: Mathias Meyer-Langenhoff
: Reise zu zweit Roman
: Herzsprung-Verlag
: 9783960747178
: 1
: CHF 8.00
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 174
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Peter Völkers, Deutschlehrer aus Leidenschaft, kämpft über Jahre einen einsamen Kampf für Bildung und Emanzipation an seinem Gymnasium. Doch nach und nach schwindet seine Zuversicht, die Schule verändern zu können. Sarkasmus und Abneigung gegenüber der heutigen Schülergeneration bestimmen zunehmend sein Denken und er zieht sich in die innere Immigration zurück. Wohl fühlt er sich bei guter Literatur und nicht geringen Mengen Rotwein nur in seinem Garten. Als er eines Tages einen neuen Schüler in seinem Deutschkurs aufnehmen muss, ändert sich sein Leben jedoch radikal. Unfreiwillig begleitet Völkers ihn auf eine Reise nach Süddeutschland. Dabei gerät sein Weltbild gehörig ins Wanken.

Mathias Meyer-Langenhoff, wurde 1958 im westfälischen Dingden geboren. Nach seiner Zivildienstzeit in der Altenpflege studierte er in Bonn und Münster Diplompädagogik und war danach in verschiedenen pädagogischen Berufen tätig. Seit 1993 arbeitet er als Lehrer für Pädagogik und Psychologie an einer Berufsschule. Er ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Mit seiner Familie lebt er in Nordhorn nahe der niederländischen Grenze.

*

Kapitel 1


Es war ein trüber Morgen und die Uhr im Lehrerzimmer zeigte das nahe Ende der Pause an.

„Bin ich wirklich schon vierzig Jahre in diesem Job?“, sinnierte Peter Völkers und nahm sich vor, endlich den Antrag bei der Landesschulbehörde zur Errechnung seiner Pensionsbezüge zu stellen. Ihm fiel es zunehmend schwerer, morgens aufzustehen und sich in die Schule zu quälen. Das nervtötende Rasseln der alten Pausenglocke riss den Studienrat aus seinen Gedanken. Als sie verstummte und sich stattdessen prompt sein Tinnitus zurückmeldete, stand er ärgerlich auf, räumte die leere Kaffeetasse in die Spülmaschine und machte sich auf den Weg in seine Klasse.

Er kam nicht weit.

„Guten Morgen, Kollege!“ Die Tür zum Lehrerzimmer wurde schwungvoll aufgestoßen. Walter Holzmann, sein Schulleiter, stand mitten im Raum und wedelte mit einem Umschlag. Völkers zuckte zusammen. Wenn Holzmann selbst das Lehrerzimmer betrat und ihn nicht in sein Büro bestellte, musste etwas Besonderes sein.

„Herr Völkers, ich habe hier ein Schreiben für Sie, kommen Sie doch bitte in der nächsten Pause zu mir.“

„Was will dieser alte Karrierist von mir?“, ärgerte sich Völkers. Holzmann und er hatten zusammen studiert und gemeinsam an der Schule ihr Referendariat absolviert. Während Holzmann die Karriereleiter hinaufgeklettert war, hatte Völkers sich immer verweigert. Er wollte unterrichten, nicht verwalten, so sah er es jedenfalls.

Seine Ex-Frau war anderer Ansicht. „Peter, du machst einfach nichts aus dir. Warum bemühst du dich nicht um eine Beförderung? Dann kannst du selbst mehr Einfluss nehmen“, hatte sie ihm immer wieder entgegengehalten, wenn er über Holzmann schimpfte. Manchmal nannte sie ihn sogar einen Feigling, der sich einfach nicht traute, sich einem Bewerbungsverfahren zu stellen.

„Ich habe keine Angst, ich will einfach nicht. Was hat Holzmann denn aus der Schule gemacht?“, hatte er dann geschrien. „Schule ist doch längst zu einer schlecht laufenden Bildungsfabrik geworden. Mit Pädagogik hat das alles nichts mehr zu tun, Holzmann hat die Schule einfach verraten!“ Walter Holzmann und Peter Völkers waren seit ewigen Zeiten befreundet, doch mit den Worten „Von jetzt an werde ich dich wieder siezen“, hatte Völkers ihm vor einigen Jahren die Freundschaft gekündigt.

Nun nahm er das Schreiben entgegen, ein weißer Umschlag, offenbar von der Landesschulbehörde. Ob Holzmann es doch geschafft hatte, ihn loszuwerden? In Gegenwart seines Chefs wollte er den Brief aber lieber nicht öffnen und steckte ihn in seine Schultasche.

„Werde kommen!“, presste er hervor.

Die 10b wartete, eine Klasse, die er leidenschaftlich ablehnte, ja beinahe hasste. Pädagogisch zwar kein sehr korrektes Gefühl, aber ihm tat es gut. Er genoss seinen Hass sogar – und genoss es, ihn zu genießen. Sicher hatte der Brief damit zu tun, denn es gab i