: Millie Bobby Brown
: Neunzehn Stufen Roman - Der Debütroman »Nineteen Steps« des Netflix-Stars – basierend auf der Geschichte ihrer Familie!
: Blanvalet Verlag
: 9783641316976
: 1
: CHF 2.70
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: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Neunzehn Treppenstufen, die alles verändern können. Die den Unterschied bedeuten zwischen Freiheit und Verlust, Leben und Tod, Liebe und Leid.

London, 1942: Trotz des um sie herum tobenden Kriegs gibt die 18-jährige Nellie Morris alles dafür, um Ruhe und Ordnung in den Alltag ihrer Familie zu bringen. Ihrer Sehnsucht nach einer unbeschwerten Jugend und einem Leben in Freiheit hat sie längst abgeschworen – bis sie den amerikanischen Piloten Ray kennenlernt. Er zeigt ihr, dass es gerade in diesen Zeiten wichtig ist zu träumen und für diese Träume einzustehen. Doch als sich eine schreckliche Tragödie ereignet, droht das Glück des jungen Paares zu zerbrechen. Und auch Nellies Familie gerät in höchste Gefahr …

»Inspiriert von den Erfahrungen meiner Großmutter Ruth, ist dieser Roman unglaublich persönlich für mich und liegt mir deshalb sehr am Herzen. Ich bin mit Ruths Erzählungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aufgewachsen, und es ist mir eine Ehre, ihre Geschichte durch dieses Buch am Leben erhalten zu können.«Millie Bobby Brown

Millie Bobby Brown, geboren 2004, ist Schauspielerin und Produzentin. Ihren großen Durchbruch hatte sie mit ihrer Rolle als Elfi im Netflix-Serienhit »Stranger Things« sowie mit ihrer Rolle als Enola Holmes im gleichnamigen Film-Franchise. 2018 wurde Millie Bobby Brown zur jüngsten Sonderbotschafterin der UNICEF ernannt und vom »TIME Magazine« zu einer der 100 einflussreichsten Personen gekürt.
»Neunzehn Stufen« ist Millie Bobby Browns erster Roman und eine Liebeserklärung an die unglaubliche Stärke ihrer Großmutter Ruth, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs aufgewachsen ist.

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Es war ein heller, klarer Samstagnachmittag Ende September, einer dieser strahlend schönen Spätsommertage. Hinter Nellie lag eine arbeitsreiche Woche im Rathaus, wo sie eine Stelle im Büro der Bürgermeisterin hatte. Heute sehnte sie sich nach ein wenig Normalität, einem winzigen Vorgeschmack darauf, wie das Leben vor dem Krieg gewesen war – vor den Luftangriffen, den Rationierungen und dem nie abreißenden Strom schlechter Nachrichten aus dem Radio. Sie wollte mit ihrer kleinen Schwester Flo im Park picknicken. Der Tag war wie gemacht dafür, auch wenn es fast schon wieder zu heiß war, sodass man sich insgeheim den Herbst herbeisehnte, nur um sich gleich im nächsten Moment zu tadeln, das schöne Wetter mit solch undankbaren Gedanken womöglich in die Flucht zu schlagen. Regen und Kälte kämen noch früh genug, gefolgt von den kurzen Wintertagen, wo sie vor Sonnenaufgang zur Arbeit aufbrechen und abends durch verdunkelte Straßen zurücklaufen würde und jeder Schritt trügerisch war.

»Komm jetzt, Flo. Je eher wir im Park sind, desto mehr Zeit bleibt uns für unser Picknick«, sagte sie und zog ihre Schwester an der Hand.

Sie nahmen die vertrauten Wege durch Bethnal Green, wo sie geboren und aufgewachsen war, vorbei an den Ladenzeilen mit ihren kriegsbedingt mageren Auslagen. Gebrauchte Kleider, Hammel und Kaninchen beim Metzger (sie wusste nicht mehr, wann sie zuletzt Rindfleisch auf dem Teller gehabt hatte), eine Schlange beim Gemüsehändler, der frische Äpfel aus den Obstgärten von Kent im Angebot hatte. An der Ecke ragte die Seitenwand eines zerbombten Hauses auf, ein Vorhang flatterte einsam am Fenster. Sie wandte den Blick ab von den Trümmern, den ausgehöhlten Fassaden, wo einst Häuser gestanden hatten – Häuser wie ihr eigenes –, in denen Menschen gewohnt hatten, die, wenn nicht gar ihr Leben, so doch ihr Zuhause verloren hatten. Aber daran wollte sie jetzt nicht denken und sich die gute Laune wieder verderben lassen.

»Wann bauen sie das wieder auf? Wann können die Leute in ihr Haus zurück?«, wollte Flo wissen und blickte an der Ruine hinauf.

»Wenn der Krieg vorbei ist, nehme ich an.« Nellie seufzte und rückte den Korb an ihrem Arm zurecht. Die Leute, die dort gelebt hatten, würden wahrscheinlich nie mehr zurückkehren. Das Haus hatte einen Volltreffer abbekommen, und wenn seine Bewohner sich nicht rechtzeitig in Sicherheit hatten bringen können, waren sie bei dem Angriff vermutlich umgekommen.

»Und wenn der Krieg einfach immer weitergeht?«

In letzter Zeit war oft von einer Bombardierung Münchens die Rede gewesen, und allein bei der Vorstellung bekam Nellie Bauchschmerzen. Jedes Mal, wenn die Briten erfolgreich eine deutsche Stadt bombardiert hatten, ließ der Vergeltungsschlag nicht lange auf sich warten. Und das bedeutete in der Regel, dass es London treffen würde und auch das Londoner East End einmal mehr unter Beschuss käme.

Ihre kleine Schwester konnte sich mit ihren sieben Jahren kaum an eine Zeit vor dem Krieg erinnern, und es gab keine Anzeichen für ein baldiges Ende. Und so, wie der Krieg Flo um eine unbeschwerte Kindheit brachte, hatte er Nellie ihrer Jugend beraubt mit all ihren Freuden und Vergnügungen. Wobei es mittlerweile nicht mehr so schlimm war wie noch am Anfang, als die Docks und die Lagerhäuser angegriffen worden waren, oder während desBlitz, als Hitler seine Bomber über bebaute Gebiete geschickt hatte, um die Moral der britischen Bevölkerung zu untergraben. Das war ihm aber nicht gelungen. Sie waren immer noch hier, ihr Kampfgeist war ungebrochen und an Kapitulation nicht zu denken.Wir werden uns niemals ergeben, hatte Churchill in seiner Rede zu Beginn des Krieges gesagt. Bei dem Gedanken an die Worte des Premiers schob Nellie entschlossen das Kinn vor.

»Es wird nicht immer so weitergehen, versprochen. Schau, wir sind fast da!«, versuchte Nellie ihre Schwester ein wenig aufzumuntern, als sie die Brücke über den Regent’s Canal überquert hatten und die beiden Hundestatuen passierten, die den Eingang zum Park bew