: Thomas Fitzner
: Deine fremde Tochter
: dp Verlag
: 9783987785269
: 2
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German

Das mysteriöse Verschwinden einer Millionärstochter und ein Netz aus Lügen
Ein fesselnder Kriminalroman, der in die dunklen Abgründe Marokkos entführt

Eine junge Norwegerin verschwindet unter rätselhaften Umständen und wird nach erfolglosen Ermittlungen für tot erklärt. Zuvor hatten die schwerreichen Eltern eine enorm hohe Lebensversicherung auf ihre Tochter abgeschlossen. Deswegen wird Detektivin Rita Kleefman auf den Fall angesetzt. Ihre Nachforschungen führen sie nach Marokko, wo das Mädchen zum letzten Mal lebend gesehen wurde. Dort stößt sie auf Ungereimtheiten in den offiziellen Berichten und wird mit den Abgründen eines Familiendramas konfrontiert. Inmitten eines Geflechts aus Lügen und Intrigen, wird Rita klar, dass ihr der Fall selbst zum Verhängnis werden könnte…

ies ist eineüberarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Deine fremde Tochter

Erste Leser:innenstimmen
„Unerwartet spannend und mitreißend, ich musste den Krimi in einer Nacht durchlesen!“
„Tolles Setting, Marokko zeigt sich von seiner schönsten und schlimmsten Seite.“
„Der Schreibstil des Autors war angenehm leicht und flüssig.“
„Rita ist eine Protagonistin, in die man sich super hineinversetzen kann.“
„Ein Krimi vom Feinsten– klare Leseempfehlung!“


Thomas Fitzner wurde 1960 in Bregenz (Österreich) geboren. In den 80er und 90er Jahren war er als UN-Offizier in Konfliktregionen in Nahost und Nordafrika stationiert. Danach arbeitete er zehn Jahre lang als freiberuflicher Werbetexter, Übersetzer und Dolmetscher in Spanien und danach als Redakteur bei der deutschsprachigen Mallorca-Zeitung. Ab 1998 war der Autor auch als freiberuflicher Werbetexter, Journalist, Übersetzer und Dolmetscher tätig. Seit 2012 ist Fitzner im Hauptberuf bei einem internationalen Steuerbüro in Palma de Mallorca tätig. Thomas Fitzner hat bislang sieben Romane und einen Anekdotenband veröffentlicht. Er lebt in einem kleinen Dorf in der Mitte Mallorcas.

1.


„Wir haben Fortschritte gemacht“, sagte Doktor Peer und mimte Anerkennung.

Rita Kleefman antwortete nicht. Eine Woche hatte sie gebraucht, um zu begreifen, dass ein Kurhotel nichts für sie war. Dabei erfüllte sie alle Voraussetzungen. Seit sie im Nahen Osten einen Versicherungsbetrug aufgeklärt und dabei gewaltbereite Versicherungsbetrüger verärgert hatte, zog sie ein Bein nach, mal auffälliger, mal weniger, jedenfalls war sie die perfekte Kurbedürftige. Auch wenn sie in den Spiegel blickte, sah sie Probleme, die nach einer Therapie schrien, doch für die gab es keine Kur.

„Wenn man Ihre Krankheitsgeschichte berücksichtigt, ist es ein Wunder, dass Sie überhaupt noch gehen können“, sagte Doktor Peer, den die meisten Patientinnen mit „lieber Doktor Peer“ ansprachen. Rita hingegen sagte nur „Doktor“. Die Illusion, er könne eine Sekunde mehr in sie investieren, als es seine Vertragspflicht verlangte, war schon am ersten Tag verflogen. Und Rita legte Wert auf Symmetrie in den Beziehungen.

„Übrig geblieben ist nur eine Steifheit im Hüft- und Kniegelenk.“

Rita nickte und mimte ihrerseits Interesse an dem, was der „Doktor“ sagte. „Nur.“

„Die Sie aber geschickt kompensieren.“

Ja, dachte Rita. Ich gehe einfach so selten wie möglich. Wenn das keine geschickte Kompensation eines doppelten Gelenksproblems war.

„Daran müssen wir arbeiten“, sagte Doktor Peer und erhob sich. Die Sprechstunde war beendet.

Rita fühlte sich einmal mehr überwältigt von den Banalitäten, die der Kurarzt auf sie abgeladen hatte. Sie arbeitete sich aus dem Sessel hoch und lächelte. „Herzlichen Dank, Doktor. Ich spüre es, mit Ihrer kompetenten Hilfe werde ich in zwei Wochen zur Gazelle.“

Doktor Peer starrte sie an. Wahrscheinlich dachte er darüber nach, ob Rita kokett wurde oder ihn gerade verarschte.

Manchmal zeigte der Kuraufenthalt Wirkung, und Rita fühlte sich besser. Dies war so ein Augenblick. Später kam ihr der absurde Gedanke, in der Hölle wäre ein Tor aufgegangen, als sie das Wort Gazelle aussprach. Wie anders war zu erklären, dass sie zwei Wochen später tatsächlich zur Gazelle wurde?

„Ich hätte es beinah vergessen“, sagte Doktor Peer mechanisch, während er sich verärgert abwandte. „Ihre Firma bittet um Rückruf.“

Genau damit begann es.

 

Ein Autobus, fünf Passagiere, eine Fernstraße an endlosen Waldrändern entlang, Tankstellen mit Blockhütten voller Souvenirs und Sandwiches. Eigentlich stünde mir ein Mietwagen zu, dachte Rita Kleefman. Oder ein Flugticket. Doch sie brauchte Zeit, um das Geschehen der letzten Tage in der Reihenfolge seiner Verwunderlichkeit zu ordnen. Die Reise mit dem Überlandbus gab ihr diese Zeit. Vorgestern das Kurhotel in Valkenburg aan de Geul, wo Deutsche und Holländer in trügerischer Harmonie ihre Körper- und Seelenwunden leckten, heute Norwegen, ein friedliches Dahinbrummen Richtung Trondheim, einem Kunden entgegen, einem verzweifelten Elternpaar, Tochter spurlos verschwunden, Tochter hoch versichert, ein Fall für die Versicherung. Kein typischer Fall, aber auch kein wirklich verwunderlicher. Nicht, wenn man die Begleitumstände dieser Reise zum Maßstab nahm.

Der Anruf, der Rita aus ihrem Einzelzimmer im Kurhotel nach Norwegen katapultiert hatte, war nicht von Anna Loeken gekommen.

Das war verwunderlich.

Anna Loeken, die Leiterin des Büros für Auslandsermittlungen von Safee Securities, die Vorgesetzte und alte Vertraute, war über Nacht von ihrem Chefsessel auf die Straße befördert worden.

Rita, die abgebrühte Ermittlerin, machte eine Entdeckung: Das Büroleben war gefährlicher als Ermittlungen „draußen“. Der kleinste Fehler wurde mit dem Leben bezahlt. Was tat Anna Loeken jetzt? Besäufnis im Lieblingspub, Affären zur Ablenkung, Rückkehr zur Scholle – da waren Kinder zu versorgen, mit Erklärungen zu beruhigen – oder Auflehnung wie im Film: Gefeuerte Ermittlungsleiterin macht sich auf eigene Faust daran, den wahren Schuldigen zu finden?

Die Frage, welchen Fehler Anna begangen hatte, war nebensächlich, wusste Rita. Dazu kannte sie ihre Firma zu gut. Viel bedeutsamer und auch verwunderlicher war der Umstand, dass der Anruf von Hanno de Mey gekommen war. Hanno de Mey, der heimliche Geliebte der ehemaligen Chefin, oder nunmehr womöglich ehemaliger Geliebter der ehemaligen Chefin ... wie vergänglich war doch alles: Ein Wimpernschlag und das gesamte Umfeld hat sich neu formiert,