Kapitel eins
Nachdem ich fünfmal hintereinander auf den Hintern gefallen war, kam ich zu dem Schluss, dass es genug war.
Zumindest für heute.
Morgen konnten meine Pobacken zwei weitere Stunden voller Stürze ertragen. Wahrscheinlich würden sie das auch müssen, sofern ich nicht herausfand, was ich verdammt noch mal falsch machte. Dies war der zweite Tag in Folge, an dem es mir nicht gelungen war, nach dem Sprung eine saubere Landung hinzulegen.
Frustriert hockte ich auf dem Eis und schaffte es gerade so, nicht laut zu fluchen. Ich neigte den Kopf zurück und starrte mürrisch an die Decke. Ein Fehler. Ich wusste ja, was von der kuppelartigen Decke der Eissporthalle hing. Größtenteils war es das Gleiche, was ich die letzten dreizehn Jahre über gesehen hatte.
Banner.
Banner, die von den Dachsparren hingen.
Banner, auf denen immer derselbe idiotische Name stand.
IVAN LUKOV. IVAN LUKOV. IVAN LUKOV.
Und noch mehr IVAN LUKOV.
Neben seinem Namen gab es noch andere – die der unglücklichen Frauen, mit denen er sich im Laufe der Jahre zusammengeschlossen hatte –, aber seiner war derjenige, der sich mir einbrannte. Nicht weil er den gleichen Nachnamen hatte wie meine allerbeste Freundin, sondern weil mich sein Vorname an Satan erinnerte. Ich war mir ziemlich sicher, dass ihn seine Eltern direkt aus der Hölle adoptiert hatten.
Doch gerade ging es nur um diese Wandteppiche da oben.
Fünf unterschiedliche blaue Banner kündeten von jeweils einer gewonnenen Landesmeisterschaft. Zwei rote Banner standen für jede Weltmeisterschaft. Zwei buttergelbe Banner für jede Goldmedaille. Ein silbernes Banner erinnerte an die Silbermedaille, die er bei einer Weltmeisterschaft errungen hatte und die sich nun in einer Pokalvitrine im Eingangsbereich der Eishalle befand.
Oh Mann. Streber. Arsch. Satan.
Zum Glück gab es nicht für jeden Pokal oder jeden Wettkampf, den er im Laufe der Jahre außerdem noch gewonnen hatte, ein beschissenes Banner. Ansonsten wäre die gesamte Decke damit zugepflastert gewesen.
All diese Banner … und keins trug meinen Namen. Kein einziges. Egal wie sehr ich es versucht hatte, wie hart ich trainiert hatte, nichts. Denn niemand erinnerte sich jemals an einen zweiten Platz, es sei denn, Ivan Lukov hatte ihn belegt. Und ich war nicht Ivan Lukov.
Eifersucht bohrte sich direkt durch mein Brustbein, und ich hasste das Gefühl. Ichhasste es, verdammt noch mal. Sich Gedanken um das zu machen, was andere Leute taten, war Zeit- und Energieverschwendung. Das hatte ich bereits als Kind gelernt, denn damals hatten andere Mädchen hübschere Kostüme und neuere Schlittschuhe als ich gehabt. Eifersüchtig und verbittert waren nur Leute, die nichts Besseres zu tun hatten. Das wusste ich. Im Leben erreichte man nicht das Geringste, indem man sich mit anderen verglich. Auch das wusste ich.
Und ich wollte nicht so sein. Vor allem nicht wegen dieses Idioten. Lieber würde ich diese drei Sekunden Eifersucht mit ins Grab nehmen, bevor ich je irgendjemandem gegenüber zugab, was diese Banner in mir auslösten.
Ich schob mich auf die Knie, damit ich nicht länger diese dämlichen Stofffetzen anstarren musste.
Ich schlug die Hände aufs Eis und schob ächzend meine Füße unter meinen Körper – auf Schlittschuhen das Gleichgewicht zu halten war mir in Fleisch und Blut übergegangen – und rappelte mich auf.Schon wieder. Zum fünften verdammten Mal in weniger als fünfzehn Minuten. Meine rechte Hüfte, meine Pobacke und mein Oberschenkel schmerzten, und morgen würde der Schmerz nur noch schlimmer sein.
»Verdammter Mist«, murmelte ich in mich hinein, damit die jüngeren Mädchen, die um mi