Die geheimnisvollen Wälder
»Einsamkeit und das Gefühl, unerwünscht zu sein, ist die schlimmste Armut.«
Mutter Teresa
Masuren
Sommer 1932
Marie-Luises zierliche Gestalt wirft kaum Schatten, als sie die dicht bewachsene Birkenallee im Schein der untergehenden Sonne nach Hause hastet. Die Gedanken nehmen immer mehr von ihr Besitz und lassen sie den nicht enden wollenden Heimweg vorübergehend vergessen.
Sie fragt sich, warum sie Rose nicht besser angebunden hatte. Nun muss sie den ganzen Weg allein nach Hause laufen. Sie hofft, dass niemand ihren heimlichen Ausflug bemerkt und Rose vermisst hat, und biegt hastig in die eng bewachsene Ahornchaussee ein. In der Ferne erkennt sie die ersten schattenhaften Umrisse des mächtigen Herrenhauses, dessen schwarze Silhouette vom silbernen Licht des Mondes angestrahlt wird. Sie drängt die beängstigenden Vorahnungen aus ihrem Kopf, indem sie erneut über das gerade im Wald Vorgefallene nachdenkt und eine Erklärung dafür sucht. Während der Mond hinter einer Wolke verschwindet, taucht sie in die Eichenallee ein, die zu ihrem Elternhaus führt. Die Allee liegt nun in völliger Dunkelheit vor ihr, doch sie nimmt kaum davon Notiz, sondern läuft atemlos weiter. Endlich erreicht sie den elterlichen Hof und ist doch in Gedanken noch weit entfernt. Ich bilde mir das alles nicht ein, versichert sie sich. Rose hat es auch bemer