»Das Verführerische der kausalen Betrachtungsweise ist, dass sie einen dazu führt, zu sagen: ›Natürlich, – so musste es geschehen.‹ Während man denken sollte: so und auf viele andere Weise, kann es geschehen sein.«
(Wittgenstein 1984, S. 501)
Wissenschaftliches Denken geht mit möglichst präzisen Definitionen zu Werke, es ist also um begriffliche Grenzziehung (lat.definire) bemüht. Entgrenzungen hingegen drohen, die gewonnene Präzision infrage zu stellen und die Begriffe selbst aufzuweichen. Mit »Entgrenzung« kommt ein Begriff ins Spiel, der paradoxerweise alle die Erscheinungen einzugrenzen versucht, welche sich der gewohnten Grenzziehung zu entziehen scheinen. Versucht man, diesem Wechselspiel zwischen Grenzziehung und Entgrenzung im Denken nachzuspüren, so kommt man an sprachphilosophischen und erkenntnistheoretischen Reflexionen nicht vorbei. Solche Reflexionen standen im Zentrum des »linguistic turn« der Bildungs- und Sozialforschung, dem die Vorstellung zugrunde lag, dass z. B. die pädagogischen Sachverhalte, mit denen sich die Erziehungswissenschaften befassen, »sprachlich konstruiert« (Tröhler u. Fox 2019, S. 1) seie