Kapitel 1
November 2019
Conny stand vor einer fremden Haustür und unterdrückte ein Gähnen. Seit einer Weile schlief er schlecht und wirre Träume plagten ihn, die schwanden, sobald er erwachte.
Allison Harrowmore, die Liebe seines verrückten Lebens und Zeitreisende von Geburt an, stand neben ihm und war fit wie ein Turnschuh. Ungeduldig drückte sie die Klingel ein zweites Mal und blickte an der Fassade des hübschen, frei stehenden Einfamilienhauses empor.
»Warum lassen sie uns warten?«, rief Allison verärgert aus und warf das lange schwarze Haar zurück. »Am Telefon klang es dringend. Haben diese Leute nun ein Geisterproblem, oder nicht?«
»Vielleicht sind sie nicht zu Hause oder ihr Spuk hat sie im Keller eingeschlossen?«, fragte Conny hoffnungsvoll. Er sehnte sich zurück in sein Bett. »Ich bin dafür, später noch einmal wiederzukommen.«
In diesem Moment wurde ihnen geöffnet und eine recht junge Frau mit flottem Haarschnitt, der an die späten Zwanzigerjahre erinnerte, stand strahlend vor ihnen.
»Oh, ich bin ja so froh, dass Sie kommen konnten. Ich bin Courtney Cooper und habe nach Ihnen geschickt. Daniel, das ist mein Mann, also er meint, sie werden uns vermutlich nicht helfen können, aber ich finde, Sie müssen es wenigstens versuchen.«
Unbeeindruckt von dem Wortschwall folgten Conny und Allison der Hausherrin in einen quadratischen Flur, von dem aus Mrs Cooper sie direkt in ein frisch renoviertes Wohnzimmer mit breiter Fensterfront führte. Der Geruch von Farbe und neuen Teppichen hing in der Luft. Conny trat bis an die bodentiefe Glasscheibe und blickte in einen winterlichen Garten, dessen Zentrum ein Pavillon bildete.
»Sie sind kürzlich erst in dieses Haus gezogen?«, fragte Conny.
»Nein, ich wohne schon ewig hier.« Courtney Cooper trat neben ihn und strahlte dabei noch immer wie ein Honigkuchenpferd. Die Dame schien eine wahre Frohnatur zu sein. »Mit kleinen Unterbrechungen, wie ich zugeben muss. Dies ist mein Elternhaus. Während des Studiums und meiner ersten Ehejahre mit Daniel lebte ich in Oxford. Doch jetzt haben wir das Haus geerbt und sind gern nach London zurückgekehrt. Es ist noch viel zu tun, aber die Küche und das Wohnzimmer entsprechen bereits unseren Vorstellungen.«
»Ja, sehr hübsch.« Allison betrachtete verzückt die Spur aus Staub und Erde, die ihre klobigen Stiefel auf dem cremefarbenen Teppichboden hinterlassen hatten. Dann wandte sie sich an ihre Gastgeberin. »Mrs Cooper, Sie haben sich an unsere Kanzlei Harrowmore Souls gewandt, was üblicherweise bedeutet, dass Sie ein Problem mit einem Geist, Gespenst, Spuk, oder wie immer Sie es nennen wollen, haben. Darf ich um ein paar Einzelheiten bitten?«
In diesem Moment betrat mit lautem »Hallo« ein hochgewachsener Mann in Jeans und Holzfällerhemd den Raum, küsste Courtney Cooper und schüttelte Connys Hand so heftig, dass dieser die