jakobsweg, können beim Zuhörer oft zwei Reaktionen beobachtet werden. Die eine Partei bekommt große Augen, kramt tief in ihren Erinnerungen, schaut einen enthusiastisch an und beginnt zu erzählen. Man hat einen Gesprächspartner für den ganzen Abend gefunden. Die andere Partei betrachtet einen nur mitleidig. Sieht im Geiste von Wanzen befallene Betten, mit Mull umwickelte Füße zum Schutz der aufgestochenen Blasen und sich selbst bequem zu Hause sitzend. Kommt dann noch die Coronapandemie hinzu, wird man entweder für lebensmüde oder wagemutig gehalten.

 

Möglich wurde mein Aufbruch mit der Öffnung der Grenzen nach Frankreich und der Aufhebung der deutschen Reisewarnung. Die Krise war damit nicht vorbei, die durch Beachtung der neuen Hygieneregeln gewann man vorläufig einen Teil seiner Freiheit zurück, zwar um den Preis der Spontaneität und mit Einschränkungen, aber das Gespenst geschlossener Grenzen in Europa war abgewendet.

 

Der Jakobsweg bedarf einer Erklärung. Wir begeben uns dabei auf historisch dünnem Eis. Die wenigen Fakten machen das Eis nicht unbedingt sicherer, helfen aber das Phänomen des Pilgerweges zu verstehen. Immerhin sprechen wir von einer Geschichte, die vor fast 2000 Jahren ihren Anfang nahm.

 

Jakobus war der vierte Apostel Jesu, etwas unwirsch in seiner Art und als Menschenfischer wenig erfolgreich in seiner Missionsarbeit. Im Jahre 44 nach Christus wurde der Hitzkopf auf Geheiß von Herodes Agrippa I. geköpft – nichts Unnatürliches in diesen Zeiten. Gottes Zorn ließ nicht lange auf sich warten. Laut der Apostelgeschichte von Lukas wurde Agrippa im gleichen Jahr von himmlischen Mächten gerichtet – oder war es nur der Blinddarm? Mit dem Tod der beiden verlässt die Geschichte eine einigermaßen gesicherte Realität und wird zum Gegenstand zwischen Glaube und Fantasie. Als Märtyrer stand dem Apostel ein ordentliches Begräbnis zu, das ihn und die begleitenden Engel in einem Boot aus weißem Marmor nach Galicien führte. Warum ausgerechnet Spanien? Die Geschichte schweigt sich darüber aus – vielleicht ein Jugendtraum.

 

Das ist erst einmal schwer zu glauben, war aber in dieser Zeit nichts Ungewöhnliches. Hunderte von Jahren vergingen, seine angebliche Grabstätte geriet in Vergessenheit. Nun hat man die Möglichkeit, unter verschiedenen Legenden der Grabfindung zu wählen. In einer eher wissenschaftlichen Erklärung wird dem Eremiten Pelayo der Weg zum Grab durch himmlische Lichtzeichen aufgezeigt. Oder die königliche Variante, in der Karl dem Großen die Milchstraße mit exakter Position des Heiligen und abzuarbeitender To-do-Liste im Traum erschien. Also nach Spanien, Mauren raus, Christentum retten, Jakobus ausgraben und Kirche bauen. Wobei Karl im echten Leben nie in Santiago war und sein einziger Besuch in Pamplona im Jahr 778 mit einem schnellen Rückzug nach einer Niederlage zurück über die Pyrenäen endete.

 

Eine dritte Variante der möglichen Identifizierung datiert auf die Zeit König Alfons II. von Asturien im 8. Jahrhundert. Auf wundersame Weise tauchten Urkunden auf, die zumindest beweisen sollten, dass die Gebeine Jakobs nach Spanien gebracht worden sind. Nach dem Motto: Hier ist der Frachtbrief, eine Kiste Knochen, frei Haus Santiago de Compostela. Nachdem der Papierkram erledigt war, stand der Gründung des neuen Wallfahrtsortes durch Alfons II., kurz vor seinem Tod im Jahre 842, nichts mehr im Wege. Womit die Geschichte des Jakobsweges offiziell begann. Ungeachtet dessen, ob die Knochen Jakobs existieren oder nicht und wer letztlich für die Entdeckung verantwortlich zeichnet, ist Santiago auf einem großen Vielleicht aufgebaut worden. Es gibt keine Antwort auf die Fragen, wie das Grab nach fast 800 Jahren gefunden werden konnte und ob die Grabkammer zweifelsfrei die Reste des toten Heiligen enthält. Legenden verdichten sich ungeachtet aller W