: Sandra Pfändler
: Dunkle Wolken über Südtirol -Lux
: Herzsprung-Verlag
: 9783960747024
: Dunkle Wolken über Südtirol
: 1
: CHF 8.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 310
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Kaum haben sich die dunklen Wolken am Familienhimmel der Moroders verzogen, braut sich das nächste Unwetter zusammen. Denn Loris will, was seine Geschwister Lisa und Lukas längst haben: ein eigenes Leben, eine eigene Vision. Auf dem steinigen Weg zum Ziel begegnet er Andrea Tintori. In ihm glaubt er, den Kumpel aus längst vergangenen Tagen zu erkennen, doch die Realität belehrt ihn eines Besseren. Unerwartet findet er sich im Netz der sizilianischen Mafia wieder. Aber Loris wäre kein Moroder, wenn er sich seiner ausweglosen Situation nicht mit ungebrochener Sturheit stellen würde. Wie weit ist er bereit zu gehen, um sich seinen Traum zu erfüllen? 'Mit dem dritten Band setzt die Autorin ihrer Südtirol-Reihe die Krone auf. Einmal mehr entführt uns ihr unverkennbarer Schreibstil in das Land der charmanten Gegensätze, begleitet von wortgewaltigen Kulissen, atemberaubender Spannung und gefühlsstarken Begegnungen. Ein weiterer außergewöhnlicher Roman aus ihrer Feder.' Nina Gräub

Sandra Pfändler, 1972 geboren, wächst in einem malerischen Städtchen am Schweizer Ufer des Rheins auf. Bereits in der Primarschule überzeugt sie mit einem außerordentlichen Schreibtalent. Sie ist fasziniert vom Spiel mit den Buchstaben und malt mit bunten Worten Erzählungen, die begeistern. Ihre Erstausbildung absolviert sie in einem Verlag, entscheidet sich anschließend aber für eine berufliche Karriere fernab ihrer geliebten Bücher.

*

1


„Es ist okay, ich habe keine Angst, führe mich in die Geheimnisse deiner Leidenschaft ein.“ Einem Kätzchen gleich schmiegte sie sich an ihn, die Arme um seinen durchtrainierten Oberkörper geschlungen. Ihre Hände schwebten über seinen Rücken, die Daumen streichelten seine nackte Haut. Ihr Kopf ruhte knapp unter seiner Brust, mit geschlossenen Augen lauschte sie dem verlangenden Pochen seines Herzens.

„Bist du sicher?“ Sorgsam legte er einen Arm um ihre Schultern, der andere blieb schüchtern an seiner Seite, als brächte die Hand nicht den Mut auf, die Stellen an ihrem Körper zu berühren, nach denen sie sich schon sehr lange sehnte.

Endlose Minuten verstrichen, unruhiger Atem bohrte sich durch die knisternde Stille.

Sarina hielt die Spannung nicht länger aus. „Ja“, hauchte sie und nickte. Damit verlieh sie der Bedeutung dieses einen Wortes mehr Gewicht.

Benitos Arm bewegte sich, erst zaghaft, dann mutiger, bis er sich fordernd seinem Ziel näherte. In leidenschaftlicher Zärtlichkeit fuhr seine Hand durch ihr Haar. Die Berührung glich dem Tanz Tausender Elfen auf ihrem Kopf und löste ein sanftes Prickeln in ihrem Nacken aus.

„Sehr sicher“, flüsterte sie.

Sofort reagierte sein Körper auf sie. Es schien, als hätte er darauf gewartet, dass sie ihm die Gewissheit gab, keinen Fehler zu machen.

„Und was ist mit Corvo?“

„Lass den meine Sorge sein“, murmelte sie. Bestimmter fuhr sie fort: „Er wird es nie erfahren. Und wenn doch, stehe ich mit meinem Leben dafür ein, dass dir nichts geschieht.“ Sachte löste sie sich aus seiner Umarmung und blickte lächelnd zu ihm hoch. Sie legte eine Hand an seine Wange, ihre Augen verloren sich in den seinen, diesen ungewöhnlich dunklen Edelsteinen, die stolz in ihren Höhlen ruhten. Die widerspenstigen Locken seiner schwarzen, schulterlangen Mähne sprangen abenteuerlustig um das ebenmäßige Gesicht mit der sonnenverwöhnten Haut und dem stoppeligen Bart.

„Meinst du, du bringst den Polizisten dazu, wegzuhören?“

„Warum?“ Irritiert erwiderte er ihren flehenden Blick.

„Weil ich dir versprechen möchte, dass ich Corvo eigenhändig erschieße, wenn er auch nur daran denkt, dir ein Haar zu krümmen.“

Sichtlich überwältigt liebkosten seine Finger ihre Stirn, die Nase, zuletzt ihre sinnlichen Lippen, auf denen sie sich zärtlich niederließen.

„Ich fürchte, dafür ist es zu spät. Der Bulle hat alles mitgehört“, raunte er, grinste verschwörerisch, nahm ihr Gesicht in beide Hände und legte sanft seine Lippen auf ihre.

Sarina schloss die Augen, atmete schwer und erwartete, dass die Spitze seiner Zunge verlangend ihre Haut berührte, doch nichts geschah. Verunsichert blinzelte sie, dabei schwebten ihre Wimpern wie Schmetterlingsflügel vor ihrem Gesicht.

Benito presste die Lippen aufeinander, seine großen, schwarzen Pupillen blitzten. „Ich glaube, der Depp hat eh nichts verstanden“, meinte er nach qualvollen Sekunden und lachte, bevor er sie endlich innig küsste.

Er beherrschte die Kunst des Liebens wie ihr Schöpfer. Der Zauber der Ars Amandi hatte sich bislang komplett vor ihr verborgen, kaum jemand