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Ich würde ihn umbringen.
Irgendwann.
Lange nach meiner Kündigung, damit ich nicht in Verdacht geriet.
»Aiden«, maulte ich, obwohl ich es besser wissen sollte. Denn mit Unmutsäußerungen handelte ich mir lediglich seinen berüchtigten, herablassenden Blick ein, der in der Vergangenheit dafür gesorgt hatte, dass Aiden mehr als nur ein Mal Ärger bekommen hatte – so hatte man mir jedenfalls erzählt. Wenn seine Mundwinkel herabfielen und sich seine braunen Augen halb schlossen, wollte ich ihm am liebsten die Faust ins Gesicht rammen.
Der Mann, der entweder kurz vor einem blutigen Ende stand oder vor einem sorgfältig geplanten, bei dem Spülmittel, seine Mahlzeiten und ein langer Zeitraum eine Rolle spielten, grunzte hinter seiner Schüssel mit Quinoa-Salat. »Sie haben es gehört. Sagen Sie es ab«, wiederholte er, als wäre ich beim ersten Mal, als er es mir aufgetragen hatte, mit Taubheit geschlagen gewesen.
Oh, ich hatte ihn durchaus vernommen. Klar und deutlich. Eben deshalb wollte ich ihn ja ermorden.
Worin sich nur zu deutlich das Wunder des menschlichen Verstandes spiegelt: Man mag einen Menschen zwar, will ihm aber gleichzeitig die Kehle durchschneiden. Wie zum Beispiel eine Schwester, der du am liebsten in die Eierstöcke boxen würdest. Um ihr eine Lektion zu erteilen, würdest du sie volle Kanne in ihre Brutfabrik boxen – nicht, dass ich in solchen Dingen Erfahrung hätte.
Da ich schwieg, fühlte er sich offenbar bemüßigt, seine Weigerung zu untermauern. »Ist mir egal, was Sie denen erzählen müssen. Tun Sie’s einfach.«
Ich schob die Brille mit dem linken Zeigefinger höher, während ich die rechte Hand hinter den Küchenblock senkte, die Hand, die ihm den Stinkefinger zeigte. Es war sein Ton, der mich am meisten ärgerte. Dieser Ton besagte, dass es absolut keinen Sinn hatte, mit Aiden zu diskutieren – weder jetzt noch jemals würde er seine Meinung ändern, und damit hatte ich mich abzufinden. Wie immer.
Bevor ich anfing, für den dreimaligen Defensive Player of the Year der National Football Organization zu arbeiten, hatte es nur zwei Dinge gegeben, die ich ungern tat: mich mit Leuten herumzustreiten und ihnen ein Nein ins Gesicht zu schleudern und meine Hand in den Häcksler für Küchenabfälle zu stecken.
Ich war zwar sowohl Köchin als auch Putzfrau des Hauses. Jetzt aber war etwas hinzugekommen, das ich aus tiefstem Herzen hasste: die Aufgabe, Leuten in allerletzter Minute abzusagen. Es nervte mich unsäglich und verstieß gegen meine Überzeugungen. Ich meine – ein Versprechen ist schließlich ein Versprechen, oder etwa nicht? Andererseits ließ nicht ich die Fans hängen, sondern Aiden.
Der verdammte Aiden, der soeben sorglos sein zweites Mittagessen in sich hineinschaufelte, blind gegenüber der Verzweiflung, die für mich das Gespräch mit seinem Agenten bedeutete. Nach all der Mühe, die uns die Planung gekostet hatte, musste ich ihm nun die frohe Botschaft überbringen, dass Aiden in dem Sportartikelgeschäft in San Antonioüberhaupt nichts signieren würde.
Ich seufzte. Schuldgefühle plagten mich. Ich rieb mein steifes Knie mit der Hand, die gerade nicht damit beschäftigt war, meinem Frust Ausdruck zu verleihen. »Sie haben es aber versprochen …«
»Ist mir schnuppe, Vanessa.« Wieder warf er mir diesen Blick zu. Mein Mittelfinger zuckte. »Lassen S