DER CHINESE MIT DEM KONTRABASS
Peter Gerdes
»Was denn nun?«, fragt Onno Kniep ungeduldig. »Klauen wir den Laptop von dem Typen? Oder seinen alten PC?«
»Beides zu unsicher«, antwortet Menno Knieper. »Am besten, wir holen uns gleich den Chinesen.«
»Den Chinesen?« Kniep macht runde Augen. »Wie sollen wir denn an den rankommen?«
»Ganz einfach«, behauptet Knieper. »Heute Abend in seinem Übungskeller. Da spielt er Kontrabass.«
»Der Chinese spielt Kontrabass?« Kniep ist sich nicht sicher, ob er verarscht wird, und guckt vorsichtshalber böse. So guckt er meistens.
»Ja«, bestätigt Knieper. »Er hat eine Hobbyband, zusammen mit zwei anderen Chinesen. Jazz oder so. Er spielt Bass.«
»Na dann.« Kniep tut so, als ob er überlegt, aber überlegen ist nicht seine Stärke. Also stimmt er zu. »Holen wir uns den Chinesen.«
Angefangen hat alles ein paar Nummern kleiner. Nämlich so:
»Holz«, sagt Knieper am Morgen, als er den alten Ofen anheizt. Es ist kalt, Knieper kann seinen Atem sehen. »Mit Holz kann man Geschäfte machen in diesen Zeiten. Brennholz wird immer teurer. Verkauft sich wie geschnitten Brot! Die Leute verheizen alles, was kein Russengas ist. Überleg mal, wo kriegen wir Holz her? In großen Mengen?«
Kniep umklammert seinen Teebecher mit beiden Händen; er möchte sich wärmen, aber sein Tee steht schon eine Weile, daher weiß er nicht, wer hier gerade wen wärmt, der Tee seine Hände oder umgekehrt. ›Im Wald‹ ist die erste Antwort, die ihm einfällt, aber die behält er für sich. Alle Welt fährt gerade in die Wälder, Brennholz klauen, und die Förster haben Flinten. Wo sonst, im Baumarkt? Die führen Brennholz, schön abgepackt und schön teuer. Aber Baumärkte sind tagsüber zu belebt und nachts zu gut gesichert. Kniep und Knieper kennen sich nicht aus mit Schlössern und Alarmanlagen. Offene Türen wären besser. Aber wer lagert große Mengen Holz bei offenen Türen? Ach ja, richtig!
»Bei Bakker«, sagt Kniep.
»Bei Bakker?« Knieper guckt völlig verständnislos, was gewöhnlich Knieps Rolle ist. »Wie meinst du das, bei Bakker?«
»Na ja, Bakker eben. Norder Form AG. Da hab‘ ich mal gejobbt.«
»Norder Form? Mensch, Junge, ich habe Holz gesagt!«
Kniep grinst überlegen; das Gefühl eines Wissensvorsprungs hat er nicht oft, also kostet er es aus. »Klar haben die Stahl bei Norder Form«, sagt er schließlich. »Jede Menge sogar. Kriegen sie in Coils geliefert, die wiegen etliche Tonnen pro Stück! Dann werden die da verarbeitet.«
»Du meinst eingeschmolzen und gegossen?« Knieper stellt sich Hochöfen vor und Männer mit dicken Schürzen, riesigen feuerfesten Handschuhen und Visierhelmen, die mit langen Stangen in weißglühenden Metallströmen rühren. Wieder falsch.
»Bei Bakker wird nicht geschmolzen, da wird geschnitten«, stellt Kniep richtig. »So, dass man da Küchengeräte oder sonstwas draus machen kann. Wie es die Kunden eben gerade wollen. Dann wird das Zeug zur Weiterverarbeitung verschickt. Rate mal, wie.«
»Mit der Post?« Knieper hat keinen Schimmer, worauf Kniep hinauswill.
»Auf Paletten!«, ruft Kniep triumphierend. »Paletten aus Holz! Und nicht irgendwelche Paletten, nicht so ein spilleriges Zeugs, wie wenn du vom Baumarkt was geliefert kriegst. Nee, richtig dicke, stabile Dinger. Die müssen das Gewicht von Stahl aushalten. Von der So