Ferdinands Geschichte
Archibald Fuchs war ziemlich in Verlegenheit geraten: Da wusste nun einmal jemand genau, was er suchte, und er selbst war nicht in der Lage, seinen Kunden zufriedenzustellen! Wie hatte er übersehen können, dassErinnerungen aus Unter-Erde in seinen Regalen gestanden hatte?
»Es tut mir leid, Ferdinand … Ich habe in meiner Aufgabe als Waldbuchhändler versagt, als ich vergessen habe, den Käufer zu notieren«, entschuldigte sich der Fuchs verdattert.
»Uuuuhuuuu, wie soll ich es denn jetzt schaffen, mein Freund? Wie?«
Erschüttert hatte der Maulwurf ein zweites kariertes Taschentuch in der Größe einer Decke aus seiner Tasche gezogen und schnäuzte sich nun kräftig mit lauten Trompetengeräuschen: Tüüü! Tüüü! Jedes Mal, wenn er in den Stoff prustete, klingelten die kleinen Figürchen, die in manchen Regalen standen, wie Glöckchen und drohten auf dem Boden zu zerschellen. Archibald war auf der Hut und bereit, wenn nötig alles aufzufangen. Während Ferdinand immer noch weinte und weinte, löste er die Knoten der Bänder, mit denen die halbe Walnussschale auf seinem Rücken befestigt war. In ihr verstaute er die Bücher, wenn er welche kaufte, aber auch eine ganze Menge anderen Kram. Bisweilen war es daher nicht angenehm, wenn man seine Nase oder Schnauze in die Nähe der Walnussschale brachte – vor allem, wenn Ferdinand sein Butterbrot darin für ein paar Tage vergaß oder das Glas mit den Pflaumen nicht richtig verschloss … Diesmal zog er einen vergilbten Umschlag daraus hervor, und einen kleinen Zettel. Und, zum dankbaren Apfel aber auch!, nichts von dem, was er hervorzog, roch oder klebte vom vergorenen Pflaumensaft!
»Mein liebster Freund, ich muss Ihnen etwas gestehen, etwas sehr Wichtiges. Aber ich habe Angst vor Ihrer Reaktion …«
»Aber Ferdinand, Sie wissen doch, dass Sie mir alles sagen können. Ich werde Sie nie verurteilen«, antwortete Archibald und ergriff Ferdinands Pfote.
»Also gut, mein Freund, schauen Sie, mir ist kürzlich bewusst geworden, dass bei mir irgendetwas nicht stimmte … Mir ist bewusst geworden, dass … mir ist bewusst geworden …«
Er verstummte, sah wie weggetreten aus.
»Ferdinand?«
»Ja, Herr Fuchs?«
»›Mir ist bewusst geworden, dass …‹ Und wie weiter?«, fragte Archibald.
»Das weiß ich nicht, Herr Fuchs, mein Freund, was ist Ihnen denn bewusst geworden?«, wollte der Maulwurf wissen.
»Doch nicht mir, Ferdinand, sondern Ihnen!«, entgegnete Archibald etwas gereizt.
»Mir? Ach ja? Ich …«
Da sah er den Zettel, den er noch in seiner Pfote hielt.
»Ach ja! Mir ist bewusst geworden, dass bei mir irgendetwas nicht stimmte … Mir ist bewusst geworden, dass …«
»Dass …?«
Die Augen des Fuchses wurden größer.
»Dass ich mein Gedächtnis verliere, mein Freund! Es ist wie ein Schweizer Käse, eine Schaumkelle, ein richtiges Sieb! Das ist jetzt sicher ein Schock für Sie, aber ich leide an wiederkehrenden Gedächtnislücken&n