Als Elisabeth Sarner den kleinen Dorfladen betrat, verstummte für einen Augenblick die lebhafte Unterhaltung der Frauen, dann aber wandten sie sich ihr zu und sprachen auf sie ein.
»Hast du schon von dem Unglück gehört, Elisabeth? So was Furchtbares!«
»Und dass sie sich net hat retten können!«
»Ich bin eben erst ins Dorf gekommen und hab noch niemanden getroffen. Erzählt doch der Reih nach«, forderte Elisabeth die aufgeregten Frauen auf.
Lioba Lehnhofer, die Frau des Bürgermeisters, hielt es für ihr gutes Recht, das Wort zu ergreifen.
»Das Haus, oder besser gesagt, die Hütte von der alten Egnerin ist heut Nacht abgebrannt.«
»Jesses!« Elisabeth bekreuzigte sich unwillkürlich.
»Aber das ist noch net das Schlimmste. Die alte Egnerin ist net rechtzeitig …« Lioba verstummte, denn Elisabeth Sarner war erbleicht und schien zu schwanken.
»Und die Luzia? Ist die am Leben?«, fragte sie mit schwacher Stimme.
»Anscheinend! Man hat nur die Egnerin gefunden. Grauslich soll’s …«
»Man muss doch nach dem Madl schauen. Sie kann verletzt sein«, unterbrach Elisabeth Liobas Redeschwall.
»Die kommt schon wieder. Es ist ja net das erste Mal, dass sie sich tagelang in den Wäldern herumtreibt.«
Eine scharfe Antwort lag auf Elisabeths Zunge, doch sie unterdrückte sie, es war sinnlos, in Menschen wie Lioba Mitgefühl erwecken zu wollen. Wie viele der traditionsbewussten, bodenständigen Gebirgler grenzte sie alle aus, die sich nicht anpassten oder sich aus irgendwelchen Gründen nicht in die Dorfgemeinschaft einfügen ließen.
»Weiß man schon, wie der Brand entstanden ist?«, fragte sie nur.
»Angeblich konnte man nichts feststellen. Die Egnerin war schon was wunderlich, vielleicht hat sie net recht aufgepasst. Da hat sich das schnell!«
Niemand im Dorf hatte Marie Egner sonderlich gemocht. Manche nannten sie sogar eine bösartige alte Hexe, die ihre Enkelin so schlecht behandelte, dass sie immer wieder davonlief und sich so lange versteckte, bis der Hunger sie nach Hause trieb.
»Das erinnert mich irgendwie an den Brand beim Lehrer Hirrlinger. Da ist