: Jana Schikorra
: Das Böse auf der Haut
: dp Verlag
: 9783987785832
: 2
: CHF 5.40
:
: Erzählende Literatur
: German

Der„Goethe- iller“ hält Berlin mit grausam zugerichteten Leichen in Atem…
Ein fesselnder Kriminalthriller voller unerwarteter Wendungen

Berlin wird von einer grausamen Mordserie erschüttert, bei der die Opfer brutal mit düsteren Versen versehen werden. Auf dem Rücken der Leiche einer jungen Frau, verkündet der Mörder die Erlösung durch den Kuss der Muse. Kurz darauf wird eine weitere Leiche gefunden, deren eingeritzte Worte an die des vorherigen Opfers anknüpfen. Leitender Ermittler Josef Winter steht vor einem Rätsel, denn die Zeilen lassen sich keinem bekannten Dichter zuordnen. Doch je tiefer Winter in die mysteriösen Botschaften eintaucht, desto näher kommt er dem Täter und dem erschreckenden Geheimnis, das hinter den Morden steckt. Gleichzeitig stößt Literaturprofessorin Rika auf Hinweise, die sie dem Mörder womöglich näherbringen, als sie selbst ahnt. Winter findet sich in einem Wettlauf gegen die Zeit mit einem skrupellosen Serienmörder wieder und auch Rika wird bewusst, dass sie bereits eine Spielfigur auf dem Schachbrett des Täters geworden ist…

Dies ist eineüberarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Musentod

Erste Leser:innenstimmen
„grausam, fesselnd und kaum beiseite zu legen…“
„Auch als regelmäßiger Thriller-Leser habe ich mit diesen Wendungen nicht gerechnet!“
„Der Krimi hat mich ganz schön in Atem gehalten– spannend bis zur letzten Seite.“
„Mich hat schon die Idee eines literaturbegeisterten Serienmördersüberze gt, aber auch die Umsetzung ist perfekt gelungen.“



Noch bevor sie lesen und schreiben konnte, entdeckte Jana Schikorra ihre Liebe zum Geschichtenerzählen. Kaum hatte sie aber gelernt, einen Stift in der Hand zu halten und Worte zu Papier zu bringen, geriet der Bestand an Notizbüchern weltweit in ernsthafte Gefahr. Seitdem entstanden zahlreiche Kurzgeschichten, Gedichte und Romane, die nun darauf warten, in die Welt entlassen zu werden.

Kapitel 5


Montag, 23. September, 08:32 Uhr

Josef seufzte.

Sein unrasiertes, spitzes Gesicht, das sich schemenhaft im Lichtausschnitt der Tür spiegelte, war ein perfektes Abbild seines Innenlebens.

Er hatte drei Stunden geschlafen, so viel Kaffee getrunken, dass sein Herz albern herumstolperte, und zu allem Überfluss eine Schachtel Zigaretten aus den Untiefen seiner Schreibtischschublade befreit.

Seine Laune war auf dem Tiefpunkt – und das sah man ihm an.

Als Josef ins Besprechungszimmer trat, erstarben die Gespräche seiner Kollegen auf der Stelle.

Er konnte es ihnen nicht verübeln. Vermutlich würden ihm ebenfalls die Worte im Halse stecken bleiben, überlegte er, wenn er sich selbst gegenüberstünde.

„Wir haben ein Problem“, sagte er anstelle einer Begrüßung, „ich denke, das dürfte uns allen klar sein.“

Die Vernehmung des Zeugen, der den Fund der am Goethe-Denkmal abgelegten Leiche gemeldet hatte, war nicht mehr als eine reine Formsache gewesen und hatte sie keinen Schritt weitergebracht. Der Teenager war von seiner Entdeckung sichtbar schockiert gewesen. Mit großen Augen hatte er berichtet, auf dem Weg zu einem Kumpel an der Leiche vorbeigegangen zu sein und sofort einen Notruf abgesetzt zu haben. Er hatte niemanden gesehen, nichts Auffälliges beobachten können und kam darüber hinaus auch als Täter nicht infrage: Sein Alibi war vollkommen wasserdicht.

Das Nichtvorhandensein eines Tatverdächtigen allerdings wurde von den jüngsten Ereignissen noch übertroffen: Eine zweite Leiche war in der vergangenen Nacht unweit des stillgelegten S-Bahnhofes Zehlendorf Süd von einem alten Ehepaar gefunden worden. Auch diesem Opfer, einer jungen Frau, waren nach ihrer Ermordung grauenhafte Verse in die Haut geritzt worden:

Mein Wortgewand ziert deine Mitte

Zäh und kalt dein totes Blut

Ach, wenn ich doch zu Grabe ritte

durch der verbrannten Träume helle Glut

Ebenso wie die Zeilen auf dem Rücken des ersten Opfers ließen sich auch diese keinem Urheber zuordnen. Alles, was sie bisher hatten herausfinden können, bezog sich auf die Todesursache; der Täter hatte die Frau vergiftet, anstatt ihr eine tödliche Wunde zuzufügen. Zwar hatte er ihr am Hals einen etwa acht Zentimeter langen Schnitt beigebracht, doch war dieser bei Weitem nicht tief genug gewesen, um den Exitus herbeizuführen.

„Toxikose durch eine Überdosis Paracetamol“, hatte Tina ihm im Anschluss an die Obduktion mitgeteilt. Der Tod sei sehr langsam eingetreten – ähnlich wie bei dem ersten Opfer habe der Täter den Prozess des Sterbens also bewusst hinausgezögert.

Josef warf die Zeitung mit der aufdringlichen Schlagzeile auf den Tisch. Wütend tippte er mit dem Zeigefinger auf die riesigen Lettern, die den NamenGoethe-Killer bildeten.

„Ich korrigiere mich: Wir haben nicht nur ein Problem, sondern ziemlich viele.Das hier ist eins davon“, sagte er überflüssigerweise, denn jeder Anwesende wusste, was es bedeutete, im Fokus der Öffentlichkeit zu ermitteln.

Entweder hörten die Presseleute den Polizeifunk ab, oder jemand aus den eigenen Reihen versorgte sie gegen ein kleines Taschengeld regelmäßig mit Informationen.

Er war es gewohnt, an Tatorten auf Fotografen zu treffen und kurze Zeit später die ersten Berichte in der Zeitung oder auf Online-Plattformen zu sehen. Vor allem die Boulevardblätter nahmen Verbrechen oft zum Anlass für eine reißerische Berichterstattung, bei der die Polizei nicht immer in einem guten Licht dastand.

Dass nun aber ungefragt wichtige Informationen zur Vorgehensweise des Mörders und die Identität der Opfer publiziert worden waren, machte Josef rasend.

Fehlt nur noch, dass sie die Botschaften dieses Irren zitieren.

Es war wichtig, bestimmte Details eines Mordes zurückzuhalten, um den Verlauf der Ermittlungen nicht zu gefährden. Das Wissen um das Markenzeichen des Mörders, konnte zu falschen Zeugenaussagen und im schlimmsten Fall sogar zu Nachahmungstaten führen.

„Aber auch abgesehen von dem Mist, den die Presse verzapft hat, sieht es verdammt düster aus“, fuhr Josef fort.

Die ersten 48 Stunden nach einer Tat waren entscheidend.

Je mehr Zeit verstrich, desto verschwommener wurden die Erinnerungen der Zeugen und desto mehr wuchs die Gef