3 | Modelle zur Medienkompetenz und zu digitalen Kompetenzen |
In diesem Kapitel werden die Kompetenzmodelle vorgestellt, die grundlegend für die Entwicklung des hier vorgestellten Medienkompetenzmodells Blended Counseling waren: die Dimensionen der Medienkompetenz nach Groeben (2002), die Kompetenzbereiche für Menschen in digitalen Gesellschaften nach Hartmann und Hundertpfund (2015) sowie der europäische „Digitale Kompetenzrahmen für Bürger*innen“ DigComp (Vuorikari, Kluzer& Punie, 2022). Abschließend werden die Qualitätsstandards Onlineinterventionen der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP, 2017) betrachtet.
Der Begriff der Medienkompetenz wird in unterschiedlichen Disziplinen verwendet und daher als theoretisches Konstrukt auch in verschiedener Weise verstanden. Aus entwicklungspsychologischer Sicht gilt der Erwerb von Medienkompetenz mittlerweile als universelle Entwicklungsaufgabe (vgl. Süss, 2008, S. 367). Der Begriff wurde ursprünglich von Baacke bereits 1973 eingeführt, der unter Medienkompetenz die Fähigkeit zur Medienkritik, -kunde, -nutzung und -gestaltung verstand (vgl. Süss, 2008, S. 362). Medienkompetenz kann zudem die Fähigkeit bedeuten, „Medien bewusst auszuwählen, kritisch zu hinterfragen und kreativ zu nutzen“ (Süss, 2012, S. 220) oder auch „Medien kritisch, selbstbestimmt und verantwortlich zu nutzen, verstehen, bewerten und gestalten zu können“ (Trepte& Reinecke, 2013, S. 205).
Zwischenzeitlich taucht im Diskurs zu Mediatisierung und Digitalisierung der Begriff der Digitalen Kompetenz fast häufiger auf als der der Medienkompetenz. Exemplarisch sei hier die Definition der Europäischen Kommission angeführt: „Digitale Kompetenz umfasst die sichere, kritische und verantwortungsvolle Nutzung von und Auseinandersetzung mit digitalen Technologien für die allgemeine und berufliche Bildung, die Arbeit und die Teilhabe an der Gesellschaft“ (Europäische Kommission, 2018, S. 4).
Wenngleich es zwischenzeitlich weitere Modelle gibt (vgl. z. B. DQ Institute, 2022; Genner, 2019; Schmeling& Bruns, 2020), fokussiert dieses Kapitel auf die Modelle, die 2020/2021 im Rahmen der Modellentwicklung im Projekt Medienkompetenz als Basisvariable für Blended Counseling (Projekt MKBC) herangezogen wurden, da diese aus Sicht der Autorinnen alle relevanten Aspekte enthalten.
3.1 Das Medienkompetenzmodell von Groeben
Ein fundiertes theoretisches Konzept zur Medienkompetenz stammt von Groeben (2002). Es wird häufig rezipiert, da sein Konstrukt von mittlerer Reichweite ist und es explizit vorgesehen ist, dieses für verschiedene Anwendungsbereiche zu konkretisieren.
Nach Groeben sollen unter Medien „vor allem technologische Kommunikationsmittel bzw. -instrumente verstanden werden, ohne zu vernachlässigen, dass damit auch Sozialis