„Guten Morgen, mein Spatz, ich hoffe, du hast gut geschlafen, keine Albträume gehabt, deinen Schulrucksack fertig gepackt und frische Unterwäsche angezogen“, sagte Nina Klirrbach.
Emma, die tief in Gedanken versunken auf der Toilette saß und gerade ein etwas umfangreicheres Geschäft verrichtete, zuckte vor Schreck zusammen. – Sie hatte doch wohl hoffentlich nicht vergessen, die Tür abzuschließen!
„Mann ey, Mam!“, brüllte sie, während sie hektisch Papier von der Rolle wickelte. „Ich sitze auf dem Klo!“
Und putze mir gerade den Hintern ab, fügte sie im Stillen hinzu.
Da konnte sie sogar noch von Glück reden, dass sie esnur mit ihrer Mutter und nicht mit ihrem drei Jahre älteren Bruder Noah zu tun hatte! Der steckte seine Nase nämlich nur zu gerne in ihre Angelegenheiten.
Emma sprang auf, zog ihre Pyjamahose hoch und betätigte die Spültaste. „Hast du gehört, Mam?“
„Das Toilettenpapier befindet sich in der untersten Schublade auf der linken Seite, die Handtücher liegen farblich sortiert von Dunkelblau unten bis Senfgelb oben im Regal, und das Vorratskörbchen neben dem Spiegelschrank habe ich um eine Tube Pfefferminz-Zahnpasta, eine Packung Heftpflaster und ein Stück Seife aufgestockt“, gab ihre Mutter in einem ihrer berühmt-berüchtigten Monstersätze zurück.
Ihre Stimme klang allerdings ein wenig eintöniger und dumpfer als sonst.
„Die Klopapierrolle ist noch gar nicht alle“, brummte Emma.
Außerdem wusste sie, wo sie Nachschub fand. Das musste ihre Mutter ihr nun wirklich nicht mehr erklären. Schon gar nicht montags früh um kurz nach halb sieben, wo sich der Großteil der Familie noch im Halbschlaf befand.
Und überhaupt: In diesem Haus hatte es noch nie nach Farben einsortierte Handtücher gegeben! Auch heute nicht, wie Emma mit einem kurzen Blick ins Regal feststellte. Dort herrschte das gewohnte fröhlich-bunte Durcheinander.
„Mam, was soll denn der Quatsch?“, murmelte Emma.
Sie drückte die Klinke hinunter und stellte fest, dass abgeschlossen war. – Sehr gut!
Emma drehte den Schlüssel herum und wollte gerade die Tür aufstoßen, als Nina Klirrbach eine weitere Ansage machte:
„Der Föhn hängt am Haken neben dem Waschbecken. Bitte benutze ihn niemals unter der Dusche.“
Natürlich nicht! Emma schüttelte den Kopf. Wer war denn so bescheuert und versuchte, sich die Haare zu trocknen, während er sie gleichzeitig mit Wasser berieseln ließ? Sie jedenfalls nicht