I. Kapitel
Ihre Füße waren blutig.
Obwohl sie weite Strecken auf weichem Moos gelaufen war, hatten sich Äste und Steinchen in ihre Sohlen geschnitten und jagten scharfe Schmerzen bis in ihre Leibesmitte. Als sie stehen blieb und sich vorbeugte, um besser Atem holen zu können, gewahrte sie die Spur, die sie auf dem Weg hinterlassen hatte.
Kurz dachte sie, dass jener rote Saft unmöglich von ihr stammen könnte, dass sie – nach allem, was sie erlebt hatte – nicht lebendig genug war, um zu bluten. Doch dann sah sie an sich hinab, wendete zuerst den einen Fuß, dann den anderen, und bemerkte die klaffenden Wunden.
Ihre Zunge fühlte sich belegt an, ihr Atem roch säuerlich. Der Schmerz schien sich in ihren gesamten Körper auszustrecken: bis in die Spitzen ihrer Brüste, die während des Laufens unruhig auf ihrem Körper geschlackert hatten, und bis zu ihrem Magen, der sich anfühlte, als hätte er sich auf die Größe eines Kieselsteins zusammengezogen. Ihr Durst war unerträglich. Keuchend lief sie weiter und spürte einen neuerlichen Schmerz, diesmal, als ob ihr ein Messer zwischen die Beine schnitt. Sie fühlte, wie warme Flüssigkeit über die Schenkel rann. Hatte sich ihre Blase entleert? Oder blutete sie auch dort?
Sie ordnete alles dem unerträglichen Durst unter und irrte auf der Suche nach einer Quelle durch den finsteren, raschelnden Wald. Eichen, Buchen, Ahornbäume und Birken reichten sich gegenseitig die Hände und tanzten, während sie an den Stämmen vorbeihuschte. Manchmal gluckerten ihre Schritte, vielleicht, weil es geregnet hatte und der Waldboden noch nass war, vielleicht, weil sie von Sümpfen und Mooren umgeben war. Letztere waren gefährlich, man konnte darin versinken und elendiglich ertrinken